Ghost Rider

USA, 114min
R:Mark Steven Johnson
B:David S. Goyer, Mark Steven Johnson, Shane Salerno
D:Nicolas Cage,
Eva Mendes,
Wes Bentley,
Peter Fonda,
Sam Elliott
L:IMDb
„A man who sells his soul for love has the power to change the world.”
Inhalt
Der berühmte Motorrad-Stuntfahrer Johnny Blaze (Nicolas Cage) geht einen teuflischen Pakt mit Mephistopheles (Peter Fonda) ein: Um seinen sterbenden Vater zu retten, verkauft er seine Seele einer dunklen Macht und trennt sich von Roxanne Simpson (Eva Mendes), der großen Liebe seines Lebens. Fortan ist Blaze gezwungen, Nacht für Nacht in Gestalt eines feurigen Dämons seine Runden zu drehen und das Böse zu vernichten. In Blackheart (Wes Bentley), dem machthungrigen Sohn des Teufels persönlich, findet Blaze seine Nemesis.
Kurzkommentar
Endlich! So möchte man jubeln. "Ghost Rider" entkommt biederen Spießbürgern wie den "X-Men", sich selbst viel zu wichtig und ernst nehmenden Spidermännern und schließlich Totalausfällen wie "Daredevil" und "Elektra". Ein Biker, dessen Schädel in Flammen gehüllt seinem Geschäft nachgeht – was mehr will man mehr?
Kritik
Die Feststellung, dass es sich im Fall des „Wilden Westens“ nicht um einen “certain place in a certain time”, sondern um einen “state of mind” handelt, ist untrennbar mit der Dekonstruktion des klassischen Hollywood-Western, wie sie etwa “The Unforgiven” (1992) von Clint Eastwood oder der aktuellere „Brokeback Mountain“ des taiwanesischen Regisseurs Ang Lee darstellen, verbunden. Die Dekonstruktion, die ein ganzes Genre zu erfassen scheint, und der sich auch ein Kevin Costner samt seiner Ursprungsutopien von (Western-)freiheit unter grenzenlosem Horizont geschlagen geben muss, schließt die Betrachtungsweisen auf die Protagonisten, sprich die großen Fixfiguren des Westernfilms, „Sheriff“, „Cowboy“ oder „Indianer“, mit ein.

Völlig unbeeindruckt von diesen Mätzchen zeigt sich Regisseur Marc Steven Johnson, auf dessen Konto die beiden wenig gelungenen Marvel-Titel "Daredevil" und "Elektra" gehen. Johnson inszeniert den alten Westen der USA als Ort der Mythen, an dem sich übernatürliche Kräfte mit digitalen Tricks austoben. Auf den 120 Millionen teueren "Ghost Rider" war lange gewartet worden – erste Bilder tauchten bereits im Jahr 2004 auf; der ursprüngliche Kinostart war für den Sommer 2006 geplant gewesen. Der erste Auftritt des Marvelhelden liegt bereits ein paar Jahre länger zurück: schon im Jahre 1972 betrat die von Roy Thomas erschaffene Figur die Comicbühne.

Obgleich der in Australien und Kanada entstandene Superheldenfilm auf Platz 1 der USA Box-Office Charts schoss, ging die US-Presse alles andere als respektvoll mit der Adaption um. So beschwert sich das Rolling Stones Magazin: "The real evil in this flick isn't Blackheart (Wes Bentley), the devil's son, it's the soul-sucking devil of modern cinema: Hollywood formula." Der San Francisco Chronicle legt nach: "Ghost Rider has everything you don't want from your superhero movie, including lack of logic, boring action scenes, bad acting in the supporting performances, a brutally slow 114-minute running time and cringe-worthy dialogue." Und schließlich der Austin Chronicle: "Has all the sugar-injected horsepower of a 6-year-old on a Big Wheel." Da wirkt es fast erheiternd, wenn eine fleißige Forumsteilnehmerin kontert: "This is a movie about a biker from hell with a flaming skull. Seriously, this isn't Schindler's List with demons."

"Ghost Rider" stellt ganz klar die Effekte über die Geschichte. Was man jedoch nicht für Nicolas Cage gilt, weil er selbst eigentlich selbst ein einziger Effekt ist. Gesteht man sich erstmal ein, dass Cage mitnichten zu den großen Charaktermimen seines Faches zählt, passt er plötzlich auch unnachahmlich gut in die Rolle des etwas rebellisch anmutenden Motorradstunt-Akrobaten, für welche in der Frühphase des Projects übrigens auch Johnny Depp Interesse angemeldet hatte. Die Nebendarsteller wirken wie Erfüllungsgehilfen, Legende Peter Fonda als faustischer Verführer, der im Geheimen vermutlich stets wie hypnotisiert auf den Chopper des Ghost Rider geblickt haben muss, weil die Edelrequisite nichts anderes als ein Replik des "Captain America" Choppers darstellte, mit welchem Fonda in "Easy Rider" unterwegs war.

Russell Boyd fängt als Kameramann Eva Mendes immer auf Brusthöhe ein; wie vorteilhaft, dass man seitens Kostüm stets ein super-enges, halb offenes Hemdchen zur Hand hatte, um die wahre Augenweide des Schauspiels der Latina einzufangen. Großartig auch: Sam Elliott als überharter Westernveteran, der krachend Klischees auf seinem Peacemaker schießt. Das Böse hat keinen besonders charismatischen Auftritt in "Ghost Rider", dafür tritt Sozialpädagogen der kalte Schweiß auf die Stirn, wenn der Protagonist sein Moralverständnis auspackt: Schuldig oder unschuldig, das sind die endgültigen Kategorien des vermeintlich Rechtschaffenden. Etwaige Motivationen und Hintergründe interessieren den Helden hierbei weniger. Gegen Ende des Films entschließt sich die Figur des toupierten Rächers, sich gegen den ursprünglichen Dienstherrn, den Teufel selbst zu stellen – damit ist die Grundlage für einen zweiten und dritten Teil geschaffen. "Let's ride!"

Ein Geisterfahrer der vergnüglich-ironischen Sorte: Hätte der Ghost Rider noch Augen im Schädel, zwinkerte er unablässig.


Rudolf Inderst