Lebenslänglich
(Life)

USA, 108min
R:Ted Demme
B:Robert Ramsey, Matthew Stone
D:Martin Lawrence,
Eddie Murphy,
Nick Cassavetes,
Obba Babatundé
„Ach, stell Dich nicht so an, Claude ... was kann uns schon passieren? - Lebenslänglich!”
Inhalt
Dank dem Gelegenheitsdieb Ray Gibson (Eddie Murphy), wird der ehrliche Bankangestellte Claude Banks (Martin Lawrence) in eine Kette von illegalen Handlungen verstrickt und bevor sie sich versehen, wird ihnen ein Mord an einem reichen Casino-Spieler angehängt. In den 65 darauffolgenden Jahren im Gefängnis, die durch noch mehr tragische Zufälle zur schier unendlichen Verdamnis mutieren, lernen sie nicht nur die anderen Gefangenen, sondern auch ihr Leben schätzen - und geben die Hoffnung um eine Aufklärung des Mordfalls immer mehr auf.
Kurzkommentar
Eddie Murphy und Martin Lawrence in einer gänzlich unerwartet ernsteren Rolle. Das wird Zuschauer, die auf Kalauer am laufen Band gehofft haben, enttäuschen und sich fragen, warum sie denn in diesen Film gegangen sind. Ist man aber erstmal über den Mangel an wirklich witzigen Stellen (und die erste halbe Stunde) hinweg, so bleibt immerhin noch ein amüsantes Greis-Pärchen im Stile von Walter Matthau und Jack Lemmon.
Kritik
Mmh ... dafür, daß "Lebenslänglich" mit dem Kritikerzitat "Two hours of laughter" wirbt, ist er erstaunlich ernst. Grinsen einem zusätzlich noch die Vorzeige-Plappermäuler Eddie Murphy und Martin Lawrence entgegen, wird die Erwartungshaltung des Zuschauers endgültig in falsche Bahnen gelenkt. Nach einer langatmigen ersten halben Stunde, die als reine Vorgeschichte schon zu viel des Guten ist, entpuppt sich "Lebenslänglich" nämlich eher als ernstes Knastdrama. Sicherlich nicht in der Form, in der seinerzeit "Die Verurteilten" oder "The Green Mile" aufgetreten sind. Der ernste Unterton kristallisiert sich aber mehr und mehr heraus.

Und so wird dem Zuschauer ein Film der Sorte Möchte-gern-Multitalent präsentiert : einerseits mitfühlend ernst, andererseits locker und witzig; so, wie man es vom Duo Murphy/Lawrence auch erwarten würde. Da sich der Schwerpunkt aber gerade zum Ende hin immer mehr von einer Komödie abweist, wirken die wenigen guten Gags umso deplazierter. Das tragische Schicksal der beiden Protagonisten läd einfach mehr zum Mitweinen, denn zum Mitlachen ein. Das heißt nicht, daß dem ernsten Geschehen die immer noch lockere Art der beiden Darsteller so furchtbar schaden würde : gerade als alternder Walter Mathau/Jack Lemmon - Verschnitt wissen Murphy und Lawrence zu amüsieren und - dürfen erstmals "richtige" schauspielerische Qualitäten beweisen. Ihre Gestik und Mimik als 90jährige Greise sind einfach köstlich anzusehen; nicht nur, weil sie wie sonst einfach ihr Gesicht verzerren, sondern viel mehr, weil sie oftmals die richtige Mischung aus Verzweiflung, Melancholie und Hoffnung rüberbringen.

Wenn Regisseur Ted Demme ("Beautiful Girls") sich nur dazu entschlossen hätte, konsequenter das ernste Dasein im Gefängnis zu verfolgen, die ersten 30 Minuten weggelassen und etwas mehr Spielraum für Emotionalität gelassen hätte, so wäre aus "Lebenslänglich" nicht bloß ein solider bis guter Film geworden. In dieser Form fehlt es für eine komödie viel zu sehr an Witz und für ein ernstes Drama viel zu sehr an Intensität. Sicherlich wären Eddie Murphy und Martin Lawrence für eine Humanitätsparabel à la "Die Verurteilten" nicht die perfekte Besetzung, aber wenigstens das Potential als gealterte Häftlinge hätte reflektierend für ihr Schicksal tragischer - und somit interessanter - ausfallen können ("Hurricane" weist etwa in diese Richtung). Zumal einige einigermaßen wendungsreiche Storyelemente das Geschehen nicht völlig linear verlaufen lassen.

Als Komödie ist "Lebenslänglich" also definitiv nicht zu sehen und so bleibt die Frage, welcher Zuschauer mit diesem Film wohl zufrieden sein wird.

Unausgegorene Mischung aus Komödie und Drama


Thomas Schlömer