Flug des Phoenix, Der
(Flight of the Phoenix)

USA, 113min
R:John Moore
B:Lukas Heller, Scott Frank, Edward Burns
D:Dennis Quaid,
Miranda Otto,
Giovanni Ribisi,
Hugh Laurie,
Tyrese Gibson
L:IMDb
„We´re no garbage. We´re human.”
Inhalt
Frachtpilot Frank Towns (Dennis Quaid) soll in der Wüste Gobi die Besatzung einer erfolglosen Ölbohrstation evakuieren. Eine reine Routineoperation. Doch das Flugzeug gerät in einen Sandsturm und stürzt inmitten der Wüste ab. Ein Überlebenskampf beginnt.
Kurzkommentar
Richtig aus der Asche des 1965-er Originals kommt „Flight of the Phoenix“ nicht. Das nostalgische und einfache Abenteuerspektakel verfügt über solide Produktionswerte, eine erstaunlich prominente wie unterforderte Besetzung und über absolut null Originalität. Regisseur John Moore macht wenig erheblich falsch, das aber dann auch richtig. Psychologische Spannung gibt es keine. Insgesamt eine natürlich überflüssige, jedoch sympathische, weil hoffnungslos altbackene Neuauflage.
Kritik
Ungefähr vierzig Jahre hat das Original auf dem Buckel, ein simples, aber enorm straff gestricktes Überlebensabenteuer, mit James Stewart und Hardy Krüger prominent besetzt. Das klassische Wüsten-Survival war Männerdomäne, anders als heute. Miranda Otto aus dem „Herr der Ringe“ ist die starke Quotenfrau in der Neuauflage von „Flight of the Phoenix“, der – wie es nun mal so ist – sich keineswegs sonderlich gut oder gar besser als die Erstfassung macht, schon deswegen nicht, weil die 2005-er Variante des eher unbeschriebenen Regisseurs John Moore („Behind Enemy Lines“) sicht weitgehend sklavisch an das Original hält, es bis in die blondierten Haare hinein kopiert, dessen Tugenden und Spannung aber nicht erreicht. Aber mit der Suche nach einer ästhetisch-künstlerischen Motivation im Falle von Remakes geht man wohl ohnehin fehl. Eine „Aktualisierung“ oder „Modernisierung“, Punkte also, die vielleicht im Hinblick auf eine künstlerische Berechtigung nennenswert und interessant wären, bietet das minimalistisch anmutende Filmchen über eine Extremsituation in der Gruppe keineswegs.

Dafür aber eine überraschend namhafte Besetzung, die das durch seine Schlichtheit im Grunde sehr erfrischend sympathische Fast-Food-Abenteuer nicht zu einem Muss machen, die ihre beiläufigen Figuren aber mühelos und ausreichend tragen. Dennis Quaid übernimmt die 1965 von James Stewart gespielte Ankerrolle des erst ungehobelten und dann aufweichenden Piloten Frank Towns, Giovanni Ribisi die Hardy Krügers. Ribisi soll mit blondierten Haaren wohl an den Deutschen Krüger erinnern, da im Remake jedoch keine deutsche Ingenieurs-Figur mehr mit dabei ist, wirkt die Referenz witzlos. Ribisi ist ein guter Schauspieler und, das sieht man gleich, durch einen Streifen, der sich mit einer langen und womöglich Mitdenken erfordernden Eröffnung gar nicht erst abplagt, hoffnungslos unterfordert. Aber seine Rolle als obligatorisch fieser Gruppenpsychotiker mit trauriger Machtneurose steht ihm gut. Leider wird ihr kaum Raum gegönnt, wie der Darstellung und psychologischen Spannung überhaupt. Was schade und eigentlich sehr sträflich ist, weil das existentiell Äußerste in der Wüste nach einem Durchdeklinieren von Gruppen- und Einzeldynamik geradezu schreit.

Doch auch hier hält sich Moore, gerade bei den Dialogen, schön eng an den eher dusseligen Einzeilercharakter des Originals. Immerhin, „Flight of the Phoenix“ 2005 bietet, was 1965 eben noch nicht konnte: Demonstrationen digitaler Bilder. Und hier macht sich, selbst wenn das lächerlich wenig ist, der natürlich mehr als seine Vorlage auf Rasanz setzende Streifen in seiner Kernszene doch sehr ansehnlich: im Absturz. Nachdem die Eröffnung jede Menge weitläufiger Landschaftspanoramen und mit der anachronistisch alten Transportmaschine, unterlegt von rockigen Klängen, auch so Etliches für Flugzeugnostalgiker bietet, lässt Moore das Flugzeug den Kampf gegen einen Sandsturm verlieren und mit gewaltig rasanten Bildern runtergehen. Damit hätte sich die Spannung auch weitgehend erledigt, denn das entsponnene dramaturgische Muster ist hemmungslos schnörkellos und absehbar, macht aus den fast verbindlichen Situationen (Konflikt um die Wasser-Ressourcen) gähnend wenig. Schwer wiegt, dass jenseits der externen Wendepunkte innere Entwicklungen unterschlagen werden, die Figuren bleiben, immerhin passend zur Gesamtinszenierung, peinlich eindimensional.

Retten kann insofern auch die gute Besetzung nichts mehr, nicht nur für Dennis Quaid, der seinen Job routiniert macht, wird dies die schwächste Rolle des Jahres sein. Aber angesichts halbhundertjähriger Rollenmuster wundert das nicht. Weitgehend müde hakt Moore die situativen Klischees des Absturz- und Abenteuergenres ab und verstrickt sich darüber hinaus, verursacht durch übel fehlplazierten Musikeinsatz in einige szenisch üble Fettnäpfchen: So ist die Schmerzgrenze deutlich überschritten, wenn die Wüste nicht an Psyche und Körper der Verlorenen nagt. Die geben sich nämlich, wenn im Teamwork trotz aller Entbehrung mal eben ein neues Flugzeug zusammengezimmert wird, erstaunlich frisch wie im Abenteuercamp, in albernen, musikvideoclipartigen Szenen. Möglich, dass sich „Flight of the Phoenix“ mit derartigen Stimmungskeulen beim gedachten jugendlichen Zielpublikum erfolgreich anbiedert; aber durch andere nostalgische Tugenden am Ende auch bei älteren Semestern: Trotz der Abwesenheit jeder halbwegs originellen Momente ist „Flight of the Phoenix“ einen netter Familien- und altbackener Abenteuerfilm von gestern einen flüchtigen Blick wert. Allerdings nicht für jene, die das Original noch in deutlicher Erinnerung haben.

Altmodisches Überlebensdrama ohne eigene Akzente


Flemming Schock