Flight Plan - Ohne jede Spur
(Flightplan)

USA
R:Robert Schwentke
B:Peter A. Dowling, Billy Ray
D:Jodie Foster,
Sean Bean,
Peter Sarsgaard,
Marlene Lawston
L:IMDb
„I am not drunk and I am not loaded”
Inhalt
Nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes macht sich die Flugzeug-Ingenieurin Kyle Pratt mit ihrer sechsjährigen Tochter Julia auf den Rückflug von Berlin in die Vereinigten Staaten. Aufgrund der Strapazen der vergangenen Tage schlafen Mutter und Tochter an Bord recht bald ein. Als Kyle einige Zeit später aufwacht, ist Julia spurlos verschwunden. Doch nicht nur das: Weder Passagiere noch Bordpersonal können sich entsinnen, die Kleine jemals an Bord gesehen zu haben. Der Name der Tochter taucht noch nicht einmal auf der Passagierliste auf – Kyle glaubt, ihren Verstand zu verlieren. Verzweifelt versucht sie, das Rätsel um das Verschwinden ihrer Tochter zu lösen. Die Situation in 12.000 Höhenmetern spitzt sich dabei immer weiter zu.
Kurzkommentar
Das dynamische Deutschland-Team Robert Schwentke auf dem Regiestuhl und Florian Ballhaus hinter der Kamera erschafft mit „Flight Plan“ einen kühlen Thriller, der durch die Hauptdarstellerin Jodie Foster ein optimales Gesicht erhält. Das mit zahlreichen Wendungen durchsetzte Hollywood-Debüt Schwentkes überzeugt vor allem in der ersten Hälfte des Films durch seinen Spannungsaufbau, welchem die Auflösung bzw. das Ende jedoch leider nicht gerecht werden kann.
Kritik
Eine Frau verharrt. Jodie Foster, U-Bahn, Berlin Alexanderplatz. Und während Alfred Döblin in seinem lebensprallen Roman einen philosophischen Streit um die ethische Kompetenz des Menschen, gar um das Metaphysische der Realität anzettelt, ergreift Foster, die nach ihrer Rolle in „Panic Room“ wieder die Frau geben darf, welche in Extremsituationen über sich hinaus wächst, die Flucht. Die Protagonisten glaubt fest daran, muss fest daran glauben, dass der Transatlantik-Flug sie – Mutter und Tochter – in einer anderen, in einer helleren Welt ankommen lässt, so wie es das Ende des Films, welches sich in Weiß auflöst suggerieren mag.

„Flight-Plan“, der nicht zufällig an Hitchcocks „The Lady Vanishes“ erinnert, ist nur schwerlich außerhalb des Terrorismus-Kontextes der kulturerschütternden Ereignisse des 11. Septembers 2001 zu lesen. Der Regisseur Robert Schwentke spielt mit dem Motiv der Flugangst in hervorragender Art und Weise. Er lässt die großen Gefahren auferstehen: Paranoia und Bestätigung. Es gibt die Verschwörung, aber wer inszeniert sie und weshalb? Wie kann jemand an Bord eines Flugzeugs einfach verschwinden? Wie kann eine Persönlichkeit so grundsätzlich ausgelöscht werden, dass man sich noch nicht einmal an sie erinnert? Jodie Foster stellt für die Passagiere des Flugzeugs eine Gratwanderung dar: Handelt es sich um eine verängstigte Mutter oder eine gefährliche Soziopathin oder steckt sie am Ende gar unter einer Decke mit den finsteren Arabern, welche als beäugtes Objekt der Angst als „Terrorrudel“ Platz genommen haben?

Um Jodie Foster bewegen sich noch weitere Protagonisten an Bord der großen Verkehrsmaschine, die einen Mikrokosmos darstellt und welche so isoliert und gleichzeitig zeitlos durch die Lüfte schießt, als seien antike Seefahrer zur Entdeckungsreise ins Ungewisse einer barbarischen Welt aufgebrochen. Sean Bean (der, wenn man imdb.com trauen kann, enorme Flugangst hat) spielt Flugkapitän Rich, der hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch der Mutter, die Maschine bei der Suche nach ihrer Tochter auf den Kopf zu stellen, und der Sicherheit der restliche Passagiere, welche zunehmender in Panik geraten, Führungsqualität beweisen und Stärke zeigen muss; die Bordcrew, die von Beginn an der Mutter keinen Glauben schenken möchte und der Air Marshal Gene Carson (gespielt von Peter Sarsgaard) – welche Rolle spielen all diese Figuren?

Schwentke zeichnet in der ersten Hälfte ein gelungenes Bild von der Stimmung der jungen Mutter, welche an der (Idee einer) Tochter festhalten muss, um sich nicht endgültig selbst zu verlieren und von der Atmosphäre an Bord. Tatsächlich fragt sich der Zuseher, was an Bord geschehen ist: Die Mutter steht kurz vor dem nervlichen Aus. Das ist zweifellos der stärkste Moment dieses Films. Und dann? Dann kommt die Auflösung – und mit ihr löst sich vielleicht auch die Einzigartigkeit von „Flight-Plan“ auf.

Robert Schwentke sammelt Bonusmeilen der anderen Art: Sein Hollywood-Debüt „Flight-Plan“ stellt besonders in der ersten Hälfte einen famosen Thriller dar und lässt auf Großes in unmittelbarer Zukunft hoffen.


Rudolf Inderst