Shang-High Noon
(Shanghai Noon)

USA, 110min
R:Tom Dey
B:Miles Millar, Alfred Gough
D:Jackie Chan,
Owen Wilson,
Lucy Liu,
Brandon Merrill
L:IMDb
„Mein Name ist Chon Wang ... - John Wayne? ... welch bescheuerter Name!”
Inhalt
Die tolpatschige imperiale Wache Chon Wang (Jackie Chan) fühlt sich persönlich verantwortlich für die Entführung der chinesischen Prinzessin Pei Pei (Lucy Liu) und besteht darauf die chinesischen Elitewachen bei ihrer Befreiungsaktion in den wilden Westen Amerikas zu begleiten. In den USA eingetroffen, dauert es nicht lange bis Wang und die anderen Wachen getrennt werden und er sich mit einem ungleichen Partner konfrontiert sieht: der Möchte-Gern-Räuber Roy O'Bannon (Owen Wilson), der ihm nicht nur dabei helfen möchte, die Prinzessin zu befreien, sondern vor allem beibringt, im rauhen Westen überhaupt zu überleben.
Kurzkommentar
In anspruchsloser, aber gewohnt gewitzer und ironischer Weise prügelt sich Jackie Chan durch den wilden Westen Amerikas und hat dabei einen passend-sympathischen "Buddy" zur Seite. Im Gegensatz zu sonstigen Chan- Filmen trumpft "Shang-High Noon" zudem noch mit seinem Parodiecharakter auf und liefert hochamüsante, wenn auch etwas actionarme Abendunterhaltung ab.
Kritik
Wo Jackie Chan drauf steht, ist auch Jackie Chan drin. Dessen konnte man sich bisher immer sicher sein und auch diesmal enttäuscht er seine Fans nicht. Viel bemerkenswerter als die (recht selten gesähten) Martial Arts-Szenen ist allerdings die lockere und damit sehr spaßige Grundhaltung von "Shang-High Noon": anstatt einfach einen simplen Haudrauf-Film von Chan abzuliefern, dachten sich die Drehbuchautoren Millar und Gough ("Lethal Weapon 4") eine gelungene Westernparodie mit ebenso spaßigem Buddy-Movie Charakter aus, der von Debütregisseur Tom Dey solide in Szene gesetzt wurde.

Wie der Titel schon andeutet ist hier nichts ernst zu nehmen: weder die Helden, noch die bösen Jungs; weder die Kulisse, noch die teils absurden Storyelemente. Daß eine chinesische Prinzessin (allein die Tatsache, daß es sich um eine Prinzessin handelt, die gerettet werden muß, ist Indiz genug für den ironischen Ansatz) ausgerechnet in den wilden Westen der USA entführt wird, beweist, daß hier mal wieder die Story nur Mittel zum Zweck ist: "Spaß, Spaß, Spaß" lautet die Devise.
Und den gibt's reichlich: entweder besiegt Chan in gewohnt gewitzter Weise einige herumstreunende Indianer oder sein "Buddy" Roy O'Bannon spielt nur so mit den Western-Klischees, daß es eine wahre Freude ist. Kaum ein typisches Westernelement wird ausgelassen: vom obligatorischen Eisenbahnbau, über die untergehende Sonne bis hin zum Showdown mit dem profitgierigen Obergegner.
Wenn auch die Linie zwischen deutlicher Ironie und teils ernsthaft wirkenden Elementen nicht immer hundertprozentig ersichtlich ist, so überwiegt Ersteres doch über weite Strecken des Films: Jackie Chan, der mit seinen Martial Arts Künsten hier ein paar Indianer und da ein paar Cowboys verdrischt, ist eigentlich schon amüsant genug. Stimmt dann noch der Wortwitz und gibt es zum Ende des Films die aberwitzigen Outtakes, so dürften sich nicht nur Fans des flinken Kung-Fu Spezialisten prächtig unterhalten fühlen.

Der "Buddy-Movie"-Charakter ist dabei gleichzeitig die große Stärke als auch die größte Schwäche des Films: wem Filme wie Jackie Chan's letzte amerikanische Kooperation "Rush Hour" noch nie gefallen haben, der wird auch an "Shang-High Noon" keinen Gefallen finden und sich womöglich an der Anspruchslosigkeit stören. Die Chemie zwischen Owen Wilson und Jackie Chan stimmt hierbei allerdings genauso gut wie mit seinem letzten Partner Chris Tucker, so daß man sich für die lockere Abendunterhaltung zwischendurch prompt mehr solch gewitzter Streifen wünscht.

In hohem Maße anspruchslos also, aber zwei der amüsantesten Stunden des bisherigen Kinojahres.

Stereotypisches, aber witziges Buddy-Movie und gelungene Western- Parodie


Thomas Schlömer