Mission: Impossible 2

USA, 120min
R:John Woo
B:Ronald D. Moore, Bruce Geller
D:Tom Cruise,
Dougray Scott,
Thandie Newton,
Ving Rhames
L:IMDb
„This isn´t mission difficult, this is mission impossible”
Inhalt
Die gesamte Welt ist bedroht: ein tödliches Virus ist entwickelt worden, das zusammen mit seinem Antiserum eine mächtige Waffe darstellt. Ex-Agent und Oberschurke Sean Ambrose (Dougray Scott) hat mit dem Virus gar Böses vor, wovon ihn Superagent Ethan Hunt (Tom Cruise) zusammen mit der Diebin Nyah Hall (Thandie Newton) und Computergenie Luther Stickell (Ving Rhames) abhalten soll.
Kurzkommentar
Trotz teils furioser Actionszenen in bester Woo-Manier bleibt ein Gefühl der Enttäuschung bei "MI:2" doch zurück. Wären die Charaktere wirklich nur etwas ausgefeilter gewesen - Mission Impossible 2 hätte gleich doppelt so viel Spaß gemacht. So bleibt grandioses Actionkino mit einem Beziehungsplot, der trotz der hübschen Darsteller eher Kopfschmerzen verursacht. Schade, um die vergebene Chance.
Kritik
In Ermangelung an knallig-stumpfen Actionbrummern sollte jeder Actionfetischist eigentlich sehnsüchtig auf "Mission Impossible 2" gewartet haben. Das Agentenambiente der Serie "Cobra: Übernehmen Sie" mit all seinem technischen Schnickschnack, Tom Cruise als fähiger Actionheld, dazu die begnadete Regie John Woo's und nicht zuletzt die modernisierte Titelmusik verstärkten den Eindruck eines mächtig coolen Streifens. Da wären Story und Charakterentwicklung eigentlich vollkommen gleichgültig gewesen - hauptsache es kracht gut.

Die beschriebenen Erwartungen erfüllt "MI:2" dann auch größtenteils - und trotzdem bleibt ein Gefühl der Enttäuschung zurück: der Storyhintergrund von "MI:2" ist einfach zu dünn. Und gerade das wird dem Film in der ersten Stunde besonders zum Verhängnis, da er sich viel zu sehr auf die ach so romantische Liebesbeziehung zwischen Ethan Hunt und Nyah Hall konzentriert. Besonders störend ist die Charakterzeichnung: man erfährt nichts, aber auch gar nichts Näheres über Ethan Hunt, Nyah Hall oder den Bösewicht Sean Ambrose. Noch nicht mal ein kurzer Abschnitt über deren Vergangenheit, um die Motivation der Beteiligten wenigstens einigermaßen zu erklären. Dagegen wirken Woo's Vorgängerfilm "Face/Off" und auch Bruckheimer Konkurrent "The Rock" wie die reinste Charakterstudie.
Woher beispielsweise kommt Nyah ? Was hat sie vorher gemacht ? Warum wurde sie nie gejagt, wenn sie doch die beste Diebin ist ? Was ist in ihrer Beziehung zu Sean passiert ? Warum ist sie zerbrochen ? Oder Dougray Scott's Charakter: er ist Ex-IMF'ler. Was ist damals passiert ? Warum ist er ausgestiegen ? Wieso ist er plötzlich einer der "Bösen" ?

Man erwartet ja keine zehnminütige Aufklärung über deren komplette Kindheitsgeschichte - nur mal ein Nebensatz hier und da und der Film böte viel weniger Anlaß zur Kritik.
Klar, "MI:2" soll nichts anderes als ein wummerndes Actionspektakel werden, aber dann hätte man die erste Stunde des Films einmal gründlich überdenken sollen und sich vielleicht etwas mehr auf die atmosphäre- und spaßfördernden Dinge konzentrieren sollen. Die Organisation IMF bietet so viel Potential für eine passende Agentenumgebung - James Bond hätte alt ausgesehen. Stattdessen wird Einzelgänger Tom Cruise in allen Variationen präsentiert - der Gedanke der Selbstbeweihräucherung drängt sich auf. Oder was mit den Nebencharakteren, die einem als Zuschauer normalerweise besonders ans Herz wachsen ? Hugh Stamp ist lediglich ein unwichtiger Pilot und Ving Rhames als bekannter Computerexperte kommt viel zu wenig zum Zug. Wo ist sein sympathisch-ironisches Grinsen, wo seine lockeren Sprüche ? Irgendwie steht er teilweise vollkommen neben sich und wirkt unbeteiligt und gelangweilt.

Glücklicherweise gibt es ja noch Regisseur John Woo - seines Zeichens mit begnadetem Talent für Ballerorgien gesegnet. In wenigen Szenen zu Beginn (Autojagd) und besonders zum Ende des Films blitzt doch eindeutig sein Können auf. Da erledigt Tom Cruise in schönen Slow-Mo Aufnahmen diverse Gegner, läßt in perfekt choreographierten Kung-Fu Kampfszenen auch den "Matrix"-verwöhnten Zuschauer aufhorchen und bietet eine Motorrad-Verfolgungsjagd, die an Intensität ihresgleichen sucht. Dabei hat Hauptprotagonist Cruise genug Charisma, um sowohl als Extrem-Urlauber als auch als Götteragent zu überzeugen. Wenn er für meinen Geschmack auch etwas zu oft in zähneknirschenden Zeitlupenaufnahmen zu sehen ist, so ist sein Gesamtauftreten von bloßer Lächerlichkeit doch meilenweit entfernt (etwas weniger forcierte Coolness hätte trotzdem nicht geschadet).
Gepaart mit den schicken Sets (z.B. beim Einbruch) und den durchweg schön arrangierten Bildern hätte aus "MI:2" noch deutlich mehr werden können. Die Probleme bei der Produktion sieht man dem Film im Endergebnis leider deutlich an. Das Studio wollte eher den stumpfsinnigen Fließbandblockbuster ohne große Risiken, während John Woo seinen Stil durchziehen wollte und wohl einen reinrassigen Ballerfilm draus gemacht hätte - mit allem was dazu gehört: gebrochene Charaktere, verbitterte Stimmung, wahrscheinlich sogar düstere Atmosphäre. Ein besseres Skript als dieses hätte sich sicherlich gefunden.

Insgesamt bleibt also nicht mehr als ein durchschnittlicher Blockbuster. Dafür, daß in letzter Zeit viel zu selten Pistolenkugeln über die Leinwänden geflogen sind (noch dazu so gekonnt), gibts einen kleinen Bonuspunkt. Und die letzte dreiviertel Stunde entschädigt für den unbefriedigenden Beginn doch zumindest insoweit, als daß der Actiondurst erstmal wieder gestillt ist. Schade nur, daß John Woo sich nicht so richtig austoben durfte.

Routiniertes Actionspektakel in gezwungener Coolness


Thomas Schlömer