Shaun of the Dead

Großbritannien, 99min
R:Edgar Wright
B:Edgar Wright, Simon Pegg
D:Simon Pegg,
Kate Ashfield,
Nick Frost,
Lucy Davis,
Dylan Moran
L:IMDb
„What´s up, niggas?”
Inhalt
Shaun ist nicht glücklich. Sein Leben erstickt in Alltagsroutine. Mit 29 Jahren ist er einfacher Verkäufer in einem Londoner Elektrofachgeschäft. Die Abende verbringt er in der Eckkneipe, dem „Winchester Pub“. Shauns attraktive Freundin Liz, genau so alt wie er, ist gleichfalls frustriert. Sie möchte Shaun wachrütteln. Shaun lebt in einer leicht chaotischen WG mit seinem alten Schulkumpel Ed, einem kleinen Drogendealer, und mit Pete, einem angepassten Angestellten, den er aus College-Tagen kennt. Das Leben und die Beziehungen dieser jungen Menschen nehmen eine radikale Wendung, als sich in London zunächst schleichend, dann explosionsartig, eine mysteriöse tödliche Seuche ausbreitet: Die Menschen sterben und erheben sich wieder als lebende Tote, als Zombies, die nach dem Fleisch der noch Lebenden gieren. In dieser Extremsituation erwacht Shaun aus seiner Lethargie.
Kurzkommentar
Einem Vorbild Referenz zu erweisen und gleichzeitig ein sowieso schon groteskes Genre parodieren zu wollen, ist schwierig. Der Zombie-Satire „Shaun of the Dead“ gelingt das trotz einiger echter Knalleffekte nicht wirklich. Durch zu viel Respekt ist der Nischenfilm am Ende ein Stück weit nervender Teil des Rituals jener Untotendramaturgie, die er eigentlich ad absurdum führen wollte. Zum Kult reicht das nicht.
Kritik
Popkult, Kulturkritik, Trash und Splatter. Das Subgenre des Zombiestreifens, ein immerwährendes Selbstzitat, schafft eine merkwürdige Renaissance. Am Ende dürfte sie so kurzlebig sein wie die Filme selbst, aber komplett totzukriegen ist doch wenig. Mitverantwortlich für die Präsenz der Untoten ist die einigermaßen originelle, englische Interpretation des Motivs in „28 Days Later“ durch den „Trainspotting“-Regisseur Danny Boyle. Dann folgte in diesem Jahr das von Fans wohlwollend aufgenommene Remake von „Dawn of the Dead“. Eine Fortsetzung ist schon in der Planung und George A. Romero, der Zombie-Godfather himself, will da natürlich nicht nachstehen. Gerade dreht er „Land of the Dead“. Schon die Titelanalogie zu „Dawn of the Dead“ legt unbefangen nahe, dass wenigstens eines ganz sicher tot ist – neue Ideen. So ist das hirntote Muster immer das gleiche: Die letzten Überlebenden verbarrikadieren sich irgendwo, dann wird geschlachtet.

Im homophonen „Shaun of the Dead“ ist dieser Ort mal nicht das Kaufhaus, sondern der englische Pup, jener Ort also, wo sich auch schon mal in Wirklichkeit zombieähnliche Existenzen an ihre Pint klammern. Nicht nur wegen dieses pointiert ironischen Setting-Zitats kam der zweite Kinofilm von Edgar Wright in England furchtbar gut an. Fast die gesamte Besetzung ist dort landesweit durch eine Sitcom bekannt. Und so nimmt sich, denkt man, auch „Shaun of the Dead“ dank der Motivbeackerung durch die berüchtigte englische Schwarzhumorigkeit nicht ernst und liefert die längst überfällige parodistische Abrechnung mit einem überwiegend zwischen Trash und ekelhafter Ödnis dümpelnden Klischee-Genre. Doch das ist nicht alles: „Eine romantische Komödie – mit Zombies“. Will Edgar Wright in satirischer Absicht also zusammenbringen, was filmästhetisch nicht geht, obwohl so manche Romanze unfreiwillige Nähe zu Zombie-Spektakeln bezeugt?

Englischer Humor ist, anders als der deutsche, exportfähig. „Shaun of the Dead“ hätte mit der entsprechenden Konsequenz jener Kracher werden können, als der er vollmundig beworben wird. Am Ende stolpert Edgar Wrights derber Genremixtur aber ein Stück weit über den Umstand, dass er alle verfügbaren Muster und Klischees nicht nur parodistisch zitiert, sondern ihnen aufsitzt, weil trotz allem auch noch eine Hommage an den „großen“ Romero drin sein soll, „Shaun of the Dead“ also zum Teil mit ungebührlichem Ernst und Respekt zur Sache geht. Jünger des Nischen-Genres werden aber auch diesen Streifen ohnehin konsumieren und mit dem Wesentlichen, also rotten Körpern und Splatter, in pawlowscher Manier bedient. Und mit bizarr-ironischen Einfällen geizt gerade der Anfang des Filmes nun nicht: Es ist schwer komisch, wie Shaun nach einer durchzechten Nacht in Folge einer Beziehungskrise morgens zum hiesigen Supermarkt schlurft und nicht gewahr wird, von Untoten umgeben zu sein, die sich aber habituell – auch dieser Wink ist gelungen – sowieso nur bedingt von menschlichen Alltagszombies unterscheiden.

Daran reihen sich einige weitere Höhepunkte, so z.B. der schon im Trailer gezeigte Gegenangriff mit der zur Frisbeewaffe umfunktionierten Plattensammlung. Leider legt Regisseur Wright eben nicht mit der entsprechenden Konsequenz auf diesem Niveau nach. An die Stelle origineller satirischer Schärfe tritt mit zunehmender Lauflänge ein eher stumpfes Sichfestfahren in der wohl unausweichlichen dramaturgischen Mechanik des Genres, situative Klischees samt expliziten Ekelszenen treten an die Stelle treffsicherer Situationskomik. Die zwischenmenschliche Dimension zwischen den Freunden, die den fleischgeilen Mob fliehen, trägt sich nur durch bedingt verbalen Witz und erschöpft sich überwiegend in jenen Sätzen, die nun mal zu erwarten sind, wenn es um die Zerstörung von Hirnen und Schädeln geht. Simon Pegg als Shaun und der Rest der Besetzung schlagen sich hier im blutigen Kontext zwar solide, es ist aber nicht so, dass das Ableben der Protagonisten irgendwie von Interesse wäre. Erst gegen Ende, eigentlich im Epilog, gewinnt „Shaun of the Dead“ wieder etwas von jener grotesk-makabren Qualität, die der Streifen leider nicht resolut serviert.

Fangerechte Zombie-Farce mit einigen Höhepunkten


Flemming Schock