Nur noch 60 Sekunden
(Gone in 60 Seconds)

USA, 117min
R:Dominic Sena
B:Scott Rosenberg
D:Nicolas Cage,
Giovanni Ribisi,
Angelina Jolie,
T.J. Cross
L:IMDb
„Wie wär's mit einem Orgasmus beim Autoklauen?”
Inhalt
Randall "Memphis" Raines (Nicolas Cage) hat sich zur Ruhe gesetzt. Der Autodieb alter Schule hat das Leben auf der falschen Seite des Gesetzes satt und bringt kleinen Kiddies lieber das Go-Cart fahren bei. Sein jüngerer Bruder Kip (Giovanni Ribisi) hat jedoch Probleme mit einem Gangsterboß. Wenn er es nicht schafft innerhalb von vier Tagen 50 hochkarätige Luxuswagen nach Long Beach auszuliefern, wird sein Leben ein jähes Ende finden. In seiner Not wendet er sich an Randall und dessen Bruderliebe siegt über den Arm des Gesetzes. Randall stellt sich eine Truppe aus alten Komplizen und neuen Gangstern zusammen, um in der letzten verbleibenden Nacht die gewünschten Ferraris, Corvettes, Porsches und Mustangs zu besorgen.
Kurzkommentar
Nein, so nicht. Jerry Bruckheimer, ohnehin Spezialist für Abwesenheit des Hirns, demonstriert mit mit seiner verstandesmarternden Schrottoper zudem noch die totale Langeweile und schmerzhaft verheizte Darsteller. Die Lauflänge des Films sollte man besser direkt zum Autoklau nutzen.
Kritik
Der Name ist Programm, denn Bruckheimers Erfolgsrezept ist zu simpel: es muss knallen. Der Produzent von "Con Air", in dem Schlaftüte Nicholas Cage bereits mit unsäglicher Haartracht Gas gab, appelliert mit eiskalter Marktökonomie an das actionverwöhnte Publikum und nun an die niederen Instinkte, denn er präsentiert uns die dicken Schlitten unserer Träume und ein wenig Sexappeal. Dieser wird von Angelina Jolie geleistet, die für "Durchgeknallt" den Oscar als beste Nebendarstellerin erhielt. Dass Rätsel, wieso sie sich für Bruckheimers neuesten Murks hergab, löste sie selbst, indem sie angab, nach dem Dreh von "Durchgeknallt" psychisch verbraucht und nur noch auf der Suche nach Spaß gewesen sei. Und da sie für das Studium des "Drehbuchs" von "Nur noch 60 Sekunden" keine nennenswerte Zeit benötigt habe, sagte sie zu. Was Nicholas Cage zur Zusage brachte, ist fraglich. Womöglich die Hoffnung, mit einem bitternötigen Kassenhit den eigenen Marktwert zu steigern. Immerhin heißt es, alle Beteiligten hätten beim Dreh einen Riesenspaß gehabt. Von dem ist auf der Leinwand allerdings nichts übrig geblieben.
Man verinnerliche, was "Nur noch 60 Sekunden" laut eigenem Anspruch und Werbung suggeriert: Autoklau, Autoverfolgungsjagden und nochmal Raserei. Und was mutet uns Bruckheimer, der demnächst "Pearl Harbor" im teuersten Film aller Zeiten erneut in Schutt und Asche legen will, stattdessen zu? Über 100 Minuten hochkonzentrierte Langweile, statt wichtigen Rollen herzlich viele Pappkameraden und kopfschmerzverursachende Minimaldialoge. Wie Andreas schon sagt: "Nachdem 49 der 50 Autos dann recht unspektakulär in Container verfrachtet wurden, bekommt der Film sogar richtig Drive" - nur sei noch parenthetisch bemerkt, dass dies sich ungefähr fünf Minuten vor Schluss abspielt. Es ist fast schon grotesk, dass es tatsächlich nur eine Autoverfolgungsssequenz gibt. Bis dahin werden drei oscardotierte Darsteller (Cage, Jolie, Duvall) zu völlig verzichtbaren Stereotypen degradiert. Robert Duvalls Auftritt ist ebenso wie der von Jolie nicht der Rede wert, Nicholas Cage ist noch gelähmter als sonst und der fähige Giovanni Ribisi glänzt hier allein durch seine Haarpomenade. Aber egal, denn Enthirner Bruckheimer schafft sie alle und letztlich auch den entnervten Zuschauer. Bitte in weitem Bogen umfahren.

Kein Hirn, vergeudete Darsteller und vielleicht 60 Sekunden Spannung


Flemming Schock