3 Chinesen mit dem Kontrabass

D, 88min
R:Klaus Krämer
B:Klaus Krämer
D:Boris Aljinovic,
Jürgen Tarrach,
Ilja Richter,
Edgar Selge
L:IMDb
„Willst du einen Teller Suppe? - Nein, heutzutage weiß man ja nie was da drin ist.”
Inhalt
Als Paul (Boris Aljinovic) nach einer durchzechten Nacht erwacht, findet er seine Freundin tot auf. Er kann sich an den vorherigen Abend nicht mehr erinnern und befürchtet, sie umgebracht zu haben. Also ruft er seinen Freund Max (Jürgen Tarrach) zu Hilfe, um die Leiche aus dem Weg zu räumen. Das entwickelt sich natürlich zu einem größeren Problem...
Kurzkommentar
Tatsächlich, einen solchen Film ist man aus Deutschland nicht gewohnt: Keine lahme Beziehungskiste, keine pseudokritische Sozialstudie, kein deutscher Brachialhumor, sondern eine fein mit deutschen Tugenden versehen schwarze Komödie. Mehr davon, bitte.
Kritik
Das wichtigste gleich vorweg: "3 Chinesen mit dem Kontrabass" gelingt der Spagat, der sich allen Filmen auftut, die eine solche schwarze Handlung lustig verkaufen wollen - die amerikanischen Vorbilder zeigen, dass das nicht immer der Fall ist.
Der Film profitiert davon, dass er nicht das Kino neu erfinden will, sondern vielmehr ein bekanntermassen tragfähiges Konzept geschickt für den deutschen Markt umsetzt. Das ist sicher keine Revolution, aber es ist gutes Kino - und man kann ja schon froh sein, wenn man zumindest das hierzulande findet.
Zum Glück kopiert der Film nicht seine Vorbilder, sondern passt die Verhältnisse entsprechend an: Aus den Yuppies wird eine WG, aus Las Vegas wird der Ruhrpott, und aus der Nutte/Schlampe wird eine mehr oder weniger normale junge Frau. Hinzu kommen Szenen und Figuren, die gut auf deutsche Verhältnisse passen: Der biologisch wertvolle Nachbar, die hysterische Mutter, die abgefahrene Vollkorn-Donut-Studentin. Klar, das sind alles nur Klischees, aber der Film will uns auch nicht belehren, sondern Spass machen. Und das gelingt: Der Verzicht auf allzu derbe Szenen fällt positiv auf, vielmehr wird geschickt mit hintersinnigen Andeutungen gespielt. Und auch das Ende ist wunderbar grotesk - so dass man (halbwegs starke Nerven und Mägen vorrausgesetzt) ohne ein mulmiges Gefühl durch den Film kommt.
Bei aller deutschen Gründlichkeit schleichen sich auch kleinere Mängel ein: Die Story ist kaum überraschend, der Mittelteil etwas fade. Aber dank des gelungenen Rests kann man durchaus darüber hinwegsehen.
Und, falls Sie beim nächsten Sperrmüll eigentlich endlich die alte Getreidemühle rausschmeissen wollten: Heben Sie sie auf, wer weiss, wofür man die noch gebrauchen kann...

Gekonnte makabre Komödie mit deutschen Tugenden


Wolfgang Huang