Sofies Welt
(Sofies verden)

Norwegen, 113min
R:Erik Gustavson
B:Jostein Gaarder,Petter Skavlan
D:Silje Storstein,
Tomas von Brömssen,
Andrine Saether
L:IMDb
„Wer bin ich? ... Woher kommt die Welt?”
Inhalt
Die beinahe 15-jährige Sofie Amundsen (Silje Storstein) erhält seit einiger Zeit ominöse Briefe von einem unbekannten Mann namens Albert Knox (Tomas von Brömssen). Briefe, die zentrale Fragen wie "Wer bin ich ?" und "Woher kommt die Welt?" in den Raum stellen. Natürlich lassen Sofie diese Fragen keine Ruhe und da sowohl Freundin als auch Mutter mit plumpen Antworten daherkommen, ist Sofie umso entschlossener, Albert Knox in eine Abenteuerfahrt durch den Verstand zu folgen, als dieser ihr zum Geburtstag eine (interagierende) Videokassette schenkt. Albert und Sofie unternehmen Zeitreisen durch die wichtigsten philosophischen Epochen unserer Zeit und finden heraus, daß ihre seltsamen Reisen evtl. von einer "höheren Macht" vorherbestimmt sind.
Kurzkommentar
Dem norwegischen Regisseur Erik Gustavson ist es nicht gelungen, Jostein Gaarders berühmten Roman "Sofies Welt" auf cineastische Weise gerecht zu werden. Dies ist zum einen mit der komplexen Vielschichtigkeit der Geschehen und zum anderen mit der holprigen Umsetzung zu begründen. Obwohl die Schauspieler (allen voran Silje Storstein) gute bis sehr gute Darstellerleistung bieten, mangelt es dem Film vor allem an Feingefühl und besserem Schnitt.
Kritik
Beinahe als unmöglich galt es, den komplexen Stoff Gaarder Bestseller "Sofies verden" zu verfilmen. Und wie die aktuelle cineastische Umsetzung des norwegischen Regisseurs Erik Gustavson zeigt : zu Recht. Die Vielschichtigkeit der einzelnen philosophischen Ebenen versucht Gustavson durch eine lineare Zeitreise durch die wichtigsten Epochen der Menschheit darzustellen und scheitert am Schnitt der Einzelszenen. Uninspiriert und ohne Struktur scheinen Handlung der Realwelt, der Romanwelt und der Vergangenheit verwebt und bilden einen undurchsichtigen Mischmasch.

Unbestreitbar unterhaltsam sind hingegen Sofies Begegnungen mit Sokrates, DaVinci, Michelangelo, Kopernikus oder Robespierre. Nur, daß das angesprochene Problem der Aneinanderreihung das Ganze zu amüsanten, zerstückelten Einzelszenen verkommen läßt. Zudem gerät der eigentlich interessante Aspekt - die Frage, ob Sofie und ihre Mitmenschen nur fiktional sind (ähnlich "Matrix" und "13th Floor") - viel zu sehr in den Hintergrund. Nur ab und zu wird auf den Charaktersteuernden Major (lächerliche Wahl) hingewiesen, der seiner Tochter Hilde eben diese Reise mit Sophie und Albert Knox als Roman zum Geburtstag schenken möchte, sofern er denn endlich seinen militärischen UN-Stützpunkt verlassen kann. Eine weitere Parallele zu "Matrix" : Sofie entdeckt in einer verlassenen Hütte einen Spiegel, der ihr den Einblick in die wahre Welt gewährt - und sieht ihr reales Gegenstück Hilde (ebenfalls gespielt von Silje Storstein).

Was mich aber am meisten gestört hat ist die gezwungene Konzentration des Geschehens auf die Philo-Sofie. Was wohl als tiefgreifende denkerische Herausforderung an die Entstehung der (Gedanken-)Welt gedacht ist, wird zur plumpen Möchte-Gern-Aussage degradiert. Allein der übermäßig häufige Gebrauch des Terminus "Philosophie" schreckt den geneigten Abenteurer in Gaarders (gedanklicher) Entstehungsgeschichte deutlich ab - dem Film gelingt einfach keine kongeniale Umsetzung des vorliegenen (Buch-)Stoffes.





Handwerklich wird von grottenschlechter bis sehr guter Leistung alles geboten : manche computergenerierten Klötze aus verschieden Zeitepochen sollen wohl monumentale Gebäude darstellen - dem "Matrix" und "13th Floor" verwöhnten Auge kommt das selbstverständlich lächerlich vor. Aber ebenso selbstverständlich ist natürlich die unterschiedliche Finanzkraft der drei genannten Projekte - vor diesen Hintergrund sind Effekte wie Sofies Eingriff in das Spiegeltor durchaus als sehr gut zu bezeichnen. Apropos "sehr gut" : die hinreißende Silje Storstein mimt das neu- und wissensbegierige Mädchen Sofie ebenso souverän, wie Tomas von Brömssen den "Reiseführer" Albert Knox. Lediglich der Charakter des Lehrers wirkt zu überzogen und typisch stupide. Allesamt schlägt sich die Schauspielerriege aber recht wacker.

Wäre dem Projekt jetzt noch ein etwas gefühlvollerer Regisseur spendiert worden (der Einsatz der Musik ist ein weiteres Beispiel für das fehlende Feingefühl), so hätte aus "Sofies Welt" durchaus mehr als eine leicht überdurchschnittliche Romanadaption werden können - für die (gedankliche) Aufklärung in der Mittelstufe des deutschen Schulsystems aber durchaus zu gebrauchen.

Solide Adaption eines komplexen Romanstoffes


Thomas Schlömer