Mission: Impossible 2

USA, 120min
R:John Woo
B:Ronald D. Moore, Bruce Geller
D:Tom Cruise,
Dougray Scott,
Thandie Newton,
Ving Rhames
L:IMDb
„This isn´t mission difficult, this is mission impossible”
Inhalt
Die gesamte Welt ist bedroht: ein tödliches Virus ist entwickelt worden, das zusammen mit seinem Antiserum eine mächtige Waffe darstellt. Ex-Agent und Oberschurke Sean Ambrose (Dougray Scott) hat mit dem Virus gar Böses vor, wovon ihn Superagent Ethan Hunt (Tom Cruise) zusammen mit der Diebin Nyah Hall (Thandie Newton) und Computergenie Luther Stickell (Ving Rhames) abhalten soll.
Kurzkommentar
Das Sequel zum Welthit "Mission: Impossible" kommt trotz der Regie des Gewaltvirtuosen John Woo über eine einfallslos kalkulierte "Mission: volle Kassen" nicht hinaus. Der platte Plot ist viel zu gewichtet, die stylische Actionchoreographie ist zu routiniert, um Maßstäbe nach der "Matrix" setzen zu können. Gleichwohl ein spaßiger Aufguß.
Kritik
Als "Mission: Impossible" - so der Titel einer TV-Serie der späten 60er und frühen 70er Jahre - vor vier Jahren seine Überführung auf die große Leinwand erlebte, wurde ein Traum von Tom Cruise lebendig, der die Kassen stärker als erwartet füllte und kurzerhand zum weltweiten Sommerhit 1996 wurde. Cruise war mit der Idee an Regisseur Brian DePalma ("Mission to Mars") herangetreten, der dann ein respektables Spionageabenteuer vorlegte, das aber entgegen dem TV-Original die Figur des Superagenten Ethan Hunt derart in den Vordergrund spielte, dass Hunt auf die Erkundung seines Namens genauso gut hätte mit "Bond, James Bond" antworten können. Analogien waren da, charakterisierte sich "Mission: Impossible" doch ebenso wie Bond durch romantische und abenteuerliche Elemente sowie technoiden Ramsch.

Der eigentliche Spannungsgehalt war nüchtern betrachtet aber eher gering, der Popcornstreifen blieb nur durch sein dickes Absahnen an der Kinokasse und eine furiose Einbruchssequenz in Erinnerung. Ein müder, actionhemmender Plot unterband, dass "Mission: Impossible" den Anspruch einer Adrenalinpumpe einlösen konnte. Egal, der Erfolg war überwältigend und ein Sequel somit so sicher wie das Amen in der Kirche. Vier Jahre ließen sich die Produzenten Tom Cruise und Paula Wagner Zeit, alles größer, lauter und besser als im "Original" zu denken - für´s ausgeschlachtete Millennium solltes es so richtig knallen, und nun ist die ganze Welt in Gefahr. Und auf wen konnte die Wahl des Feuerwerksdirigenten nur fallen? Richtig, auf Honkong-Emigrant, Action-Allvater und Dynamit-Gott John Woo ("A better tomorrow", "The Killer"). Ihm ist das Paradoxon zu verdanken, dass hyperbrutale Ballerei, Tanz, stilisierter Tod und Ballett im gleichen Assoziationsfeld auftauchen. Surrealistische Slow Motion ist seine stylische Grundlage. Musste sich der brilliante Gewaltchoreograph in seinem U.S. Debüt "Hard Target" noch mit Kult-Trasher Jean-Claude Van Damme herumschlagen, war er mit "Broken Arrow" 1994 treffsicherer und landete seinen ersten Hit. Jedoch erst "Face/Off" mit John Travolta und Nicolas Cage trug uneingeschränkt Woos Handschrift und kombinierte hollywoodsche Großproduktion mit bis dahin ungekannter Ballerästhetik.

