Jungfrau (40), männlich, sucht...
(40 year-old virgin, The)

USA, 116min
R:Judd Apatow
B:Judd Apatow, Steve Carell
D:Steve Carell,
Catherine Keener,
Paul Rudd,
Romany Malco,
Seth Rogen
L:IMDb
„I’m a virgin. I always have been”
Inhalt
Andy Stitzer (Steve Carell) ist vierzig. Ist sein Leben damit schon vorbei? Ganz im Gegenteil. Ohne sich zu überanstrengen, stempelt er die eingehenden Rechnungen in einem Elektro-Supermarkt ab, liebt seine beachtliche Sammlung an Action-Figuren, wohnt in einem schnuckeligen Apartement und erfreut sich eines netten Freundeskreises. Aber: Andy ist immer noch Jungfrau. Für seine Kumpels steht fest: Hilfe muss her! Leider enden ihre Verkupplungsversuche alle erfolglos. Armer Andy! Bis zu dem Tag, als er Trish (Catherine Keener) kennen lernt, eine vierzigjährige Mutter dreier Kinder. Jetzt müsste es doch endlich klappen! Doch warum stellen die beiden ihre Beziehung erst mal auf eine rein platonische Basis?
Kurzkommentar
Mit dem Albtraum eines jeden Mathestrebers wird eines der Leitmotive der Teenieklamotte in die Erwachsenenwelt übertragen. Diese streckenweise gewohnt niveaulose Variation eines leidlich bekannten Themas bietet letztlich kaum Neues, das aber immerhin auf unterhaltsame Weise.
Kritik
Jim Levenstein ist erwachsen geworden. Wäre seine Begegnung mit dem titelgebenden frischen Apfelkuchen aus „American Pie“ sein einziges „amouröses“ Intermezzo geblieben, man käme nicht umhin, ihn in der Titelrolle von Judd Apatows Komödie um eine männliche Jungfrau wiederzufinden. Mag sein, dass die Flut der Teeniekomödien langsam aber sicher abebbt; die thematischen Standards, die sie gesetzt hat, sind nach wie vor präsent. Am lautesten gelacht werden soll immer noch über die peinlichsten Situationen: So kommt es, dass diesmal kein vor lauter Hormonen gebückt gehender Halbstarker sexueller Erfüllung nachjagt, sondern ein erwachsener, 40jähriger Mann, der als Aufhänger und Gaglieferant herhalten muss.

Der Umstand, dass er „es“ in seinem 40jährigen Dasein immer noch nicht getan hat, scheint Titelheld Andy Spitzer (Steve Carrell) allerdings wenig zu belasten: „Klische(e)menhaft“ drollig ist es, wie Andy in der Unbeschwertheit seiner Hobbythek von Ersatzbefriedigungen gezeichnet wird. Er kocht gerne, sammelt Actionfiguren, spielt Videospiele und Musikinstrumente, sieht mit seinen ältlichen Nachbarn fern und fährt selbstverständlich inklusive Schutzhelm auf seinem mit Rückspiegel ausgestatteten Fahrrad zu seinem Job im Elektrofachgeschäft, nicht ohne beim Abbiegen Handzeichen zu geben. Ein echter Vorzeigeloser also, nur das üppige Brusthaar unterscheidet ihn von jedem x-beliebigen, viel zu oft schon bemühten Highschoolaußenseiter. Was Andere, mit dem Gemüt eines Michel Houellebecq Versehene zu bitterer existenzieller Verzweiflung treiben würde, geht spurlos an Andy vorüber, der eigentlich mit sich selbst im Reinen zu sein scheint. Zumindest solange ihn seine Arbeitskollegen für einen Serienmörder halten und nicht auf die Idee kommen, ihn von seinem Leid erlösen zu müssen.

Kaum haben sie erfahren, dass ihr eigentümlicher Kollege nicht psychopatisch, sondern einfach nur unerfahren ist, gehen sie mit Andy auf Brautschau und bringen ihn in all die Situationen, die uns schon längst vertraut sind aus den üblichen Verdächtigen des Genres. Der mittlerweile zum „guten“ Ton gehörende Fäkalhumor ist dabei ebenso vertreten wie die typischen Schwierigkeiten bei der Handhabung eines Kondoms. Das Fehlen eines echten Handlungsfadens führt zu einer Aneinanderreihung von mehr oder weniger komischen Szenen, die alle das gleiche Thema variieren: Der verklemmte Andy muss aufgetaut werden. Einzig neu daran sind die Szenarien der derben Scherze – so beispielsweise eine gelungene Szene, in der die Arbeitskollegen gründlich mit der Illusion aufräumen, die Partnersuche und -findung könnte durch die entwürdigende Massenabfertigung eines Datemarathons erzwungen werden. Wenn sich Andy hingegen einer Brusthaarentfernung unterzieht, heiligt der Selbstzweck die Lachmittel.

Es sind tatsächlich weniger originelle Einfälle als vielmehr die pointierten, authentischen Dialoge, mit jeder Menge „f-words“ gewürzt, die letztlich doch noch Kurzweil bereiten. Dazu kommt mit Steve Carrell ein sympathischer Hauptdarsteller, der es schafft, seiner Figur bei aller Verschrobenheit die nötige Würde zu verleihen, um sie liebenswert zu machen.

Klischeeverliebte Holzhammerkomik, zeitweise anstrengend, aber doch überwiegend kurzweilig.


Reinhard Prosch