Men of Honor

USA, 129min
R:George Tillman
B:Scott Marshall Smith
D:Robert DeNiro,
Cuba Gooding Jr.,
Charlize Theron,
Aunjanue Ellis
L:IMDb
„Ladies, der einzige Unterschied zwischen diesem Priester und mir ist: Er ist ein Mann Gottes, und ich bin Gott!”
Inhalt
Um seine Familie mit Stolz zu erfüllen, geht der junge Carl Brashear (Cuba Gooding Jr.) zur Navy - doch dort hat man es als Farbiger nicht eben leicht. Mit überragendem Können und viel Courage macht er dennoch seine Ausbildung zum Taucher, um seinem großen Vorbild, Master Diver Billy Sunday (Robert DeNiro) nachzueifern und der erste Farbige Master Diver der Navy zu werden. Doch dabei gilt es zahlreiche Hürden zu überwinden: Rassenvorurteile, schwere Verletzungen und die Liebe.
Kurzkommentar
Herrlich, herrlich, diese ganze Getöse um militärische Ehre, Salutieren, "Jawohl, Sir!", Ränge, Frauen, und alles was Männern wichtig ist. Wer das freilich nicht mag, dem wird "Men of Honor" kaum gefallen, denn aus viel mehr besteht er nicht. Schauspielerisch bleibt er unter den Möglichkeiten, die Story ist zwar ordentlich aber nicht spektakulär, und vom inszenatorischen Bombast dürfte er dem bald startenden Pearl Harbour wohl unterliegen.
Kritik
Spike Lee beschwerte sich unlängst mal wieder über Schauspieler wie Whoopie Goldberg, Will Smith oder Cuba Gooding Jr., weil diese seiner Meinung nach stets so "weisse" Filme drehten. Und in der Tat, das Lee'sche Lamentieren über die Ungleichbehandlung zwischen schwarz und weiss, die noch immer ein großes Thema vor allem in den USA ist, war nie deren Ding. Ob "Men of Honor" Spike Lee gefallen würde? Immerhin: Die Geschichte ist eine dieser "wahren Geschichten", die das Leben des ersten Afro-Amerikaners, der Master Diver wurde, nacherzählt. Dabei überwindet er ohne Selbstverleugnung alle Rassenprobleme, sein Durchhaltewille besiegt seine Gegner, getreu dem fairen Motto der Natur, dass sich der Beste stets durchsetzt. Und er wird gespielt vom Cuba Gooding Jr., einem dieser Vorzeige-Schwarzen, wie Lee hämisch bemerkte. Inzwischen haben sich diese hollywood-konformen Rassendramen etabliert, wie auch unlängst "Save the last Dance" zeigen konnte - nichtsdestotrotz verbirgt sich hinter alledem natürlich die Gefahr, dass dieses explosive Thema der Verharmlosung anheim fällt, durchgenudelt wird, die ernsthafte Diskussion, die wohl noch immer nötig wäre, von einem durch Hollywood-Pseudo-Dramatik induzierten Gefühl der bereits abgetragenen Schuld ("Probleme? Das war früher...") verdrängt wird.

Wie auch immer, Army, Männer, Ehre, Frauen, und Heldentum, dass sind Themen, die sich schon immer gut für Hollywoodfilme eigneten, und deswegen hat Drehbuchautor Scott Marshall Smith auch nicht damit gespart. Bei all dem pompösen Getue bleibt nicht mehr allzuviel Raum für die Figuren, was bei den beiden oscargekrönten Darstellern DeNiro und Gooding jr. wirklich schade ist. Wenigstens wird den Hauptfiguren etwas Hintergund spendiert, während vorallem deren Frauen reichlich farblos bleiben. Überhaupt gestaltet sich vorallem die Rolle der Frauen etwas anachronistisch (wobei dieser Teil des Filmes so etwa in den 60ern spielt): Sie sind ihren Männern hörig, folgen Ihnen, lassen sie Helden sein, auch wenn sie das daran hindert, zu Hause für Frau und Kind zu sorgen. Die Frau, deren Aufgabe es ist, den sozial wichtigen familiären Hintergrund zu organisieren und ihrem Mann am Wochenende Freude zu bereiten - das ist dann doch ein etwas aus der Mode gekommenes Konzept, und ob diese Darstellung im Sinne einer historischen Genauigkeit unbedingt notwendig gewesen wäre, bleibt anzuzweifeln.
Kritische Reflexion ist aber nun auch so gar keine Eigenschaft von "Men of Honor", denn hier geht es um die Ehre, das Heldenhafte, das Strammstehen, die guten alten Werte, und der Film lässt auch keinen Moment davon ab, dies mit einer gewissen Penetranz zu propagieren. Dialektik ist neumodischer Kram, differenzierte Betrachtungsweise auch, die alten Traditionen können nicht schlecht sein - das vermittelt uns der Film, ganz besonders in jener Gerichtsszene, in der der junge, moderne Ansichten vertretende Schnösel-Vorsitzende letztlich der geballten Kameradschaft und Tugend der im gemeinsamen Kampf gegen die Übel der Welt gestählten Männerfreundschaft unterliegt. So ist das eben, in den Sechzigern, in Hollywood, in Amerika. Solche Helden strüzen sich todesmutig in die Fluten, rennen auf dem Meeresgrund Atom-U-Booten davon und können 5 Minuten die Luft anhalten. Und sie kriegen immer die Frauen, die sie wollen.

Nun, vielleicht lässt DeNiro schauspielerisch gar nicht nach, wie ich in den letzten beiden Kritiken zu Filmen mit DeNiro andeutete, aber sicherlich lässt die Qualität der Filme nach, in denen er spielt. Sicher, den bärbeissigen, zynisch-markigen Ausbilder gibt er schon überzeugend (ebenso wie Gooding Jr. den nach Höherem strebenden Farbigen), besser geht es nicht - aber eine echte Herausforderung ist das eben nicht, denn die Rolle ist doch ziemlich einfach gestrickt, wie auch das meiste andere an diesem Film recht eindimensional bleibt. Wer den ganzen künstlichen Pathos mit einer gewissen Ironie ertragen kann, wird vielleicht Gefallen an dem Film finden - denn im Grunde ist die Geschichte, so sie denn wahr ist, eine schöne Geschichte: So schlecht sind Mut, Ehre und das Überwinden von Rassevorurteilen nämlich auch wieder nicht.

Markiger Anachronismus über Männer, Militär und Machoismen


Wolfgang Huang