Showtime

USA, 95min
R:Tom Dey
B:Jorge Saralegui, Keith Sharon, Alfred Gough
D:Robert De Niro,
Eddie Murphy,
Rene Russo,
Pedro Damian
L:IMDb
„Oh Scheiße. Bin bei der ebay-Versteigerung einer A-Team Pausenbrotdose übersteigert worden.”
Inhalt
Der humorlose Detective Mitch Preston (Rober DeNiro) vom Los Angeles Police Department ist ein ungeduldiger Mann, der nie viele Worte verliert. Patrol Officer Trey Sellars (Eddie Murphy) ist nur Polizist geworden, weil er als Schauspieler keinen Erfolg hat – viel lieber würde er einen Cop auf dem Bildschirm spielen. Eines Nachts stolpert Trey ahnungslos in eine Undercover- Aktion, mit der Mitch nach Monaten der Vorbereitung einen Drogendealerring sprengen will. Die Verdächtigen fliehen, und als Sekunden später auch noch ein TV-News-Team am Tatort erscheint, ist Mitch derart frustiert, dass er einen Schuss auf die Kamera abgibt. Am nächsten Tag erscheint Mitchs Bild in allen Tageszeitungen, und das unverhoffte Medienecho trägt ihm eine saftige Rüge seines Vorgesetzten ein. Auch die versierte Fernsehproduzentin Chase Renzi (Rene Russo) wird auf ihn aufmerksam: Sie wittert einen Quotenknüller und überredet Mitchs und Treys Vorgesetzte, mit einer Live-Reality-Show das Image der Polizei zu heben – die beiden Cops sollen in Team bilden, und eine Fernsehcrew folgt ihnen auf Schritt und Tritt.
Kurzkommentar
Es wundert mich doch etwas, wie schlecht die US-Resonanz auf "Showtime" war. Als vorwiegend unkomisch und bisslos wurde die leicht medienkritische Komödie mit Robert DeNiro und Eddie Murphy aufgenommen, dabei geben sich gerade die ersten drei Viertel des Films angenehm locker. Die Dialoge sind oft gut ausgearbeitet, bieten eine Menge Anspielungen, Neckigkeiten und witzige Anekdoten und DeNiro wirkt in "Showtime" besser als in jeder seiner vorigen Komödien.
Kritik
Regisseur Tom Dey konnte schon mit seinem Regiedebüt "Shanghai Noon" mit Jackie Chan und Owen Wilson im Genre der Buddy-Komödie überzeugen, als er es auf teils köstliche Weise verstand, ein ungleiches (und mal nicht schwarz/weißes) Paar mit flotten Sprüchen und furchtbar lockerer Stimmung zu vereinen. "Showtime" mit Robert DeNiro und Eddie Murphy scheint auf den ersten Blick von derselben Sorte zu sein, verfolgt tatsächlich aber einen anderen Ansatz. Wie die erste Szene mit DeNiro in der Schulklasse zeigt, will "Showtime" vielmehr eine Satire auf eben jene, formelhafte Buddy-Komödien sein. Die Ausgangssituation muss dazu also ebenso klischeehaft sein wie in den unzähligen Vorgängern, in denen Eddie Murphy damals sogar selber mitgespielt hat ("Nur 48 Stunden"): ein schwarzer und weißer Cop müssen sich wider Willen zusammenraffen und einen Fall lösen.

So weit, so gut. Da dieser Ansatz zum reichhaltigen Füllen der angedachten 95 Minuten aber nicht ausreicht, bedienten sich die (drei) Drehbuchautoren kurzerhand einem Genre, das quasi DeNiro mitbringt: das medienkritische Realtity-TV-Element à la "15 Minuten". Damit kann "Showtime" quasi Mediengeilheit und Buddy-Komödie in einem auf die Schippe nehmen. Das klappt über weite Strecken des Films auch sehr gut, denn "Showtime" würzt seinen gagreichen Charakter nicht nur durch den selbstironischen Auftritt William Shatners (as himself), sondern lässt wenig Gelegenheiten aus, die Formelhaftigkeit der angesprochenen Buddy-Movies aufs Korn zu nehmen. DeNiros Charakter Mitch Preston habe es noch nie mit explodierenden Autos, roten und grünen Kabeln beim Entschärfen einer Bombe oder Kokain zu tun gehabt, bei dem man mit der Zunge probieren muss, ob es sich tatsächlich um Rauschgift handelt. Es könnte ja auch Zyankali sein.

Was vor allen Dingen positiv ins Gewicht fällt, ist die Tatsache, dass DeNiro in "Showtime" endlich nicht so gezwungen komisch wirkt wie in seinen bisherigen Komödien "Reine Nervensache" und "Meine Braut, Ihr Vater und ich". Das liegt ganz einfach daran, dass er sich hier nicht verstellen muss, um witzig rüberzukommen. Er spielt einfach mürrisch wie immer und in Kombination mit Eddie Murphys sorglosem Geplapper und Rene Russos Drang, alles mediengerecht inszenieren zu müssen, wirkt er komisch wie selten zuvor. Gerade seine lakonischen Kommentare kommen saugut ("Ist das Ihre richtige Wohnung?" - "Nein, in der Garage ist ein versteckter Tunnel zu meinem Haus in Beverly Hills").
Aber auch Eddie Murphy wäre ungerecht behandelt, wenn man ihm wieder den Stempel des ewigen Plappermauls aufdrückt. Natürlich stellt er die freche Hälte des ungleichen Paares dar, aber er trägt seine Rolle so bewusst klischeehaft, dass man nicht umhin kommt, ihm für seine ironische Mimik gekonntes Schauspiel zu unterstellen. Das ist subtiler, als man von ihm und einem Film dieser Art erwartet hätte.

Das größte Problem an "Showtime" ist nun, dass er seinen satirischen Charakter nicht durchhält und im Schlussviertel zu eben jenem schematischen Streifen wird, den er ursprünglich veralbern wollte. Nicht nur, dass das Storyelement um die überstarke Maschinenpistole total blöde ist, auch das Finale ist reichlich holprig. Ein Film dieses Genres braucht zwar keine Spannungskurve im klassischen Sinne, sollte um einen vernünftigen Storybogen aber nicht herumkommen. Die Abrechnung mit Bösewicht Caesar kommt jedenfalls viel zu plötzlich und effektlos. Noch nicht mal für ein paar knackige Dialoge ist da noch Zeit gewesen.

Nichtsdestotrotz ist "Showtime" über weite Strecken eine recht gelungene Satire und vor allem ein ziemlich spaßiger Streifen, der vor allem vom feinen, ironischen Unterton lebt. Ein sturer Durchschnittskriminalfall bleibt uns dabei zwar nicht erspart, dafür aber eine unnötige Love-Story um Rene Russo (die insgesamt gnadenlos verheizt wird). Für kurzweilige anderthalb Stunden reicht "Showtime" trotz der Endschwächen aber deutlich aus.

Formelhaft, aber recht spaßig


Thomas Schlömer