Skulls, The

USA, 106min
R:Rob Cohen
B:John Pogue
D:Joshua Jackson,
Paul Walker,
Hill Harper,
Leslie Bibb
L:IMDb
„Was elitär und geheim ist, kann niemals gut sein.”
Inhalt
An den Universitäten Amerikas agieren zahlreiche Geheimbünde - der renommierteste davon ist "The Skulls". Und just für diesen Geheimbund erhält Luke McNamarra eine Einladung. Da er zwar ein überaus talentierter, aber mittelloser Student ist, kommt ihm dieses Angebot gerade recht, denn die Mitgliedschaft in einem dieser Geheimbünde sichert zahlreiche Privilegien, finanzielle Unterstützung ist nur das geringste. Doch während "The Skulls" alles unternehmen, Luke fest an sie zu binden, zerbricht seine Freundschaft zu seinen alten Freunden. Als dann unter mysteriösen Umständen sein bester Freund Will ums Leben kommt, bemerkt er, das die Skulls ihre Interessen mit allen Mitteln verteidigen - und fortan ist er bemüht, die lebenslängliche Bindung rückgängig zu machen.
Kurzkommentar
Wenn man die Grundlage des Films (die Geheimbünde) akzeptiert, so ist "The Skulls" ein richtig spannender und gut gelungener Thriller. Trotz der üblichen Versatzstücke kann die Story gefallen, das ungewöhnliche Setting hat seine Reize. Falls man sich aber nicht auf die Prämisse einlässt, so ist "The Skulls" nur noch lächerlich und unglaubwürdig.
Kritik
Vor jeder Kritik geht mein erster Blick zumeist auf die Seiten der IMDb und von Rotten Tomatoes. Die Wertungen, die "The Skulls" dabei erhielt, waren erschütternd schlecht: Von 5.1 bei IMDB bis 2% und fast ausnahmslos harschen Kritiken bei RT.
Um es vorweg zu nehmen: Mir hat der Film gut gefalllen. Wichtiger als bei jedem anderen Film ist die Frage, ob man die Grundlagen der erzählten Geschichte akzeptiert. Und hier tischt "The Skulls" schon reichlich abstruses auf: Die Eliteuniversitäten Amerikas sind von einem Netz an Geheimbünden durchzogen, die durch ihren enormen Einfluss ihren Mitgliedern in wichtige politische Positionen verhelfen. Um ihren Nachwuchs zu sichern rekrutieren sie dazu die besten Studenten, in diesem Falle Luke McNamarra. Nun mag der geneigte Leser einwenden, dass es bei jedem Film darauf ankommt, sich auf die erzählte Geschichte einzulassen. "The Skulls" stellt aber einen Härtefall dar, weil nicht nur die Ausgangsposition abwegig ist, sondern der Film auch über die gesamte Länge diese Thematik völlig ernst nimmt. Und wenn dann in geheimen Riten-Sälen in Mönchskutten Vermummte pathetisch Formeln aufsagen, dann ist man entweder gefesselt - oder mitten in einem Lachkrampf. Überhaupt hat es der Film doch sehr mit Riten und Zeremonien, immerhin sind diese konstitutiv für den Geheimbund, sie machen ihn exklusiv.
Abgesehen von dieser ungewöhnlichen Ausgangsidee erzählt der Film keine sonderlich innovative Geschichte - aber dies tut er gut. Aufgrund verschiedener Verwicklungen erfährt Luke, dass die Skulls am Tod seines besten Freundes schuld sind, und von da an beginnt er, die heiligen Regeln zu brechen. Den Hauptreiz bezieht der Film im folgenden aus der Spannung, welche der restlichen Figuren Verbündete oder Feinde sind. Das ist, wie gesagt, nicht besonders einfallsreich, aber durchaus spannend umgesetzt. Und da das Szenario wirklich ungewöhnlich ist, erlaubt es auch einige ungewöhnliche Storywendungen, die über allzu blaupausen-artige Story-Konstruktionen hinwegsehen lassen. Natürlich leistet sich der Film auch einige logische Fehler - aber das kennt man ja, und sofern man Spass an Verschwörungstheorien hat, wird man darüber leicht hinwegsehen können. So bewegt sich der Film die ganze Zeit über zwischen abstrus, geheimnisvoll und lächerlich. Die persönliche Wertung entspringt dann auch der eigenen Einschätzung, welcher Faktor der überwiegende war.
Aber was gefallen kann, sind die durchdachten Einfälle, die auch ein wenig Seitenhiebe auf die üblichen Klischees sind: Ohne das Ende zu verraten sei gesagt, dass es nach der Zu-Tode-Zelebrierung des ewig gleichen Schemas (Held und Bösewicht kämpfen, Held ringt den Bösewicht letzlich nieder, der jedoch erhebt sich noch ein bis mehrere Male, bis schliesslich der Held - schon schwer gezeichnet- den finalen Schlag landen kann), kunstvoll vorgeführt in Mission Impossible 2, in "The Skulls" hier eine geschickte Abwandlung gibt.

Was die formale Ebene angeht, so ist der Film kaum für Überraschungen gut, weder im positiven noch im negativen Sinne. Die schauspielerische Leistung der Hauptfiguren geht in Ordnung, die Rollen sind gut besetzt - allzuviel ist aber hier nicht zu erwarten. Die Musik ist zwar nicht oskarverdächtig, aber gezielt und durchaus effektiv eingesetzt.

Wie gesagt: Ob man den Film mag hängt sicher davon ab, inwiefern man sich auf ihn einlässt. Als jemand, der an Verschwörungstheorien durchaus Gefallen findet, hat mir der Film durchaus Spass gemacht, zumal das Thema noch wenig ausgelutscht ist. Dass die Wertungen so durchweg negativ ausfallen (einen Ausreisser nach oben gibt es übrigens bei den sehr kritischen Redakteuren von Mr. Showbiz) kann ich mir nur damit erklären, dass die Kritiker alle Mitglieder in Geheimbünden sind - denn die versuchen natürlich ihre eigene Existenz nicht offenkundig werden zu lassen.

Defintitiv Geschmackssache


Wolfgang Huang