Domino

USA, 128min
R:Tony Scott
B:Richard Kelly, Steve Barancik
D:Keira Knightley,
Mickey Rourke,
Edgar Ramirez,
Rizwan Abbasi,
Ian Ziering
L:IMDb
„I've been training since I was twelve. Knives, guns, throwing stars. You name it, and I can fight with it. I'm a hard worker. I'm a hard worker and a fast learner. Nothing scares me. I'm not afraid to die.”
Inhalt
Domino Harvey kommt als Tochter des Schauspielstars Lawrence Harvey und des Topmodels Sophia Wynn in einer Welt voller Reichtum zur Welt - und schert sich keinen Tag ihres Lebens um vermeintliche Privilegien. Nach einem kurzen Ausflug in die Fashion-Welt als Model findet sie ihre Bestimmung - eher zufällig, als sie an einem Seminar für Kopfgeldjäger teilnimmt. Domino verliebt sich nicht nur in diesen gefährlichen Straßenjob, sondern findet in ihren grimmigen Kollegen auch eine Art Ersatzfamilie. Der raubeinige und mit allen Wassern gewaschene Ex-Kriminelle Ed Mosbey wird zu ihrem Mentor, während sie vom attraktiven Latino Choco heimlich verehrt wird. Der Dritte im Bunde ist Alf, ein afghanischer Einwanderer, der die Gang mit seiner Vorliebe für Sprengstoff unterstützt. Zusammen spürt dieses unorthodoxe Quartett so viele flüchtende Verbrecher auf, dass der TV-Produzent Mark Heiss auf sie aufmerksam wird und sie zu Stars in der Reality-TV-Serie namens „The Bounty Squad“ macht. Was jedoch keiner der Beteiligten weiß: Die vier Kopfgeldjäger stehen kurz vor ihrem schwierigsten Job. Unfreiwillig ausgelöst durch ihren Auftraggeber, den Kautionshändler Claremont Williams III, geraten sie mitten in einen bizarren FBI-Fall, in dem es um viel Geld und extrem dubiose Machenschaften geht.
Kurzkommentar
Tony Scott übertreibt. Das zurechtgebogene Biopic über die Kopfgeldjägerin Domino Harvey ist ein einziger Meskalin-Trip voller bunter Farben, schneller Schnitte und undurchschaubarer Plotkonstruktionen. Die wenigen Momente, in denen versucht wird, eine Geschichte zu erzählen, wirken dagegen reichlich albern und aufgesetzt. Und wann entschlossen sich eigentlich Hollywood-Produzenten, aus Keira Knightley eine Schauspielerin zu zimmern? No good.
Kritik
Ich weiß nicht, wie die echte Domino Harvey zum diesem Werk stünde. Eine Befragung ist durch ihren frühen (Drogen-)tod unmöglich. Vielleicht hätte sie sich in dieser Krawall-Inszenierung gefallen, vielleicht hätte sie sich auch gar nicht wieder erkannt. Da dieses Spekulieren jedoch keine Antworten liefert, und uns Tony Scott gegen Ende des Films durch eine grinsende, tatsächliche Domino suggeriert, sie fände die Veranstaltung voller Lärm und Laisser-faire in Ordnung, will ich es an dieser Stelle bewenden lassen und selbst ein paar Worte finden.

Domino stellt mich im höchsten Maße unzufrieden. Der Film scheitert bei dem Versuch, alles Mögliche sein zu wollen. Vielleicht sollte man genau hier ansetzen. Was ist Domino also nicht? Er ist weder ein informative Biographie noch ein geradliniger Actionfilm. Er kostet vorsichtig Tarantino und True Romance, verschluckt sich jedoch und spuckt etwas MTV-Clipästhetik, Leistungskurs Kunst an Gymnasien und Medienkritik von Schülern der Oberstufe aus. Es gibt durchaus Filme, denen steht der Anzug. Das Nischenhafte. Es macht sie unberechenbar. Sie bilden dann jenen kleinen Kanon, die gerade, weil sie einen Spagat nicht schaffen (sie wollen es auch gar nicht!) grandios sind. Ja, auch wenn sie scheitern. Dann scheitern sie mit Stil. Umso tragischer, dass gerade Richard Kelly das unangenehm überfrachtete Drehbuch verfasste. Kelly war 2001 für „Donnie Darko“ verantwortlich. Und jetzt? Nicht der Rede wert.

Das Spiel der Darsteller ist als sehr schwankend zu bezeichnen, Mickey Rourke spielt - wie stets - sich selbst. Das mag hinter der Maske von „Sin City“ gut funktioniert haben, aber Gewisper der Marke Drohung, welches einem Gesicht, welches von Selbstmitleid auf der einen und harten Drogenleben auf der anderen Seite gezeichnet ist, entweicht, strapaziert die Nerven des Zusehers doch zusehend. Dazu die wenig ausgereifte Rolle des Edgar Ramirez, der den zweiten Kopfgeldjäger spielt und stets Spanisch spricht in Gegenwart von attraktiven Frauen (wie Rourke anmerkt) - was soll das für eine Figur sein? Was erfüllt sie in diesem Stück? Schließlich noch Keira Knightley selbst, der ich immer noch nicht die Rolle in „King Arthur“ verzeihen kann. Trickreich glaubt sie, mich täuschen zu können, indem sie die Spielende nur spielt. Aber es fehlt schlichtweg die Substanz. Es ist platt. Es ist durchschaubar. Eigentlich ist es fürchterlich.

Ich überlege im Stillen, wie dieser Film wohl ausgesehen hätte, wenn ihn Thomas Vinterberg oder meinetwegen auch Lasse Spang Olsen und lächle ein wenig.

Damit unsere Kinder es einmal besser haben: undurchsichtiger Action-Ritt um Familienfindung und Waffenfetisch auf Kosten einer tragischen Biographie


Rudolf Inderst