Blade: Trinity

USA, 105min
R:David S. Goyer
B:David S. Goyer
D:Wesley Snipes,
Kris Kristofferson,
Ryan Reynolds,
Jessica Biel,
Parker Posey
L:IMDb
„I love garlic. And i just furted.”
Inhalt
In einer abgelegenen Wüstenregion erwecken die Vampirfürsten den Urvater ihrer Spezies zu neuem Leben: das grausige Monster Dracula. Der furchterregende Vampir trägt jetzt den Namen Drake (Dominic Purcell) – jetzt erträgt er auch das Tageslicht. Was die Sache für Blade nicht leichter macht: Die Vampirfürsten lancieren eine Verleumdungskampagne, hetzen ihm das FBI auf den Hals. Nachdem Blade und sein Mentor Whistler (Kris Kristofferson) ein explosives Showdown mit dem Team des FBI-Agenten Cumberland (James Remar) knapp überstanden haben, ist dem Daywalker klar, dass er Hilfe braucht. Eher widerwillig verbündet er sich mit den Nightstalkers, einer Gruppe menschlicher Vampirjäger, angeführt von Whistlers schöner Tochter Abigail (Jessica Biel) und Hannibal King (Ryan Reynolds). Während Sommerfield (Natasha Lyonne), die blinde Wissenschaftlerin des Teams, nach einer Lösung des Vampirproblems forscht, kämpfen die Nightstalkers unerbittlich gegen Draculas Untote unter der Führung der mächtigen Vampirin Danica Talos (Parker Posey). Dann kommt es zum Showdown mit dem gewaltigsten Vampir aller Zeiten.
Kurzkommentar
„Blade“ ist keine „Alien“-Trilogie und „Blade: Trinity“ komplettiert keine Dreifaltigkeit. Gerade vor dem Hintergrund wirklich ambitionierter Comicumsetzungen jüngerer Zeit verliert sich David S. Goyers Vampir-Einheitsbrei nur in zähen Kopie der ersten beiden Teile. Er ist nicht nur stupide, sondern schlimmer: langweilig. „Blade: Trinity“ bietet weder knackige Action noch durchweg amüsanten Trash. Er nervt durch videoclipartige Zwangscoolness. Ohne eigenen Rhythmus und die Handschrift Guillermo Del Toros, die noch den zweiten „Blade“ auszeichnete, ist der dritte Teil des eigentlich so stylishen Technovampirjägers auch der schwächste.
Kritik
Das mit der Dreifaltigkeit wollte schon mit der „Matrix“ nicht funktionieren. In „Blade: Trinity“ geschieht nun, was zu befürchten stand: Jeder Biss geht verloren. Das Billigspektakel bietet nicht einmal Trashkurzweil durch permanente selbstironische Distanz und am Ende werden die knapp über einhundert Minuten peinlich lang. Schade, muss man einräumen, denn dass das stilprägende Technovampir-Ambiente in einem völlig profil- und witzlosen dritten Teil ein enttäuschendes Ende findet, hätte nicht sein müssen, wenn man die Regie des finalen Kapitels einer offensichtlich sowieso nur wegen des Geldes konstruierten Trilogie einem Regisseur mit eigener Handschrift angetragen hätte. „Blade 2“ hatte dieses charakteristische Etwas.

Regisseur Guillermo Del Toro bot mit druckvoller, schnell erzählter Konsequenz mehr von dem, was den Reiz des originalen „Blade“ ausgemacht hatte: Mit dem richtigen Gespür für düster-marode Kulissen setzte er einen schonungslos coolen Wesley Snipes in demonstrativ hirnfreier Haudraufaction recht spektakulär in Szene, begleitet von dem für die „Blade“-Stimmung so essentiellen pumpenden Elektrosoundtrack. Dazu einige unbestechliche Einzeiler und das stylish-primitive Konzept trug sich. Del Toro profilierte sich mit dem unterschätzten „Hellboy“ vor kurzem weiter. Derweil ist „Blade“ mit dem müden dritten Teil aber unter dem Strich nur eine jener verzichtbaren Comicadaptionen, die ein drehbucharmes, gelangweiltes Hollywood in immer kürzeren Abständen ausstößt.

