Shall We Dance? (1996)
(Shall we dansu?)

Japan, 118min
L:IMDb
Inhalt
Sugiyama hat alles, was sich ein durchschnittlicher Japaner so wünschen kann: Einen guten (wenn auch langweiligen) Job, eine Familie und ein Haus. Doch während der abendlichen Heimfahrt mit der U-Bahn blickt er immer sehnsüchtig zu einer Tanzschule, was zum einen mit der hübschen Tanzlehrerin, die sich ihm im Fenster zeigt, zu tun hat, zum anderen mit seinem Verlangen, mal etwas aussergewöhnliches zu tun. Denn Tanzen ist in Japan verpönt, hat etwas anrüchiges, eine zweifelhafte Freizeitbeschäftigung für alternde Lüstlinge. Dennoch beschließt er, Tanzen zu lernen, was natürlich so einige Konsequenzen hat.
Kritik
Muß man diesen Film gesehen haben? Gute Frage. Von der Story her bietet er nichts besonders Einfallsreiches: Es kommt zu den üblichen Verwicklungen, der verschlossene Sugiyama blüht langsam auf, entwickelt eine Beziehung zu der kühlen Tanzlehrerin Mai, wird nach und nach zu einem exzellenten Tänzer, und zum Schluß gibt es ein Happy-End.
Bemerkenswert ist 'Shall We Dance?' aus einem ganz anderen Grund: Schon der Vorspann mit japanischem Titel vermittelt ein ganz eigenes Gefühl. Und zumindest zu Beginn blinzelt der Hollywood-gewöhnte Kinogänger doch das eine oder andere Mal: Wie nicht anders zu erwarten spielen nur Japaner und Japanerinnen mit. Vom Thema ganz zu schweigen: Ein Japaner, der durch Tanzunterricht ein Stück Selbstverwirklichung sucht und es so mit gesellschaftlichen Konventionen aufnehmen muß.
'Shall We Dance?' versucht gar nicht, uns japanische Lebenskultur verständlich zu machen, und vielleicht ist er weder als Tanzfilm noch als eigentlich japanisches Drama besonders gelungen.Doch er bietet einen ganz eigenen Einblick in die japanische Lebensweise, weil er so unverfälscht ist, ein japanischer Film eben und keine deutsche Dokumentation über Tänzer in Japan.Denn alles ist ein wenig anders: Sobald es zu einem Gespräch kommt, lächeln alle Beteiligten.Meint man am Anfang vielleicht noch, dahinter stecke schauspielerisches Unvermögen, so kommt man doch rechtbald hinter den wahren Grund. Und das Symbol für Freiheit und Glück ist nicht etwa Hollywood, New York, der Urwald, ein Bauernhof, der Himmel oder das Meer, nein, es ist Blackpool, ein kleines Kaff, in dem zufällig die Tanzmeisterschaften stattfinden (und das zudem noch im liberalen England liegt.) Und wenn man sich gegen Ende hin an die 'japanische Wirklichkeit' schon fast wieder gewöhnt hat, so überzeugt einen der unlesbare, weil japanische Abspann endgültig davon, daß das doch irgendwie eine ganz andere Welt ist.
Wolfgang Huang