Am Tag als Bobby Ewing starb

Deutschland, 90min
R:Lars Jessen
B:Lars Jessen, Ingo Haeb, Kai Hensel
D:Peter Lohmeyer,
Gabriela Maria Schmeide,
Franz Dinda,
Nina Petri,
Richy Müller
L:IMDb
„Kannst du uns einmal mit deiner Imperialistenoper in Ruhe lassen?”
Inhalt
1986 – Die Protestbewegung gegen den Bau des Atomkraftwerks in Brokdorf ist in den letzten Zügen. Nur eine letzte Landkommune ist übrig geblieben. Peter (Peter Lohmeyer), Eckhard (Richy Müller), Gesine (Nina Petri), Walther, Elly und Bauer Hein leben in ihrem „Alternativen Wohnkollektiv Regenbogen“ gemütlich vor sich hin und denken nicht daran, den friedlichen Widerstand aufzugeben. Wäre da nicht der drohende Abschied ihrer Sozialarbeiterin Gesine. Da kommen den Flachland-Kommunarden die beiden modernen Städter Hanne (Gabriela Schmeide) und ihr Sohn Niels (Franz Dinda) gerade recht. Während Hanne sich überraschend schnell an Schreitherapie und Gemüseaufzucht gewöhnt (und noch viel schneller an die Tantraspiele mit Kommunenguru Peter), hat Niels immer weniger Lust auf dogmatische WG-Regeln wie: kein Fleisch, keine Gewalt, kein Atomstrom. Schnell findet er Anschluss bei Dorfrocker Rakete und Martina, der Tochter des Bürgermeisters. Mehr aus Trotz als aus Überzeugung schließen sie sich dem gewaltbereiten AKW-Widerstand an. Ihre Aktionen bringen das beschauliche Chaos der Kommune jedoch reichlich durcheinander und setzen sogar den Fortbestand der pazifistischen Gemeinschaft aufs Spiel.
Kurzkommentar
„Am Tag als Bobby Ewing starb“ hätte ein substanzieller Einblick in die mitteldeutsche Wirklichkeit der 80er werden können, bestätigt aber nur die Tendenz des aktuellen deutschen Kinos zu Verklärung und Nostalgie. Schon die Credits muten wie eine fantasielose Kopie der entsprechenden Sequenz aus Wolfgang Beckers „Good Bye Lenin“ an: Heimvideoästhetik und Klaviermusik lassen keinen Zweifel am Anspruch des Films aufkommen und stimmen auf die folgenden 100min seichte Unterhaltung ein. Dieses Ziel vermag Regisseur Lars Jessen mühelos zu erreichen, auch wenn Subtilität wahrlich nicht seine Stärke ist: zur unmissverständlichen Verankerung des Filmuniversums darf Peter Lohmeyer zunächst mal fünf Minuten seinen Zumpferl vor die Linse halten, Nina Petri ihre blanken Brüste und Gabriela Maria Schmeide ihre fürstliche Dauerwelle. Immerhin spielen die Jungdarsteller lebensnah und unprätentiös und machen „Am Tag als Bobby Ewing starb“ zumindest zu einer hübschen Coming-of-Age Geschichte.
(Thomas Schlömer)