Men in Black II

USA, 82min
R:Barry Sonnenfeld
B:Robert Gordon
D:Tommy Lee Jones,
Will Smith,
Rip Torn,
Lara Flynn Boyle
L:IMDb
„Yummy, someone I need to eat”
Inhalt
Als Agent Kay (Tommy Lee Jones) vor einigen Jahren die Geheimorganisation der Men in Black verließ, wurde sein Gedächtnis getreu den Vorschriften "geblitzdingst". Inzwischen lebt der ehemals wackerste und smarteste Alien- Bekämpfer der Welt als Postbote in einem kleinen Kaff in Massachusetts. Sein ehemaliger Partner Jay (Will Smith) ist derweil zum neuen Top-Agenten der MIB aufgestiegen. Doch der Kampf gegen die Extraterrestren macht ihm ohne den guten alten Kay keinen rechten Spaß mehr. Eines Tages jedoch taucht ein neues, besonders diabolisches Alien auf. In Gestalt des verführerischen Dessous-Models Serleena (Lara Flynn Boyle) will es die Erde unterjochen. Nur Kay könnte das außerirdische Biest aufhalten - wenn er sich doch bloß an seine frühere Existenz erinnern könnte! Agent Jay macht sich deshalb auf, seinen alten Freund zu reaktivieren. Und dann stürzen sich die beiden in ein bizarres Abenteuer, das seinesgleichen sucht.
Kurzkommentar
Nach ausbleibendem Erfolg mit anderen Filmen renoviert Barry Sonnenfeld sein einzig wahres Kassengewicht. "Men in Black 2" dürfte es dem Original gleich tun und mit einer recht funktionstüchtigen Mixtur aus überdrehtem Effektlärm, gutlauntem Unsinn und tonangebender Coolness sein Massenpublikum finden. Die komische Treffsicherheit der kurzlebigen Sci-Fi- Klamotte ist allerdings erneut beschränkt, originelle Einfälle rar und das zu kurze Zusammenspiel von Jones und Smith recht pointenschwach.
Kritik
Dass Schwarz vieles, vor allem aber cool ist, das weiß jeder. Weckten schwarze Anzüge hingegen lange nur das Bild vom Bestattungsunternehmer, wurde die Wahrnehmung mit "Pulp Fiction" und gerade 1997 dann eine andere: "Men in Black", der sprechende Titel wurde zum Programm. Zu den schwarzen Anzügen kamen gleichfarbige Sonnenbrillen und fertig war das stilbildend "hippe" Outfit. Schief gehen konnte damit im Grunde wenig, gerade auch, weil Tommy Lee Jones und Will Smith die Anzugträger waren. In ihrem Zusammenspiel von trockener Verschwiegenheit und überdrehtem Quatschen gaben sie eine halbwegs originelle wie zugkräftige Chemie für ein "Buddy"- Movie. Hinzu kamen parodistische Sci-Fi-Elemente, jede Menge Slapstick und Spaß am konzentrierten Unfug.

Das Konzept ging auf, zumindest an der Kasse. Der Sci-Fi-Klamauk räumte weltweit ab, zeitgleich akustisch unterstützt von Will Smiths Titelsong. Vor lauter Euphorie für schwarze Anzugs- und Brillenkultur wurde "Men in Black" affektgemäß zum Kult erhoben. Wirklich kurzweilig war das Effektsspektakel aber eher durch die Kürze seiner Laufzeit als durch perfekt dosierte Gagdichte und deren Pointen. Aber alles ist eben Formsache, hängen blieb das Sprüchekino letztlich durch Kleidungsstil und Coolnessfaktor, alles andere versackte im Kurzzeitgedächtnis, war mit dem Film "geblitzdingst". Der absolute Brüller war "Men in Black" für die Meisten denn auch nicht.

Dennoch, laute Rufe und das fette Kassenergebnis legitimierten einen Nachfolger und es war naheliegend, diesen nach gängisten Sequelattributen zu denken: mehr Lärm, mehr Effekte, mehr Witz. Wieso die schwarzgekleidete Gemeinde auf die heiß eingeforderte Zugabe nach simplester Verfertigung jedoch satte fünf Jahre warten musste, ist rätselhaft. Sequels werden immer schneller vom Fließband geworfen und ein Verpackungsprodukt wie "Men in Black 2" brauchte mit Sicherheit keine nennenswerte ideenmäßige Vorlaufphase. Grund dürfte eher sein, dass sich Regisseur Barry Sonnenfeld bei einem bereits ein oder zwei Jahre später abgedrehten Nachfolger mit dem Vorwurf der Phantasie- und Kreativitätslosigkeit konfrontiert gesehen hätte. Fürs Image sucht man Erfolg zwischenzeitig also in anderen Projekten, Glück brachte das alles jedoch nicht.

