Sleepy Hollow

USA, 105min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Tim Burton
B:Washington Irving,Kevin Yagher, Andrew Kevin Walker
D:Johnny Depp,
Christina Ricci,
Miranda Richardson,
Casper Van Dien
L:IMDb
„Achtet auf Euren Kopf!”
Inhalt
1799: Ichabod Crane (Johnny Depp), seines Zeichens Konstabler aus New York, wird ins unheimliche Dörfchen Sleepy Hollow entsandt um dort eine Reihe von Morden aufzuklären. Mit Enthusiasmus und erfinderischen Ideen ausgestattet tritt er mutig die Reise an und sieht sich bald mit enthaupteten Leichen konfrontiert. Die Dorfbewohner glauben, daß der mysteriöse und teuflich bösartige "hessische Reiter" als Geist durch die Nacht reitet und sich wahllos seine Opfer sucht. Mit der Hilfe der jungen Adelstochter Katrina Van Tassle und dem jungen Sohn eines der Opfer entdeckt Crane jedoch, daß der legendäre kopflose Reiter systematisch vorgeht und keineswegs auf sinnloses Töten aus ist ...
Kurzkommentar
Als visionärer Weltenkonstrukteur montiert Tim Burton in erster Linie stilmäßige Versatzstücke längst begraben geglaubter Horrorschinken. Die Sterilität ist gleichzeitig der unnachahmlich künstlerische Zug der Gruselhommage, der etwas narrative Straffung gut getan hätte.
Kritik
Um die vorigen Aussagen zu relativieren: Der Plot von "Sleepy Hollow" könnte einem trivialen Horrorheftchen entsprungen sein, was Attribute wie "genial" oder "überdurchschnittlich intelligent" am ehesten auf die Form der Darbietung anwendbar macht. Denn einen kopflosen Reiter aus einem - nach fortschreitender Auflösung des Geheimnisses - in der Tradition des Horrorfilms stereotypen Schlachtmotiv den Sensemann spielen zu lassen, ist alles andere als impulsgebend. Ist das nun erfindungsarm? Jein, denn der eigentlich abgenutzte Charakter der Geschichte wird durch die genannten Positivmerkmale zum großen Teil vergessen gemacht und dennoch sind einige Längen festzustellen. Die immer nach dem gleichen Strickmuster abgespulten "Rübe-runter"-Szenen sind bald ermüdend, insgesamt hätte eine weniger inflationäre Enthauptungspraxis sicher gut getan. Für die größte Kurzweil sorgt indessen Johnny Depps mimischer Einsatz.

Um Burtons charismatische Handschrift nocheinmal herauszustreichen: "Sleepy Hollow" möchte gar keinen "intelligenten Anspruch", denn Burton konzentrierte sich primär auf die Form, um den Gothic-Flair alter Horrorschinken bewußt - und das ist sein Signum - zu stilisieren, zu überzeichnen. Herausgekommen ist eine visuell mitreißende Reminiszenz an den vergessen geglaubten Klischeehorror eines "Dracula" - der Cameo-Auftritt von Christopher Lee deutet es an. Burton-Jünger, die den gewohnten Surrealismus zelebriert sehen wollen, werden durch relative Bodenständigkeit enttäuscht, andere durch den augenzwinkernden Charakter amüsiert sein. Der Grusel ist kitschig, fast märchenhaft, so dass sich "Sleepy Hollow" mehr als wohlproportionierte Gruselironie denn als spannend erweist.

Unvergleichlich stylische Gothic-Hommage mit angemodertem Inhalt


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Tim Burton as usual: "Sleepy Hollow" ist ein Film, wie er den Burton-Fans gefallen wird - und allen anderen nur in begrenztem Maße. Nicht gerade zimperlich geht Burton zu Werke und inszeniert einen schrägen, blutigen, überdurchschnittlich intelligenten Horrorfilm. ...