Limey, The

USA, 89min
R:Steven Soderbergh
B:Lem Dobbs
D:Terence Stamp,
Peter Fonda,
Luis Guzman,
Barry Newman
„Dieser abgewrackte Engländer!”
Inhalt
Ex-Gangster Wilson (Terence Stamp) ist mächtig erbost: seine Tochter ist tot. Der Variante des angeblichen Selbstmordes nicht trauend, macht er sich von England auf nach Los Angeles. Dort ist der mondäne Musikproduzent Valentine (Peter Fonda) bald der einzige Mordverdächtige. Auch durch Flucht scheint Valentine vor der professionellen Wut von Wilson nicht in Sicherheit zu sein.
Kurzkommentar
Regiestilist Steven Soderbergh greift nach 'Out of Sight' auf eine simple Rachegeschichte als Grundmotiv von 'The Limey' zurück. Mit einer ausgeklügelten Erzähltechnik, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ein Gepflecht stellt, wird dies jedoch äußerst 'stylish' umgesetzt. Vor allem wird Terence Stamp als großer Schauspieler wiederentdeckt, der einen herrlich gelassenen Vergeltungs-Opa gibt und zeigt, wie cool das Alter sein kann. Ein facettenreicher Neo-Film Noir, dem es nur an einer bewegenden Story mangelt.
Kritik
'Sex, Lügen und Video' war Steven Soderberghs aufsehenerregendes Debüt und ein nicht unwichtiger Film. Das surrealistische Dichterporträit 'Kafka' überzeugte schon weniger. Als einer der außergewöhnlicheren amerikanischen Regisseure beginnt er, wie zuletzt mit 'Out of Sight' (1998) gezeigt, seine Werke zuerst mit der optisch/stilistischen Seite. Von da aus entwickelt er Inhalte und Figuren. Sind erstere weniger vom Grundgedanken weniger einfallsreich, so schafft Soderbergh es doch, seine Hauptdarsteller blendend in Szene zu setzen. George Clooney hatte in 'Out of Sight' vielleicht seine beste Rolle.

Und vergleichbares gilt auch für 'The Limey' (herabsetzender Slang-Ausdruck für Engländer), einer eigentlich stumpfen Geschichte um schablonenhafte Blutrache. Man muss wie Soderbergh schon eine spielfreudige Interpretation des Motivs bieten, um überhaupt Interesse zu wecken. Das gelingt durch zweierlei Maßnahmen: Soderbergh reaktiviert mit Erfolg zwei Altstars der 60er Jahre und schmückt den drögen Racheakt in brillianter Erzähltechnik und Optik aus. Haben Soderbergs Filme ein spezifisches Charakteristikum, dann ist es der unverwechselbare, experimentierfreudige Stil.

Unangenehm fällt auf, dass auch 'The Limey' streckenweise dem zweifelhaften Kunsstil einer wackeligen 'Dogma'-Handkamera verfällt. Dadurch wird das zugegebenermaßen lahme Geschehen andererseits wieder ein wenig dynamischer, direkter. Über die kunsthafte Form der Kamera hinaus ist es die bereits in 'Out of Sight' angedeutete, vielperspektivische Erzähltechnik, die zum Genuss wird. Die normal gebräuchliche Erzählchronologie wird zugunsten einer ausgetüftelten Montagetechnik ausgehebelt: in intelligent gesetzten Schnitten werden Erlebnisse aus der Vergangenheit und noch ausstehende Ereignisse eingeblendet, die der Planmäßigkeit wegen noch passieren müssen. Die Ebene der Gegenwart wird aus verschiedenen Winkeln betrachtet und durch neue Einschübe ständig relativiert. Aber alles geschieht in Ruhe, untermalt von präziser Akustik. Trotz minimaler Geschichte gibt es eine beträchtliche Entwicklung.

Als weiterer Kniff erweist sich der Einbau von Szenen des 1967er Films 'Poor Crow' (mit dem jungen Terence Stamp) als Detail der Handlung und George Clooneys Erwähnung im Film angeschalteten Fernsehgerät. Auch darstellerisch kann die dürre Story überspielt werden, denn neben Peter Fonda (mit 'Easy Rider' das Idol der 60er Generation) ist der Film primär eine Hommage an Terence Stamp. Seine Zeichung des verdeckt hasserfüllten Vaters, der sich stoisch durch nichts von seinem Racheakt aufhalten lässt, ist meisterhaft. Trotz oder gerade wegen seines Alters und hartnäckigen Blicken scheint er 'Coolness' neu zu definieren. Besondere Brillianz in den Dialogen ist da gar nicht gefragt. Formal und darstellerisch also hochkarätig, hätte der eindimensionalen Geschichte ein Schuss Autorenkino und ein besserer Spannungsbogen sicher nicht schlecht getan.

Intelligent montiertes, altes Rachemotiv mit Storyschlappe


Flemming Schock
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Was auch immer der Film ist oder nicht ist: Er ist es irgendwie nicht richtig. Am Ende sitzt man im Kinosessel, und fragt sich, ob man gerade eine filmische Innovation über die Leinwand flimmerte oder ob das die neue Folge von "Ein Fall für Zwei" war. Letztlich bleibt ein kaum bewegendes Konglomerat von Bildern und Sprüchen, auf das man auch verzic...