Being John Malkovich

USA, 112min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Spike Jonze
B:Charlie Kaufman
D:John Cusack,
Cameron Diaz,
Catherine Keener,
John Malkovich,
Ned Ballamy
L:IMDb
„Ich war in ihm und guckte raus!”
Inhalt
Ein Tunnel der ganz besonderen Art wird zur Attraktion eines New Yorker Wolkenkratzers. Entdeckt hat ihn der kleine Angestellte und ehemalige Puppenspieler Craig Schwartz (John Cusack), der zufällig herausfindet, dass das Loch, das er hinter seinem Aktenschrank entdeck hat, 15 Minuten lang eine völlig neue Sicht auf die Welt bietet. Wer einmal in den Tunnel hineingesogen wurde, kann sehen und fühlen, was John Malkovich erlebt und empfindet. Craigs Frau, die Tierliebhaberin Lotte (Cameron Diaz) und seine Kollegin Maxine (Catherin Keener) erleben eine Vereinigung der besonderen Art. Bald schlagen sie aus dem "ride" Kapital, bis Malkovich höchstpersönlich zum Rutschen vorbeikommt.
Kurzkommentar
Regisseur Jonze und Drehbuchautor Kaufman liefern mit "Being John Malkovich" einen äußerst vielschichtigen Genremix ab, dessen Darstellung kaum hätte bizarrer sein können. Die drei Hauptdarsteller Keener, Diaz und Cusack (Malkovich spielt eigentlich nur eine Nebenrolle) bringen ihre stereotypischen Charaktere sehr überzeugend auf die Leinwand.
Kritik
Haben Sie "American Beauty" gesehen? Der Trailer versprach ein Drama, dass einen gleichzeitig zum Nachdenken und zum Lachen bringt. Der komische Anteil bei "American Beauty" war dann allerdings doch ein wenig enttäuschend. Zu mehr als ein paar lustigen Szenen und einigen Schmunzlern hat es leider nicht gereicht. "Being John Malkovich" schafft den Spagat zwischen wirklich lustigen Szenen und einem sehr philosophischen Grundthema, er bietet sogar noch mehr: nämlich eine vollkommen bizarre Dreiecksbeziehung, die in ihrer Verzwicktheit jeden schnulzigen Liebesfilm in die Tasche steckt. Das alles ist noch gemischt mit einer phantastischen Idee, die irgendwo zwischen moderner Science Fiction, Tiefenpsychologie, Kafka und Alice im Wunderland liegt.

Wie Flemming bereits erwähnte ist "Being John Malkovich" der Regieerstling von Spike Jonze, der zusammen mit Chris Cunningham zu den wichtigsten und innovativsten Video- und Werbeclipregisseure überhaupt zählt. Jonze war erst kürzlich in seiner ersten richtigen Filmrolle in "Three Kings" zu sehen. Als Produzenten holte er Michael Stipe mit an Bord, ein langjähriger Freund von Jonze. Die beiden unterstützen gemeinsam die Aktion "Free Tibet", Jonze drehte auch schon Videoclips für Stipes Band R.E.M.

Gespannt sein darf man auf die nächsten Werke von Drehbuchautor Charlie Kaufman, für den "Being John Malkovich" das Debut darstellte. Den Oscar für das beste Originaldrehbuch, den er Ende März erhielt, hat er sich wirklich verdient. Die Handlung ist voll von Metaphern und Anspielungen und bietet jede Menge Denk- und Diskussionsansätze. Jonze und Kaufman schaffen das Kunststück ihren Film sehr dynamisch zu gestalten. Es kommt einem manchmal vor, als würde man verschiedene Filme sehen, die zu einem perfekten Ganzen zusammengeschnitten wurden. Besonders beeindruckend ist eine Szene gegen Ende, eine Jagd durch Malkovichs Unterbewußtsein, bei der Jonze seine langjährige Videocliperfahrung sichtlich zugute kommt.

Doch nicht nur die Leute hinter der Kamera haben ihre Hausaufgaben gemacht. Cameron Diaz in ihrer hässlichsten, vielleicht aber auch besten Rolle. Sie bringt ihre hochgradig verwirrte Figur, die sich auf einen Selbstfindungstrip begiebt, sehr gut rüber, genauso wie die Distanz zu ihrem Filmehemann, John Cusack. Dessen Rolle läßt sich als der größte Loser der Filmgeschichte beschreiben. Ein heruntergekommener, vollkommen frustrierter Tropf, für dessen einzige Fähigkeit, das virtuose Marionettenspiel, er nur verhöhnt wird. Auch das dritte Bein der Dreiecksbeziehung, Catherine Keener, spielt ihre Rolle souverän und schnörkellos. Die größten schauspielerischen Anforderungen wurden aber eigentlich an John Malkovich gestellt, der offensichtlich Spaß an seiner Rolle hatte.

Jonze scheint gut zu stehen mit Hollywoods unabhängigen Stars. Sean Penn und Brad Pitt haben kurze Gastauftritte, Charlie Sheen ist sogar etwas länger zu sehen und spielt ein wenig mit seinem Image. Der ganze Film ist sehr bemüht, sich ein wenig von Hollywood zu entfernen. Der Handlungsablauf mitsamt dem Ende würde es wohl nie nach Hollywood schaffen, mit seinen stets aufs Geld und auf klassische Werte bedachten Filmproduzenten. Allein die sehr beeindruckenden Marionettenszenen dürften viele anspruchslose Zuschauer verschrecken. Die Charaktere, vor allem die Nebenrolle, sind einfach herrlich bizarr und durchgedreht, ebenso die Handlung. Aus diesem Grund muss ich allen Leuten, die leichte Unterhaltung suchen, von "Being John Malkovich" abraten. Es ist sehr schwer, vergleichbare Filme zu finden. "Being John Malkovich" ist ein sehr eigenständiges Kunstwerk, das kein Filmfan verpassen sollte.

Teils philosophisch, teils zum Brüllen komisch, und gegen Ende hochgradig bizarr - Ein Meisterwerk!


David Hiltscher
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Für mich wirkt "Being John Malkovich" wie der misslungene Versuch eines Monty-Phyton-Films: Skurril, abgefahren, aber leider nicht lustig - und philosophisch schon gleich gar nicht. Nichtsdestotrotz ein cineastisches Muss!...