Light It Up

USA, 99min
R:Craig Bolotin
B:Craig Bolotin
D:Raymond Usher,
Rosario Dawson,
Forest Whitaker,
Robert Richard
„Vielleicht wird aus meinem verdammten beschissenen Leben ja doch noch was”
Inhalt
Als eine Beschwerde über die schlechten Unterrichtszustände im Büro des Direktors eskaliert, nimmt eine Gruppe Schüler eher unfreiwillig einen Cop als Geisel. Das allerdings bringt ein Grossaufgebot der Polizei auf den Plan, die nur darauf wartet, das Gebäude zu stürmen. Doch eine Vermittlerin versucht den gewaltsamen Konflikt zu vermeiden und sucht den Verhandlungsweg. Und als die Schüler ihre Forderungen nennen sollen, müssen sie sich erstmal darüber klar werden, was sie eigentlich wollen.
Kurzkommentar
"Light It Up" ist so eine Art Mischung aus "Dangerous Minds" und "Verhandlungssache", nur ohne Michelle Pfeiffer und Samuel Jackson. Die Story um die armen Schüler, die nichts anderes als Schulbücher und warme Klassenzimmer fordern, ist hoffnungslos klischeeüberladen und Un-Realismus pur. Dennoch hat der Film eine fast schon ergreifende Eindringlichkeit, was nicht zuletzt an der überdurchschnittlichen Darstellerleistung liegt.
Kritik
Ein bisschen Durchhaltevermögen braucht man schon, um diesen Film durchzustehen. Und einigen guten Willen, um Gefallen an ihm zu finden. Denn die Moral von der Geschicht', die kann durchaus überzeugen, das Drehbuch leider nicht an allen Stellen. Die Grundsituation, die in Ansätzen der von "Verhandlungssache" ähnelt, bietet prinzipiell Stoff für viel Spannung. Aus Verzweiflung heraus nehmen ein paar Schüler einen Cop als Geisel, doch die Guten sind sie selbst, und alle anderen (mehrheitlich) die Bösen. Ihre Forderungen sind nicht nur moderat, sondern auch angemessen und fair: Schulbücher, die Wiedereinstellung eines zu Unrecht entlassenen Lehrers, warme Klassenzimmer. Und hier beginnt die Crux: Wie rettet man den Film auf dieser eher dünnen Grundlage über eineinhalb Stunden? "Verhandlungssache" setzt auf wohldosierte Action und geschickte Verwirrspielchen, "Light It Up" versucht es mit Gruppenkoller und Selbstfindung der Jugendlichen - was nur bedingt gelingt.

Wie immer in solchen Filmen, ist unter den Jugendlichen so ziemlich jede Randgruppe vertreten: Streber, Dealer, Gewalttätige, Anständige, Schwangere, Missbrauchte, Waisen. Das soll den Stoff für die "mit Gefühl"-Szenen bringen, die aber zu dick aufgetragen wirken, wie schlecht geschminkt. Dabei war auch hier die Grundidee nicht schlecht: Ein jeder dieser Gruppe beteiligt sich an dieser mehr als aussichtslosen Aktion aus unterschiedlichen Motiven. Die vorprogrammierten Spannungen zwischen den einzelnen, völlig verschiedenen Schülern, die nun, von der Polizei belagert, zwangsweise in einem Boot sitzen, hätten durchaus spannend werden können - aber die letzlich gewonnenen Erkenntnisse sind zu banal, die vermeintlich tiefgehenden Gespräche bleiben zu sehr an der Oberfläche. Craig Bolotin, Drehbuchautor und Regisseur, gesteht seinen Figuren nur soviel Eigenleben zu, wie bis zur nächsten Szene notwendig ist. Einzige Ausnahme ist die Figur des Lester, Anführer der Gruppe, dessen Vater "versehentlich" von Cops erschossen wurde. Über ihn erfährt der Zuschauer etwas mehr, und hier versteht es Bolotin auch, die Verknüpfungen und Referenzen innerhalb des Filmes geschickt zu platzieren. Hätte Bolotin zumindest ein paar der anderen Figuren ebenfalls mehr Hintergund gestattet, so wäre das für den Film nur von Vorteil gewesen.

Aber "Light It Up" hat auch starke Momente. Die Emanzipierung der Schüler (darauf soll wohl der Titel hindeuten) ist mitunter bewegend in Szene gesetzt. Manchem mag die Forderung nach Büchern und intakten Fenstern lächerlich erscheinen, aber für die Schüler ist es mehr als eine Verlegenheitsforderung. Es ist ein Symbol für die allgegenwärtige Unterdrückung Benachteiligter. Es wäre sicher nicht abwegig zu behaupten, dass die Verweigerung von Bildung seit jeher einer der effizientesten Unterdrückungs-Mechanismen war. All das spricht der Film an, mitunter offen, mitunter verklausuliert. Natürlich darf auch ein kritisches Wort zur Macht der Medien nicht fehlen - und für ein kurze Weile könnte man fast glauben, der Film wolle das Internet (gewissermassen die letzte demokratisch-anarchische Bastion) als Heilsbringer aller Unterdrückten glorifizieren. Ebenfalls positiv fällt auf, dass "Light It Up" auf die "Schwarze-werden-immer-diskriminiert"-Mitleidsmasche verzichtet. Das mag zwar auch in den USA noch immer wahr sein, doch es würde hier das eigentliche Anliegen des Filmes nur unscharf machen. So wird dieser Aspekt nur ein- oder zweimal kurz angesprochen, mehr nicht. Während "Light It Up" in den vorgeblichen Selbstfindungsszenen die Figuren mitunter missbraucht, um Handlungslücken zu überbrücken, kommen die Charaktere besonders zu Beginn und vorallem am Ende wieder zu ihrem Recht - sie stehen im Mittelpunkt, und werden nicht nur von der Film-Öffentlichkeit wahrgenommen, sondern auch vom Film selbst ernstgenommen. Ein besonderes Plus ist das Ende, dass zwar auch kein Realismus-Prädikat verdient hat, aber nicht so beliebig wirkt wie in manch anderen Filmen, denen am Ende der Botschaft die Schlagkraft ausgeht (etwa "The Beach").

Wie gesagt, wer "Light It Up" mögen will, der braucht einigen guten Willen. Man muss schon die hehre Botschaft in den Vordergrund stellen (und befürworten), und bei den nicht wenigen Mäkeln ein Auge zu drücken. Woran es aber nichts zu mäkeln gibt, ist die Darstellerleistung. Die hierzulande im Wesentlichen unbekannten Jungdarsteller (die aber zumeist über eine recht ansehnliche Filmliste für die Zukunft verfügen) agieren alle überzeugend und engagiert. Zumal die zahlreichen Emotionswechsel der Charaktere und das ernste Thema sicherlich mehr fordern als die üblichen Highschool-Komödien oder Teenie-Slasher. So bleibt ein Film, der mit etwas mehr Ernsthaftigkeit und Sorgfalt noch weit bemereknswerter hätte werden können - so läuft er Gefahr, verkannt zu werden.

Hemmungslos klischeelastiges Betroffenheitsdrama, das dennoch berühren kann


Wolfgang Huang