Little Nicky - Satan Junior
(Little Nicky)

USA, 99min
R:Steven Brill
B:Tim Herlihy
D:Adam Sandler,
Harvey Keitel,
Patricia Arquette,
Rhys Ifans
„Ihr tut so, als gäbe es weder Himmel noch Hölle!”
Inhalt
Hier hat sogar der Teufel (Harvey Keitel) nichts zu lachen: Nachdem der alte Stinkstiefel seinen leiblichen Söhnen Adrian (Rhys Ifans) und Cassius (Tommy Lister Jr.) die unterirdische Karriere verweigert, weil er selber noch 10.000 Jahre herrschen will, durchkreuzen diese beiden voller Tücke die Pläne des alten Patriarchen. Sie frieren in New York das Tor zur Hölle zu. Jetzt geht der Papa langsam ein - ohne den nötigen Nachschub an Seelen. Sohn 3, Nicky (Adam Sandler), muß ran und helfen. Dabei wollte er doch nur seine Ruhe.
Kurzkommentar
In graueerregender Regelmäßigkeit hampelt oder humpelt das Phänomen Adam Sandler mit seiner jeweils neuen, begrifflosen Geschmacksfolter über die Leinwand und hinterlässt eine wohl noch schlimmere Spur der Verwüstung, als es selbst Satan getan hätte. Doch auch dieser gerät unter die Sandlerische Humorwalze, der nur zu wünschen übrig bleibt, dass sie ihren Verursacher bald mitplättet.
Kritik
Für Satanisten sicher eine Enttäuschung, aber mit der ausbleibenden Ankunft des Höllenfürsten zum offiziellen Jahrtausendwechsel erwiesen sich auch alle herbeibeschworenen Weltuntergangsszenarien als Finten, zumindest die kurzfristigen. Über längere Sicht mag es angesichts globaler Zerrüttung, sozialer Konflikte sowie Glaubens- und Werteverlusten durchaus zur filmreifen Apokalypse kommen. Trotzdem tobt der Teufel schon jetzt im Kino, das regelrecht inflationär und sozusagen in zwei Zuständen: im satirischen und mysthisch Plakativen, die den längst zur Popphrase entstellten christlichen Gut-Böse-Dualismus für symbolische Effektfahrten (so in "End of Days"), recycleten Armutshorror ("Lost Souls", "Die Prophezeiung") oder lustig faustischer Seelenverhökerung wie jüngst noch in "Teuflisch" ausschlachten.
Seit 1999 ist die Präsenz des Pferdefüßigen und des ewig Bösen im Kino also zu einem omnipräsenten, überreizten Topos geworden, der mit der Trivialisierung religiöser Symboliken auch die Sinnentleerung der Gesellschaft kommentiert. Mit der erschreckenden Athmosphäre eines "Exzorzisten" (der bald wiederaufgeführt wird) haben aktuelle Teufelsstreifen weniger zu tun als mit geistlosen Spukspektaklen. Zeit, dem Zirkus ein Ende zu bereiten, und das auf die sinnfälligste, auf die dümmste Art. Dummheit kann höllisch wehtun, für Außenstehende aber ziemlich spaßig sein. Dem ist leider nicht so, wenn Adam Sandler zur neuen Leinwandpeinlichkeit aufläuft. Sandler steckt seit dem erfolgreichen "Waterboy" in der schmerzvollen Schiene unkorrekte Enddebilitäten, bat in "Big Daddy" zu präpubertären Schweinereien und brennt sich überhaupt nur wie ein antidarstellerisches Mahnmal in den Geist des gemarterten Zuschauers, weil er halt so ein Teufelskerl ist. Er mag Urin, jede Menge, vorevolutionäre Lauterzeugung, sexistisches Gehampel, schwergeschädigte Gesichtsgymnastiken, intelligenzbeleidigendes Gebahren und ja, zuzeiten versucht er sogar zu sprechen. Das ist dann nicht begnadet schwachsinnig, sondern nur noch migräneverursachend langweilig oder allenfalls für Fünfjährige tauglich, dann aber pädagogisch höchst bedenklich.

An "Little Nicky - Satan Junior" stellen sich demnach drei Fragen: 1. Wer braucht Gestalten wie Sandler wirklich?, 2. Wer zwang Steven Brill zur Regie eines Streifens, der schon dem Titel nach so unterirdisch schlecht ist, dass er schnurstracks in die Hölle gehort?, und 3. Wieso, zum Teufel, haben sich namhafte und fähige Darsteller wie die Independentgröße Harvey Keitel oder Rhys Ifans sowie Quentin Tarantino und einige Andere zu Cameoauftritten nötigen lassen?. Zu 1. Vielleicht hat unsere Gesellschaft, das Publikum nichts besseres verdient, schlimmer hätte es mit dem Beelzebub himself auch nicht mehr kommen können; Sandler als Allegorie der obsiegenden Geschmacksapokalypse. Zu 2. Steven Brills Vergehen, die "kosmische Balance" von Himmel und Hölle in einem satirisch gemeinten Karnevalsbeklopptenkabinett ins Lächerliche zu ziehen, ist wirklich jenseits von Gut und Böse. Zwar ist die schrille Phantasie des Setdesigns so herrlich müllig, dass sie für Momente vom Grauen der auf Köpfen wachsenden Titten und anderen lustigen Darbietungen ablenken kann. Damit gilt aber nicht, dass "Little Nicky" Trashqualitäten aufweist, also so höllisch schlecht wäre, dass er daraus wieder Kapital schlagen könnte. Übel in diesem Ragout aufstoßen können die von Sandler gewohnten Scherzchen auf Kosten von Randgruppen nicht mehr und auch sprechende Bulldoggen, die zwischendurch begatten, Pfeile pissen und Reizgas von sich geben, liegen im Rahmen der üblichen Offensiven.

Der Teufel muss seine Finger im Spiel haben, wenn es solche Hirntodmachwerke überhaupt bist auf die Leinwand schaffen. Dafür das Fegefeuer. Über Sandlers eingefroren-verzogene Urmenschvisage (signifikant: sein Bruder zog ihm mit der Schaufel eins über, als er in Kindertagen mit dem debilen Lachen nicht aufhören wollte) hinaus begehen Keitel und Ifans zwar keine darstellerischen Todsünden, dafür aber fast Rufmord; Frage 3 bleibt somit auch offen. Schließen sollten sich, und zwar hinter Adam Sandler samt den Sünden seiner vergagenen Teufelswerke und denen, die noch von sich zu künden drohen, die Pforten der Hölle, die ihren Schrecken mit Sandler als Insassen endlich zurück hätte.

Höllisches Hirntodspektakel jenseits von Gut und Böse


Flemming Schock