Im Sommer 1999 erlebte "Komödienspezialist" Sonnenfeld mit "Wild Wild West", seinem einzigen Blockbusterversuch zwischen "MIB" und "MIIB", bloß ein kolossales Desaster. Will Smith war hier ebenso beteiligt. Selbst wenn er mittlerweile dank "Ali" zum respektablen Darsteller geworden ist, den Kassenerfolg von "Men in Black" konnte auch er nicht wiederholen. Und daran bemisst sich in Hollywood leider auf Dauer der Wert eines Stars. Jener Wert scheint Oscarpreisträger Tommy Lee Jones mittlerweile denn auch ein wenig verlassen zu haben. Auf der Leinwand sieht man ihn in letzter Zeit selten, und wenn, dann in schon fast bemerkenswert blassen Rollen. Zuletzt reichte es 2000 nur für einen mauen Weltraumrentner in "Space Cowboys".

So mussten Sonnenfeld, Smith und Jones nach Verzögerung das Kassenprinzip ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit wieder ausgraben und aufwärmen. Das funktioniert ganz mittelprächtig und von Beginn an festigt sich der Eindruck, dass selbst für die erneut enorm kurze Laufzeit von fast 80 Minuten die Güte der Gags beim besten Willen lauwarm bleibt. "Men in Black 2" wirkt wie ein reibungslos heruntergedrehter Aufguss des Originalkonzeptes, das, sieht man von einigen brillianten Szenen (Agent J bei der Agentenprüfung) ab, selbst auch schon nicht umwerfend komisch war. Auch in Teil zwei ist wieder nichts selbstverständlicher als die Anwesenheit von Aliens, plappernden Möpsen und Mutanten allerorts. Das jedoch kann gerade schnell reizlos sein und sich totlaufen, wenn es ordinär wird.

Zwar beginnt "MIIB" mit dem schräg witzigen Einfall, den ironisch wie typischen Weltunterjochungsplot mittels einer gekonnten Szene im trashigen 70er-Look als Parodie auf den Mystery-Fernsehmüll zu parodieren. Aber auch wenn Smiths Agentenalltag dann mit einer rasanten U-Bahn-Sequenz eingeleitet wird - treffsichere Lacher gelingen Sonnenfeld hier ebensowenig wie beim ersten Auftauchen der medusenartigen Gegenspielerin, die die Kakerlake aus dem ersten Teil unterkühl und geschichtslos ersetzt. Der Eindruck der Beliebigkeit, den "MIIB" beim Zuschauer weckt, spiegelt sich auch beispiellhaft in den Special-Effekts als zentralem Element. Diese mögen von Industrial Light & Magic stammen, überanstrengt hat sich hier aber niemand, im Gegenteil. Etlichen Grafiken demonstrieren in ihrer matten Digitalität den Computerursprung allzu deutlich, Staunen ob neuer Güte wird hier nie erreicht.

Das war halt alles schon gesehen, nicht schlechter, aber auch nicht unbedingt besser. Smith hält also mit flotten Sprüchen leidlich bei Laune, bis zur notwendigen Reaktivierung von Jones vergeht allerdings zu viel Zeit, auch wenn die Szenen mit dem plappernden und singenden Machomops für einige Höhepunkte herhalten. Sonst zeigt sich "MIIB" gerade als verlängerter Mercedes-Werbespot und sobald Jones das komische Duo endlich wieder komplettiert hat, ist zum einen eben schon die Hälfte des Films recht pointenschwach verstrichen, zum anderen kommt das Spektakel aber auch dann nicht zum Zuge. Recht unberührt, vielleicht unterhalten, sich aber sicher nicht vor Lachen krümmend, weil Wortspielen und Kämpfen gegen Aliens der Schliff fehlt, so folgt man dem beliebigen Plot. Das ist wahrlich keine Großtat von Autor Robert Gordon. Schon seiner Weltraumparodie "Galaxy Quest" fehlte der entscheidende Witz.

Lara Flynn Boyle mag ihre Rolle als diabolische Verführung ja angemessen locker abwickeln, komisches Gespür hat sie nicht. Und das wäre hier wesentlich gewesen. Sinister stolziert sie als Lederengel durch die Szenerie und malträtiert jeden mit schlangenmäßigem Fingerzeig. Ach, wie witzig. Bis es zum öden Showdown kommt, darf Agent J noch dank einer unschuldigen Schönheit sich emotional involvieren, zusammen mit K neue Welten hinter Schließfachtüren entdecken und ordentlich austeilen. So rettet sich der sichere Blockbuster ein wenig unsicher über seine kurze Laufzeit und stellt sich damit selbst nur das Zeugnis beschränkter Halbwertszeit aus: erinnert wird wohl wieder nur ein natürlich ökonomisch legitimierter Ruf nach Fortsetzung.

Stilvolle, leidlich spaßige Kopie einer überschätzten Sci-Fi-Klamotte


Flemming Schock