Und nun, genau vier Jahre später soll zur gleichen Zeit die Kasse noch voller werden, John Woo sich in "M:I 2" so richtig austoben und der "Matrix" zeigen, was Coolness heißt. Und so fängt auch alles auf "Wow"-Effekt getrimmt an: Cruise, hier mehr Stuntman als Darsteller, klettert und baumelt in einer atemberaubenden Eröffnung an einem großen Stein, er verliert den Halt, dem Zuschauer stockt der Atem, und doch erreicht Agent Hunt die obere Plattform - wieso? Na, um sich seine Cyberbrille mit dem Top-Secret-Auftrag im Display vom Hubschrauber per Torpedo vor die Füße schießen zu lassen! Alles klar? - "M:I 2" macht zu Beginn berechtigte Hoffnung auf einen wahnsinnig abgefahrenen, witzigen Achterbahnritt, der sich erst gar nicht die Mühe macht, einen überflüssigen Plot vorzuheucheln. Und doch, er tut es, enttäuscht und kommt damit in der ersten Stunde fast komplett zum Stillstand, als ob die konfusen Handlungselemente des ersten Teils keine Lehre gewesen wären. Der Plot um einen Killervirus und dessen Gegenmittel, die in die Hände des garstigen, nach sooo viel Kohle strebenden Buben fallen, ist so hanebüchern platt und minimal, dass er hervorragenden Anlass geboten hätte, fehlenden Inhalt mit stilsicherem Kawumm zu egalisieren.

Aber nein, in der ersten Stunde darf man sich hauptsächlich fragen, wann den die spannende "Mission" beginnt und wieso sich Anthony Hopkins mit einer unsäglich peinliche Rolle begnügen muss. Zwar nutzt Woo die agentenobligatorischen Autoverfolgungsjagd zur Einführung des weiblichen Parts und zur Demonstration seiner wahnwitzigen Optik, aber sonst passiert für einen Streifen, der sich wohl selber als Dynamit verstehen und Messlatten höher legen will, über die Hälfte schlichtweg zu wenig. Aber Latexmasken gibt es viele. Auch schauspielerisch herrscht Flaute, wenngleich die Chemie zwischen Tom Cruise und Thandie Newton wirklich stimmt. Letztere bleibt aber bloß das notwendige Püppchen. Brendan Gleeson ("Der General") wird in seinen Möglichkeiten nicht weniger als Hopkins beschnitten, was ja alles irrelevant wäre, da Darstellervermögen und Plot eh nur die Wartezeit auf die nächste Actionssequenz füllen sollten.

Dann geht es auch irgendwann tatsächlich los, es gibt wieder eine bemerkenswerte Einbruchszene, herzliches Geballer und kernige Explosionen - aber alles mit dem Touch heruntergespulter Blockbusterroutine: handwerklich begnadet, aber mehr eben nicht. Hans Zimmers Musik klingt in Kernszenen zudem genauso wie in "Gladiator", was den Fließbandeindruck nur verstärkt. Es scheint, als wäre John Woos virtuose Optik unter der Last der Großproduktion erstickt, denn in nur wenigen Momenten wird seine unverwechselbare Stilistik sichtbar. Die seltene Prügelakrobatik ist zweifellos sehr gut, nur "sehr gut" reicht für einen Woo und potentiellen "Matrix"-Topper aber eben nicht. Das will nun nicht heißen, dass "M:I-2" schlecht ist. Gerade das an ein mittelalterliches Ritterturnier erinnernde Motorradduell ist ein echtes Highlight, köstlich spaßig und der unwiderlegbare Beweis dafür, dass es hier die ganze Zeit nur als Selbstzweck hätte knallen müssen. "M:I-2" funktioniert letztlich doch minimal besser als Teil eins, aber schließend dennoch eine Bitte: Möge Geheimagent Ethan Hunt ruhen, in Rente geschickt werden und "M:I-3" bleibe uns erspart. Bereits nach Teil zwei heißt es: "Mission: Abgenutzt".

Vorschriftsgemäß reaktionäres Schablonensequel


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Trotz teils furioser Actionszenen in bester Woo-Manier bleibt ein Gefühl der Enttäuschung bei "MI:2" doch zurück. Wären die Charaktere wirklich nur etwas ausgefeilter gewesen - Mission Impossible 2 hätte gleich doppelt so viel Spaß gemacht. So bleibt grandioses Actionkino mit einem Beziehungsplot, der trotz der hübschen Darsteller eher Kopfschmerze...