Serenity - Flucht in neue Welten
(Serenity)

USA, 119min
R:Joss Whedon
B:Joss Whedon
D:Nathan Fillion,
Gina Torres,
Alan Tudyk,
Morena Baccarin,
Adam Baldwin
L:IMDb
„People don't like to be meddled with. We tell them what to do, what to think, don't run, don't walk. We're in their homes and in their heads and we haven't the right. We're meddlesome.”
Inhalt
Man schreibt das Jahr 2507. Die Crew des Raumfrachters "Serenity" nimmt zwei Passagiere an Bord, welche auf der Flucht von der die Galaxie beherrschenden, übermächtigen Allianz sind. Schon bald wird die Besatzung auf ihrer Reise an den äußeren Rändern des bekannten Universums nicht nur in Kämpfe mit kannibalistischen Raumpiraten verwickelt, sondern auch die Allianz nimmt die Fährte auf.
Kurzkommentar
Der auf der TV-Serie "Firefly" basierende Science Fiction Film "Serenity" mag zwar die Hoffnungen der weltweit äußerst aktiven und passionierten Fans der Serie erfüllen, stellt aber letzten Endes lediglich recht austauschbare Sci-Fi Ware dar, welche an mancher Stelle aufgrund verpasster Chancen kräftig ärgert.
Kritik
Die erstaunlich hohe Anzahl von durchwegs positiven Kritiken zu "Serenity" im englischsprachigen Raum überrascht. Sollten nun auch Filmkritiker vom allgemeinen Fandom der „Browncoats“ (Bezeichnung für Fans der TV-Serie „Firefly“) infiziert worden sein? Einzig ein Kollege von www.tiscali.co.uk findet kräftige Worte und nennt "Serenity" ein "noisy, messy and sometimes confused spectacle". Und das zu Recht. Auch bemängelt der Redakteur - mit Namen Paul Hurley - besonders die Ideenarmut dieses Zukunftsvehikels.

Alles, was im Universum von "Serenity" zu bestaunen ist, hat man entweder bereits irgendwo anders oder aber noch deutlicher ausgedrückt, irgendwo besser gesehen. Mal kommt man sich in der 40 Millionen Dollar Produktion wie bei einem politisch korrekten Benneton-Werbespot Casting vor, manchmal glaubt man, es seien orientalische Wochen bei IKEA ausgebrochen, und ein anderes Mal überzeugen weder die CGI-Effekte noch die hektisch geschnittenen Kampfchoreographien. Ein wenig Sozialkritik soll Dir nicht zum Schaden gereichen, also lässt sich Drehbuchschreiber Joss Whedon, der auch hinter den Erfolgsserien "Buffy" und "Angel" steckt, von literarischen Negativutopien, wie etwa „Brave New World“ inspirieren. Und wenn an dieser Stelle von Inspiration die Schreibe ist, dann in etwa das Kaliber, welches man auch „The Island“ unterstellen kann.

Die Rollen der Schauspieler, welche so euphorisch im Presseheft gefeiert werden, sind um keinen Deut tiefer als in einer überlangen Folge von "Andromeda" oder "Stargate". Die KNB-Group schminkt für einen actionlastigen Showdown, was das Zombie/Kannibalen-Repertoire hergibt, aber auch hier gilt der Schlusssatz des Kurzkommentars: Verpasste Chancen, wohin das (wenige) Blut spritzt.

Da Filme immer auch Wunschprojektionsflächen für die kreativen, ausführenden Köpfe hinter dem Projekt darstellen, fällt ein Subplot, den "Serenity" aufgreift, besonders auf. Der in zwei Monaten entstandene "Serenity" portraitiert in der namenlosen Figur des "Operative" einen hochgradig religiös-ideologisch motivierten Auftragskiller, der jedoch am Schluss durch dubiose Katharsis von seinem Entschluss abgebracht werden kann - die jüngste Zeitgeschichte des Amerika im Griff der Terrorangst lässt grüssen: Wendet man nur immer wieder mit unverminderter Härte die vermeintlich richtige Methode an, wird man dem uneinsichtigen Glaubensbrüdern schon Mores lehren. Wenn dem Zuseher also seitens des Verleihs eine „Space Opera“ herbeige-PR-t werden soll, dann muss klar gesagt werden: Nein. „Serenity“ stellt lediglich eine willkommene Konzertpause außerhalb des Opernsaals dar.

Retortenartiger Sci-Fi / Western-Hybrid, welcher dem enormen Hype nicht gerecht wird.


Rudolf Inderst