Snatch'

UK / USA, 104min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Guy Ritchie
B:Guy Ritchie
D:Jason Statham,
Alan Ford,
Brad Pitt,
Vinnie Jones
L:IMDb
„Zucker? - Nein Danke, ich bin schon süß genug.”
Inhalt
Diamantendieb und -kurier Franky Four Fingers (Benicio Del Toro), der im Auftrag des New Yorker Gangsters Avi (Dennis Farina) in Antwerpen einen großen Stein geraubt hat, macht auf seinem Weg zurück nach Manhattan in London halt. Er soll kleinere Steine bei Avis Cousin Doug "The Head" (Mike Reid) und anderen Juwelieren in Hatton Garden abliefern. Zur gleichen Zeit steht der unerfahrene Boxpromoter Turkish (Jason Statham) mit seinem Geschäftspartner Tommy (Stephen Graham) vor seinem ersten großen Kampf, den er mit dem uneingeschränkten Boss der Gegend, dem Boxpromoter und Schweinefarmbesitzer Brick Top (Alan Ford) auf die Beine stellt. Ungünstig ist allerdings, dass Turkishs Kämpfer Gorgeous George (Adam Fogerty) zuvor bei einem anderen Fight von dem irischen Zigeuner Mickey O´Neil (Brad Pitt) auf die Bretter geschickt worden ist. Kurzerhand setzen Turkish und Tommy Mickey als neuen Schützling für den abgedealten Kampf ein.
Kurzkommentar
Wer auf Tarantino steht oder schon Guy Ritchies Erstling "Bube, Dame König, grAs" liebte, kommt um "Snatch" sicher nicht herum, denn trotz etwas Ideenarmut und einiger Parallelen ist "Snatch" witzige und zugleich saucoole Unterhaltung. Im Sinne der Tagline: Stealin' Stones and Breakin' Bones.
Kritik
Quentin Tarantino überraschte mit "Reservoir Dogs" 1992 nicht nur Kritiker und Zuschauer, sondern schuf nebenher ein ganzes Genre. Abgedrehte Typen, groteske Gewaltszenen, flotter Schnitt und eine clevere Plotstruktur zeichneten bislang seine Film aus und spätestens mit "Pulp Fiction" hat er wohl zweifelsohne eine Menge Leute beeindruckt. Einer davon ist Großbritanniens Guy Ritchie, zuletzt häufiger als Gatte von Madonna in den Schlagzeilen anzutreffen, anstelle irgendwelcher hervorstechender Regieleistungen. Seit "Lock, Stock and Two Smoking Barrels" bzw. "Bube, Dame, König, grAs" ist er auf der Königsinsel aber mindestens so beliebt wie Vorbild Tarantino. Die Zutaten in seinem Debütfilm waren in etwa diesselben, witzig war es trotzdem.

Nach dem gleichen Grundschema läuft prinzipiell auch "Snatch" ab: jede Menge skuriler Charaktere, die alle mehr im Schilde führen, als es nach außen hin den Anschein erweckt, ein überschaubarer, aber gewitzt erzählter Plot und jede Menge Gangsterflair. Dann noch eine Prise cooler Sprüche, grotesker Gewaltszenen, fertig ist die etwas innovationsarme Kopie seiner eigenen Vorlage und der Tarantinos. Daß gleich komplette Szenen wiedererkennbar sind (das Einklemmen in der Fensterscheibe) und daß Vinnie Jones, Jason Statham und Jason Flemyng quasi kaum veränderte Charakter spielen, dürfte nur beinharte Fans stören, aber selbst dann macht der Streifen noch 'ne Menge Spaß. Da wären nämlich zum einen der nuschelnde Brad Pitt, der noch nie so gut in eine Rolle gepasst hat und dessen Charakter eine gelungene Parodie auf seine letzte Schlägerrolle ist, zum anderen die beiden Gangsterbosse Dennis Farina und Alan Ford. Vor allem Alan Ford als Brick Top mit seiner überdimensionierten Brille kommt knallhart rüber. Aber auch Turkish, Bullet Tooth Tony und die schwarze Dreiergang passen perfekt ins Geschehen - von Benicio del Toro ganz zu schweigen. Besonders erfreulich außerdem, daß Guy Ritchie kaum Rücksicht auf Starstatus und Sympathie seiner Darsteller bzw. Figuren legt, denn wer hier wie zuerst stirbt bleibt wenig vorhersehbar.

Ein amerikanischer Kritiker ließ sich sogar dazu hinreißen, zu behaupten: wenn "Bube, Dame, König, grAs" sein "Reservoir Dogs" war, dann ist "Snatch" Guy Ritchies "Pulp Fiction". Ganz so weit sollte man vielleicht nicht gehen, aber Ritchie ist wieder einmal auf famose Weise gelungen flotten Schnitt, intelligente Szenenfolge und Musikvideo-Feeling zu erzeugen ohne dabei Pointen oder Charaktere aus den Augen zu verlieren. Das alles kommt schon verdammt cool rüber, gerade wenn Ritchie auf blasse Farben und fetzigen Beat im Hintergrund setzt. Darüberhinaus kann "Snatch" mit einem der witzigsten Dialoge seit langem auftrumpfen und jeder, der sich schon immer gefragt hat, welche zwei Arten von Eiern es auf der Welt gibt, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Coole, aber etwas innovationsarme Gangstergrotesk


Thomas Schlömer