Sin City

USA, 124min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Robert Rodriguez, Frank Miller
B:Frank Miller, Robert Rodriguez
D:Bruce Willis,
Maria Bello,
Elijah Wood,
Jessica Alba,
Rosario Dawson
L:IMDb
„An old men dies, a young girl lives. A fair trade.”
Inhalt
Willkommen in Sin City. Diese Stadt begrüßt die Harten, die Korrupten, die mit den gebrochenen Herzen. Manche nennen sie düster. Hartgesotten. Dann gibt es andere, die sie ihr Zuhause nennen. Korrupte Cops. Sexy Huren. Verzweifelte Wachleute. Einige suchen Rache. Andere dürstet es nach Erlösung. Und dann gibt es noch solche, die ein bisschen was von beidem haben wollen. Ein Universum voller unwahrscheinlicher und zögerlicher Helden, die immer noch das Richtige tun wollen, obwohl es der Stadt längst völlig egal ist.
Kurzkommentar
Robert Rodriguez' Gewaltcomic ist gewaltig gewaltätig und sieht gewaltig aus, übersteht den Transport vom rauhen Druckpapier auf die glasklar-digitalprojizierte Leinwand aber nicht ganz unbeschadet. Die ehrfürchtige Digitalisierung von Frank Millers Vorlage wird wohl in diesem Jahr zu keinen hinreißenderen Kinobildern führen und seine rockige Kompromisslosigkeit beweist endgültig, dass Rodriguez der härteste Cowboy Hollywoods ist, aber die sklavische Bindung an Millers Bilder, Schnitte, Mono- und Dialoge fördert hier und da die unumstössliche Unterschiedlichkeit der Medien zutage: Comic ist ein diskretes, Film ein kontinuierliches Medium. Problematisch wird das, weil sich Rodriguez konsequent an die vorgegebenen Zeichnungen hält und etwa -den von ihm sonst so begeistert proklamierten, digitalen Freiheitsgraden zum trotz- äußerst selten auf Kamerafahrten setzt (was den vor Kinetik nur so strotzenden Geschichten deutlich zuwider läuft). Stattdessen verharrt er endlos in halbtotalen bis halbnahen Einstellung als wüßte er gar nicht, wohin mit seiner teuren Sony, würde ihm Miller nicht bereits alles vor die Nase setzen. Auch die Verheiratung der drei Geschichten lässt die Sturheit der Umsetzung nicht gerade im besten Licht erscheinen, sind sie doch im Prinzip gänzlich redundante Variationen ein und desselben Themas: die Selbstopferung des Mannes auf dem Altar der Liebe. Die ist bei Rodriguez/Miller dafür eine herzzerreißende Melange aus gebrochenem Machismo, tiefer Melancholie und feuriger Leidenschaft. Insbesondere die Geschichten von Marv und Hartigan strahlen einen schwermütigen Fatalismus aus wie er in diesem Jahr kaum besser in Bilder gegossen wurde. Das perfekte Sujet für die Ästhetik des Films und letztlich das entscheidende Argument, warum man den Film dann doch keineswegs verpassen sollte. Ob es hingegen eine kluge Idee von Rodriguez und Miller ist, alle ausstehenden "Sin City"-Episoden ähnlich patchworkartig ins Kino zu bringen, sei dahingestellt.
(Thomas Schlömer)