Shaft

USA, 99min
R:John Singleton
B:Ernest Tidyman,John Singleton
D:Samuel L. Jackson,
Vanessa Williams,
Jeffrey Wright,
Christian Bale
L:IMDb
„You know me, it's my duty to please that booty.”
Inhalt
Als der rassistische, weiße College-Student Walter Wade (Christian Bale, demnächst in "American Psycho") einen jungen schwarzen Studenten vor einer New Yorker Bar umbringt, wird er von Detectiv John Shaft (Samuel L. Jackson) nach einer kurzen Beweisaufnahme verhaftet. Natürlich wird für Walter - einem Sprössling der New Yorker Upperclass - die Kaution von 200.000 $ ohne Wimpernzucken bezahlt. Zur eigentlichen Verhandlung des Mordfalls erscheint Walter nicht; er hat sich stattdessen längst in die Schweiz - zum Skifahren - abgesetzt. Seitdem steht er auf Shafts "Schwarzer Liste" auf Platz eins und als er zwei Jahre später wieder in den USA auftaucht steht Shaft schon bereit, für Gerechtigkeit zu sorgen.
Kurzkommentar
Mit Samuel L. Jackson als scheinbar zeitlos cooler Cop John Shaft hätte man bei einer wenigstens etwas weitreichenderen Erzählung deutlich mehr machen können. Statt einiger ebenbürtig-coolen Story präsentiert John Singleton hingegen einen Kriminalfall nach Schema F und läßt auch seinem Protagonisten wenig Spielraum für lockere Sprüche und heldenhafte Momente. Aber die Musik, die kommt geil.
Kritik
1971 kam ein Actionfilm in die amerikanischen Kinos, der eigentlich ganz gewöhnlich war. Ein Kriminalfall, viel Action, jede Menge Bösewichter und ein überlegener Cop, der sie zur Strecke bringen darf. Nur eines, das war neu: der Filmheld hatte schwarze Hautfarbe. Acht Jahre nach Martin Luther Kings berühmter Rede schaffte es Richard Roundtree als lockerer Frauenheld und obercooler Cop John Shaft zum ersten Mal, einen schwarzen Titelhelden zu etablieren. Die Reaktionen in der schwarzen Bevölkerung schwankten von simpler Bewunderung bis hin zu gesellschaftlicher Mutschöpfung - selten hat ein Film bzw. eine Hauptrolle so viel für das schwarze Selbstbewußtsein getan und so langsam entwickelte sich das, was heute z.B. beim US-Basketball Standard ist: pure Coolness, die nur Schwarze versprühen können.

Der ebenfalls schwarze Regisseur John Singleton ("Rosewood", "Higher Learning") war nun der Meinung, daß es für eine Neuauflage höchste Zeit war und verpflichte wohl den einzig richtigen Schauspieler für diese Paraderolle: Samuel "the man" Jackson, seit "Pulp Fiction" Inbegriff von Intelligenz und Coolness. Und so hängt der gesamte Film auch an seinen Schultern und dem Zuschauer wird mehr und mehr klar: Samuel L. Jackson spielt nicht John Shaft, Samuel L. Jackson ist John Shaft. Ex-Protagonist Richard Roundtree hat zwar eine nette und unbedeutende Gastrolle als Uncle Shaft, aber der Shaft des neuen Jahrtausends ist ganz klar sein Nachfolger. Gepaart mit dem zeitlos groovigen Shaft-Theme von Isaac Hayes (exzellent remixed von David Arnold) offenbaren sich die ersten 20 bis 30 Minuten als warer Augen- und Ohrenschmaus. Wenn Samuel L. Jackson im Armani-Look, jederzeit Herr der Lage, sich nicht nur den Gegnern, sondern auch den Gesetzen widersetzt, dabei erwähntes Theme harmonierend mitschwingt, kommt Freude pur auf und man sieht zu Beginn gerne über das schwache Grundmotiv hinweg.

Doch leider hat Singleton damit schon in der ersten halben Stunde sein gesamtes Pulver verschossen. Nachdem sich der Zuschauer nämlich am makellosen Outfit Shafts und am peppigen Beat satt gesehen bzw. gehört hat, rächen sich nicht nur der äußerst schwache Kriminalfall, sondern auch die Filmelemente aus den 70er Jahren. Damals, drei Jahre nach dem Tod Kings und den nachfolgenden Unruhen, hätte ein Mord aus rassistischen Gründen sicherlich noch genügend Zündstoff geboten und die Zuschauer emotional gebunden, heute ist die Hemmschwelle leider viel höher und in Zeiten stadtübergreifender Drogenbosse und skrupelloser Terroristen wirkt die Tat vergleichsweise uninteressant, traurig, aber wahr. Und so verbringt man den Film damit, Shaft bei der endgültigen Aufklärung und Beweissuche zu begleiten - mal mit netten Ideen angereichert (der Trick mit dem Geld im Auto der korrupten Polizisten), mal langweilig und belanglos. Wenn sich dann zum Ende hin gar noch die Gewaltdarstellung fast ins Geschmacklose erhöht, ist von Coolness keine Spur mehr und man sehnt sich zurück zum lockeren ersten Viertel des Films. Was soll z.B. die "pädagogische" Szene mit dem Drogendealer ? Ein paar hinter die Löffel und das Problem ist gelöst - Gewalt löst scheinbar alle Probleme. Oder das Schußgefecht mit den Schergen Hernandez'? Diese wort- und rücksichtslose Gewalt mag im New Yorker Ghetto vielleicht an der Tagesordnung stehen, aber angenehm anzusehen ist das für den Zuschauer nicht, gerade wenn die Gewalt so leer und ohne Bindung oder Aussage im Raum steht.

"Schade, Schade" geht einem bis zum Ende des Films immer mehr durch den Kopf. Außer Shaft keine guten Charaktere, Hernandez' dominikanischer Akzent nervt irgendwann gewaltig, die hübsche Vanessa Williams darf noch weniger sagen als in "Eraser" und auch sympathiefördernde Frauengeschichten oder lockere Sprüche fehlen fast völlig. Bis mal wieder Hayes Shaft-Theme ertönt, das dem Ganzen wenigstens etwas Unbeschwertheit verleiht.

Still the man, aber übertrieben gewalttätig und nicht immer cool.


Thomas Schlömer