Being John Malkovich

USA, 112min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Spike Jonze
B:Charlie Kaufman
D:John Cusack,
Cameron Diaz,
Catherine Keener,
John Malkovich,
Ned Ballamy
L:IMDb
„Ich war in ihm und guckte raus!”
Inhalt
Ein Tunnel der ganz besonderen Art wird zur Attraktion eines New Yorker Wolkenkratzers. Entdeckt hat ihn der kleine Angestellte und ehemalige Puppenspieler Craig Schwartz (John Cusack), der zufällig herausfindet, dass das Loch, das er hinter seinem Aktenschrank entdeck hat, 15 Minuten lang eine völlig neue Sicht auf die Welt bietet. Wer einmal in den Tunnel hineingesogen wurde, kann sehen und fühlen, was John Malkovich erlebt und empfindet. Craigs Frau, die Tierliebhaberin Lotte (Cameron Diaz) und seine Kollegin Maxine (Catherin Keener) erleben eine Vereinigung der besonderen Art. Bald schlagen sie aus dem "ride" Kapital, bis Malkovich höchstpersönlich zum Rutschen vorbeikommt.
Kurzkommentar
Für mich wirkt "Being John Malkovich" wie der misslungene Versuch eines Monty-Phyton-Films: Skurril, abgefahren, aber leider nicht lustig - und philosophisch schon gleich gar nicht. Nichtsdestotrotz ein cineastisches Muss!
Kritik
In etwas 5 Sätzen reissen die Hauptdarsteller das mehr oder weniger philosophische Problem des Filmes, das irgendwie unbestimmbar um Identität kreist, an. Und diese 5 Sätze werden wahrscheinlich auch nur verloren, weil den Drehbuchschreibern für jene Autofahrt gerade nichts anderes einfiel. Wie auch immer, der Film leistet kaum einen Beitrag zu seiner Entschlüsselung, der Zuschauer sieht sich - sofern er den Film denn ernst nimmt- einem enormen hermenuetischen Problem gegenüber. Doch genau da scheint mir der Haken des Ganzen zu liegen: Während Regisseure wie Lynch, Cronenberg oder Scorsese immer mit dem latenten Anspruch des philosophischen Werkes drehen, habe ich bei "Being John Malkovich" das Gefühl, dass der Regisseur einen nicht unbeträchtlichen Teil der Drehzeit unter Drogen stand. Und wer jüngste Interviews mit Spike Jonze gelesen hat, dem wird dieser Verdacht nicht sonderlich weit hergeholt scheinen. Während sich andere wortreich über ihre Filme auslassen oder sich ihn nebulöse Andeutungen hüllen, oder gar -wie etwa Kubrick- in eine mystische Aura hüllen, hat Jonze in seinen Interviews eigentlich nichts Wesentliches zu sagen.
Meine These: Jonze und alle anderen Verantwortlichen saßen eines Abends bei einem Joint zusammen, als ihnen die Idee für diesen Film kam. Und: Jeder versuchte den jeweils anderen mit noch abgefahreneren Ideen zu übertreffen. Schliesslich bastelte man daraus ein Drehbuch, und weil dieses im Vergleich mit anderen Hollywood-Fliessband-Werken tatsächlich enorm innovativ, unerhört, nie dagewesen und genial erschien, hat sich die Firma, die für solche Filme zuständig ist, Miramax, auch bereit erklärt, den Film zu drehen.
Man verstehe mich nicht falsch: Verschiedene Elemente des Filmes sind tatsächlich grossartig und genial: Allein die Idee des 7 1/2. Stockwerks ist einen Oscar wert, und die der Tür in Malkovichs Hirn auch. Allerdings: Wer sich hier hermeneutischen Exzessen hingibt, verschwendet seine Zeit. Jonze hatte keine tiefere Aussage im Sinn, er wollte einfach einen abgefahrenen Film machen.
Stellenweise erinnerte mich "Being John Malkovich" stark an Monty Phyton - mit dem Unterschied, das Monty-Phyton-Filme -zumindest in den Augen ihrer Fans- zum Brüllen Komisch sind. "Being John Malkovich" ist das selten. Nun ist das allein kein Verbrechen, aber bei Lichte besehen bleibt so ein Film mit vielen sehr schrägen Ideen, die aber (meiner These zufolge) weder lustig noch von Bedeutung sind. Da helfen dann auch wunderbare Schauspieler wie John Cusack nicht mehr, das ist einfach zu wenig für ein echtes Meisterwerk. Aber dennoch: Alle, die sich auch nur ein bisschen für Film interessieren, müssen diesen Film gesehen haben. Trotz seiner Mängel ist er einfach zu gut!

Wirrer, streckenweiser genialer Drogentrip


Wolfgang Huang