Shrek

USA, 90min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Andrew Adamson, Vicky Jenson
B:William Steig,Ted Elliott
D:Sascha Hehn,
Esther Schweins,
Randolf Kronberg
L:IMDb
„Oh, das wird lustig! Wir bleiben die ganze Nacht auf, erzählen uns Männergeschichten und morgen früh ... mach ich uns Waffeln!”
Inhalt
Es war einmal in einem dunklen Sumpf. Dort lebte ein hässliches grünes Monster: Shrek, der Oger. Er lebte dort ganz alleine, und wenn sich jemand in seinen Wald hineinwagte, dann erschreckte der Oger die Menschen und hatte wieder seine Ruhe. Doch wie das in Märchen so ist - eines Tages ändert sich alles. Denn am Rand des Waldes läuft Shrek ein Esel über den Weg - ein sprechender Esel, der gerade auf der Flucht vor den Soldaten des bösen Lord Farquaad ist. Dieser will nämlich alle Fabelwesen einfangen und festhalten. Außerdem möchte der Lord die schöne Prinzession Fiona heiraten, um König zu werden, und deshalb schließt er einen Handel mit Shrek ab: Wenn es dem Oger gelingt, ihm Fiona zu bringen, dann wird er im Gegenzug alle Fabelwesen aus dem Sumpf entfernen lassen, damit dort wieder Ruhe einkehrt.
Kurzkommentar
"Shrek" ist leider nicht der ganz große Wurf, denn in Sachen Ideenreichtum und Originalität verpassen die Computerspezialisten von PDI/DreamWorks die Konkurrenz um Haaresbreite. Dennoch ist der Film mehr als eine einfache Empfehlung: er ist witzig, bietet ein paar sehr gelungene Einfälle, hat äußerst liebenswürdige Charaktere und eine süße Romanze. Technisch ist er der Konkurrenz sogar um einiges voraus.
Kritik
Im Genre der computeranimierten Trickabenteuer war die Crew um John Lasseter (Pixar, "Toy Story" 1&2, "Das Große Krabbeln") bislang sowohl technisch als auch erzählerisch unerreicht. Lediglich "AntZ" von PDI/ DreamWorks konnte da mithalten, war aber sowohl bei Kritikern als auch an der Kinokasse nicht ganz so erfolgreich wie die Disney-Konkurrenz in Form der Pixar Animation Studios. Zumindest ein Defizit können die gleichsam talentierten CGI-Mitarbeiter bei PDI/DreamWorks nun mit ihrem neuen Film "Shrek" beheben. Die Detailfülle, Farbentreue und Plastizität bei "Shrek" ist nämlich noch ein gutes Stück höher als bei der Konkurrenz und setzt zumindest bis zum Erscheinen von Pixars neuem Streifen "Monsters Inc." neue Maßstäbe.

Selten zuvor waren Gesichtsanimationen lebhafter, Körperbewegungen geschmeidiger und Haare realistischer als bei Shrek und seinem liebenswürdigen Esel. Da muß selbst Disneys nicht zu verachtendes Mammutprojekt "Dinosaurier" einpacken. Schade ist nur, daß PDI/ DreamWorks es scheinbar noch nicht verstanden hat, die Freiheiten die die Computertechnik bietet für ansonsten unmögliche Kameraeinstellungen zu gebrauchen. Zudem wird ganz selten mal eine rasante Kamerafahrt geboten - dabei zeigt sich an der kurzen Verfolgungsszene im Wald und dem Kampf mit dem Drachen doch, wieviel Spaß eine ungebundene Kamera doch machen kann. Überhaupt ist "Shrek" weit weniger rasant, als man es hätte erhoffen können. Einige Actionszenen und gewitzte Einfälle sind durchaus drin, aber nach ca. der Hälfte der Laufzeit wandelt sich "Shrek" vom Märchen- parodierenden Ideenfeuerwerk zum rührseligen, aber immer noch sehr sympathischen "Schöne und das Biest"-Verschnitt.

Beide Parts haben ihre Stärken, aber leider auch ihre Schwächen. Die Anspielungen auf etliche Märchenfiguren und -geschichten werden fast komplett in den ersten 15 Minuten verpulvert und hätten treffender in Szene gesetzt werden können. So wie "Shrek" es selber mit dem Spiegel aus "Schneewitchen" und der (sehr coolen) Brautschau in bester Jörg Dräger- Tradition vorgemacht hat ("Tor 1, Tor 2 ooooder Tor 3?"). Trotzdem überwiegen natürlich die gelungenen Einfälle deutlich; allen voran der moderne Charakter des Films: Shrek darf in einer Wrestling-Sequenz Hulk Hogan Konkurrenz machen, Prinzessin Fiona ihre Martial-Arts Künste zeigen und der kleine Esel den Drachen einmal auf ganz ungewöhnliche Art bezwingen (ein Lob für diesen klasse Einfall!). Eher Geschmackssache bleibt da schon eher das ausgiebige Nutzen von Pop-Songs zur Untermalung des Geschehens. Einerseits gibt das dem Film noch mehr moderne Frische, andererseits nervt das bei der Intensität etwas. Da hätten man lieber den wieder einmal absolut bemerkenswerten Score vom Chicken-Run Duo John Powell/Harry Gregson- Williams verwenden sollen.

Sei's drum: trotzdem der Film bis zum Ende hin mehr und mehr an Fahrt verliert und man letztendlich doch "nur" ein Märchen vor sich hat, das zu Beginn noch seine Artgenossen durch den Kakao gezogen hat, macht "Shrek" eine ganze Menge Spaß. Und die klischeefreie Romanze zwischen Shrek und Prinzessin Fiona ist mehr als anrührend - wirklich nett. Schade nur, daß es nicht ganz so originell und ideenreich wie bei der Konkurrenz zugeht und nicht mehr Actionsequenzen den Weg auf die Festplatte gefunden haben. Ansonsten: Reingehen! Die Kinowelt braucht mehr von solch erfrischenden Abenteuern.

Amüsantes, modernes Trickabenteuer, aber nicht so originell wie die Konkurrenz


Thomas Schlömer