Transporter - The Mission
(Transporter 2)

Frankreich / USA, 87min
R:Louis Leterrier
B:Luc Besson, Robert Mark Kamen
D:Jason Statham,
Amber Valletta,
Hunter Clary,
Jeff Chase
L:IMDb
„I am afraid that your flight has been canceled. – I am afraid YOU have been canceled.”
Inhalt
Diese Mission in Miami sollte überhaupt keine Probleme machen: Um einem Freund auszuhelfen, der in Urlaub ist, fährt Frank einen Jungen ein paar Tage lang zur Schule und nach Hause zurück. Aber weil der Vater des Kleinen zu einem der Hauptverantwortlichen im Kampf gegen Drogen gehört, wird Frank gegen seinen Willen in eine wahnwitzige Verschwörung hineingezogen. Ein begnadeter Wissenschaftler, der im Dienst eines mächtigen Drogenkartells steht, hat dem Kind einen tödlichen Virus eingeimpft. Und das ist nur der erste Schritt eines teuflischen Plans, der darauf abzielt, alle zu kontaminieren, die dem Drogenhandel in die Quere kommen. Frank will den Kleinen retten, koste es, was es wolle. Dazu muss er die Drahtzieher des Komplotts stellen. Unter der Sonne Floridas, einer Welt der wildesten Versuchungen, muss er schnell feststellen, dass er Leuten zu nahe gekommen ist, deren Macht grenzenlos zu sein scheint. Aber das soll ihn nicht stoppen, im Gegenteil.
Kurzkommentar
"Transporter: The Mission" ist Kino, das seine Herkunftsstätte des Spektakels der Jahrmärkte und Volksfeste nicht versteckt. Im Gegenteil – der Film punktet mit seiner kinetischen Energie und überzeugt in punkto Action voll und ganz. Dass dabei narrative Tiefe und charakterliche Entwicklungen zu kurz kommen, dürfte das Zielpublikum nur wenig stören.
Kritik
32 Millionen Dollar Budget und 60 Drehtage stehen auf der Habenseite; Louis Leterrier, der Regisseur von „Danny the Dog“, einem ebenfalls von Luc Besson produzierten – eher sperrigen – Filmvehikel, liefert mit „Transporter: The Mission“ einen Titel ab, der innerhalb seiner Genregrenzen erstaunlich gut funktioniert. Verantwortlich dafür ist vor allem Jason Statham, der in seiner Rolle als paternalistisches Schlitzohr mit Samurai-Ehrenkodex und humanistischen Grundzügen voll aufgeht. Die Geschichte um das kolumbianische Drogenkartell, das einen italienischen Auftragskiller beordert, um die Drogenbeauftragten der Welt auf einer Konferenz in Miami auszuschalten, ist in etwa so hanebüchen, wie die wirren Handlungsfäden des menschenverachtenden „Bad Boys 2“, aber Louis Leterrier scheint zu wissen, wo die Grenzen des guten Geschmacks bzw., wo die Grenzen von Ironie liegen. Die Mordrate des Films bleibt durchgehend niedrig; lieber arbeiten die Produzenten mit zahlreichen Gymnastiktricks, welche direkt einen Chackie Chan-Film entliehen sein könnten.

Das liegt an der Mitwirkung des Kampfchoreographen Corey Yuens, dessen Mithilfe wohl der endgültige Durchbruch von Wirework – spätestens seit „The Matrix“ - in Hollywood zu verdanken ist. Überhaupt kümmert sich der Film erfrischend wenig um Newton und seine Gesetze der Physik. Ein Transporter („the medium is the message“) ist per definitionem immer unterwegs, und das möglichst schnell, denn dafür wird er bezahlt. Auch der Kinokunde hat gezahlt und möchte nun einen möglichst halsbrecherischen, aber zu jeder Zeit souveränen Transporteur erleben. Die Verfolgungsjagden im Audi A8 sind wunderbar fotografiert; leider verzichtete man nicht auf digitale Helikopter-Explosionen, welche fürchterlich billig anmuten. Sollten sich Frank Miller oder Robert Rodriguez „Transporter: The Mission“ ansehen, werden sie, genau so wie vielleicht Kenner der James Bond Streifens „Im Angesicht des Todes“, zahlreiche Aha-Erlebnisse haben. Nicht nur verwenden die Transporter-Produzenten den Sin City Trailersong von „The Cells“ wieder, sondern legen auch die Gespielin des Erzschurken Lola (gespielt von dem Mannequin Kate Nauta) als Auferstehung der legendären Grace Jones-Rolle als leicht bekleidete Fitness-Killerin an. Ist das das viel zitierte postmoderne Kino?

Zahlreiche komödiantische Momente lockern den Film immer wieder auf – in erster Linie ist hierfür Francois Berleand verantwortlich, der als französischer Polizist Tarconi aus dem ersten Teil des „Transporter“ seinen alten Bekannten Frank einen Besuch in Miami abstatten will. Der Franzose scheint alles in das richtige Licht zu rücken, seine lakonische Art ergänzt sich hervorragend mit der treibenden, immer vorwärts hastenden Gesamtkonzeption des Films. Nüchtern konstatiert Tarconi auf die Bemerkung Franks, er habe aufgrund des ganzen Trubels noch nicht einmal den berühmten Miami Beach gesehen: „Meer und Strand gibt es hier und da. Alles dasselbe.“ Vielleicht ist gerade das das Sympathische an diesem Film: Er nimmt sich in letzter Instanz nicht allzu ernst.

Der „Transporter“ liefert ansehnliche Actionware und erfüllt so seine Titel gebende „Mission“: Nicht mehr und nicht weniger.


Rudolf Inderst