Limey, The

USA, 89min
R:Steven Soderbergh
B:Lem Dobbs
D:Terence Stamp,
Peter Fonda,
Luis Guzman,
Barry Newman
„Dieser abgewrackte Engländer!”
Inhalt
Ex-Gangster Wilson (Terence Stamp) ist mächtig erbost: seine Tochter ist tot. Der Variante des angeblichen Selbstmordes nicht trauend, macht er sich von England auf nach Los Angeles. Dort ist der mondäne Musikproduzent Valentine (Peter Fonda) bald der einzige Mordverdächtige. Auch durch Flucht scheint Valentine vor der professionellen Wut von Wilson nicht in Sicherheit zu sein.
Kurzkommentar
Was auch immer der Film ist oder nicht ist: Er ist es irgendwie nicht richtig. Am Ende sitzt man im Kinosessel, und fragt sich, ob man gerade eine filmische Innovation über die Leinwand flimmerte oder ob das die neue Folge von "Ein Fall für Zwei" war. Letztlich bleibt ein kaum bewegendes Konglomerat von Bildern und Sprüchen, auf das man auch verzichten kann.
Kritik
Ehrlich: Ich kann mit dem Film wenig anfangen. Scharfes Nachdenken, weshalb wohl jemand diesen Film hätte schreiben, drehen oder produzieren sollte hat mich zu nichts gebracht. Notlösung: Mal in die Kritiken der Kollegen reinschauen, notfalls ein paar gute Ideen von dort klauen:

Aha. Der Film handelt also von Rache und Vergeltung. Nur, weshalb muss man das so kompliziert machen? Was sagen mir die ganzen Vorblenden, Rückblenden, Einblendungen und das ganze 'stylish' Zeug? Nur Rache kann es kaum sein -zumal wofür? Dass zahlreiche Menschen niedergeschossen werden, nur weil ein Mann glaubt seine Tochter sei getötet worden, scheint ein reichlich bizarrer Gedanke. Betrachtet man zusätzlich noch die Lebensgeschichte von Wilson, der kaum als aufrechter Recke durchgehen kann, so kann man diesen Ansatz wohl schnell ad acta legen.

Zweiter Versuch: Einfach ein guter Krimi. NEIN! Also dass auf keine Fall. Die Story ist mitnichten überraschend, und jede Folge von 'Ein Fall für zwei' ist fraglos spannender, lustiger, anspruchsvoller und besser. Auch hier stören der seltsame Schnitt, die krude angerissenen Personen.

Dritter Versuch: Eine Gewaltstudie. Kaum, so undifferenziert wie in diesem Film wurde Gewalt noch selten verwendet. Sie erscheint als das ultimative Problemlösungsmittel -und das ohne Kritik. Dass uns der Film aber genau darauf stossen will, scheint auch eher unwahrscheinlich, dazu sind die Szenen zu wenig ausgefeilt und dominant.

Vielleicht: Eine Charakterstudie. Immerhin erwarb Steven Soderbergh extra die Rechte an dem Stamp-Film 'Poor Cow', um die Szenen, die in Wilsons Vergangenheit spielen, möglichst getreu einbinden zu können. Dieser Aufwand legt nahe, dass es Soderbergh um die feine Charakterisierung von Wilson geht. Manches spricht dafür, etwa die mystisch-verschwommenen Aspekte aus Wilsons Leben, allerdings werden die kaum ausgearbeitet. Zwar erschlägt einen der Film geradezu mit Retrospektiven und Introspektiven, doch was sagen sie uns? Letztlich herzlich wenig, und ehrlich: Es interessiert uns auch nicht besonders, was Wilson für ein Typ ist. Seine Motivation, seine Tochter zu rächen ist gleichermassen durchsichtig wie unglaubwürdig. Aber mehr verrät uns der Film auch nicht, generell bleiben die meisten Figuren eher angerissen und unvollendet, besonders Ed und Elaine.

Oder: Der Film handelt vom Älterwerden, er erzählt die Geschichte eines Mannes und seines verhunzten Lebens. Diese Interpretation hat noch am meisten für sich: Sie erklärt den wilden Szenenaufbau, sie geht zumindest am Rande auf Wilson ein, nimmt ihn aber eher als prototypische Figur, deren Lebensdetails nicht wirklich interessant sind. Wilson als Schablone, das hat seine guten und schlechten Seiten. Sowohl bringt uns das die üblichen Klischees ("Sie hätte Sie niemals verraten. Eher wäre sie gestorben!"), als auch erlaubt es eine generelle Typisierung. Was dann letzlich über das Leben, das Älterwerden und das Gangstertum ausgesagt wird, bleibt reichlich blass, was zu einem Gutteil daran liegt, dass sich der Film gegen Ende zu sehr auf die schwache Story konzentriert.

Was das Formale angeht: Der Sinn des aufwendigen Schnitts bleibt verborgen. Schauspielerisch sieht man auch nichts besonderes, Terence Stamp erscheint zwar kraftvoll, mehr als grimmig gucken ist aber auch bei ihm nicht drin. Der Rest ist Einheitsbrei, ziemlich breiig ist auch die Musik, die als wilde Ansammlung älterer Lieder viel zu abrupt eingestzt wird, um wirklich Stimmung zu erzeugen. Was der Film auch ist -so richtig gut ist er es auf jeden Fall nicht. Von allem ein bisschen, nichts richtig, und eigentlich relativ uninteressant. Das Ende ist absehbar, die Offenbarungen zwischen durch nicht vorhanden. Irgendwie erscheint der Film mir nicht viel mehr als eine seltsame Stilübung zu sein.

Halbgarer, langweiliger Krimi


Wolfgang Huang