Die Sache mit dem Script ist bei „Blade: Trinity“ gerade bedauernswert, weil David S. Goyer, Autor der ersten beiden Teile, nun selbst Hand anlegen wollte – oder musste. Es dürfte unbeantwortet bleiben, ob Goyer mit der Regie betraut wurde, weil seine eigene „Vision“ der finalen Jagd verwirklichen wollte oder ob sich sonst niemand anderes fand. Im kommenden Jahr wird Goyer als Autor für „Batman Begins“ verantwortlich sein, in der Vergangenheit schrieb er „Dark City“. Damit dürfte er auch weiterhin Fachmann für düstere Scripts bleiben, aber als Regisseur findet er in „Blade: Trinity“ zu keinem eigenen Rhythmus, vermasselt das Meiste. Zugegeben, narrativ ist im ausgelutschten Vampir-Genre sowieso nichts mehr möglich.

Desto wichtiger wäre es gewesen, sich mit geheuchelten Inhaltsfragen gar nicht lange aufzuhalten, das Setting der ersten beiden Teile frech zu kopieren, Snipes ein drittes Mal satt austeilen zu lassen und hier dort ein trockenes „Motherfucker“ zu platzieren – und vielleicht noch auf CGI-Mätzchen zu setzen. Mit voller Dröhnung hätte „Blade: Trinity“ als pointensicheres Trashspektakel durchweg albern bei der Stande halten können. Knallig-hanebüchen geht es auch immerhin los: Ein Trupp Vampire buddelt in einem Wüstentempel den Lutschahnen Dracula höchstpersönlich aus. Der ist darüber ziemlich „pissed“, wirkt schon wie eine furchtbar billige Kreuzung aus Höllenfürst und Predator. Blade pulverisiert derweil in altbekannter Manier ballettgleich seine Opfer. Mit diesen nahtlos an den Lärm der Vorteile anschließenden Eröffnungssequenzen legt Goyer ein spaßiges Tempo vor.

Das geht aber bald genauso aus wie szenische Ideen. Kris Kristofferson darf als Mentor Whistler nach einigen platten Sätzen unspektakulär, aber erwartungsgemäß abtreten. Dann lastet das FBI dem Helden jede Menge Morde an und auch die Vampirmeute will ihm mit einem atavistischen V2-Dracula endgültig das Licht ausknipsen. Es gibt weit zu viele Leerlaufmomente, in der haarsträubende Plotrudimente für kopfschüttelndes Gähnen sorgen. Um der optischen Abwechselung willen gab Goyer dem düsteren Helden zwei „Sidekicks“ an die Seite. Das endet jedoch kontraproduktiv: Jessica Biel ist offenkundig nur als Kampagnenpuppe für den zwangscoolen, maßlos nervenden Lifestyle mit Apples Ipod installiert und Beachboy Ryan Reynolds will man den Vampir-Slasher auch so gar nicht abnehmen.

Hinzu kommt, dass beide Figuren in keinen sehenswerten Martial Arts-Szenen zu sehen sind; Reynolds darf wenigstens noch die lockersten Sprüche klopfen. Aber am Ende lenken beide nur störend vom Zentralcharakter ab. Natürlich ist „Blade: Trinity“ völlig blutleer, wirkt wie in inkonsistenter, planloser Videoclip, ohne auch nur eine nennenswerte Szene in stilistischer Hinsicht. Schläfrig kopiert er die Tugenden der ersten Teile nur in Grundzügen. Goyers Film lahmt so penetrant, weil er nicht den notwendigen Mut mitbringt, sich konsequent selbst auf die Schippe zu nehmen, vor allem aber auch, weil sich die Hauptfigur in ihrem dritten Einsatz so furchtbar langweilen muss: Denn Blade hat keine Gegner. Der „gemeine“ Vampir ist für ihn eine Nummer zu klein, wird mit einem Hüsteln geplättet, und Dracula höchstselbst ist dann doch wieder eine Nummer zu groß.

Aber der finale Schlagabtausch zwischen den Kontrahenten ist auch nichts weiter als eine müde Nummer, choreographisch, effekttechnisch, figürlich: Dieser Billigdracula ist mit einem schon übel dilettierenden Laiendarsteller besetzt, wirkt als Videospielfigur eher bedauernswert. Als Antagonist taugt er kein Stück, ist nicht furchteinflößend, nicht lächerlich, er ist schlicht überflüssig. Am Ende bleibt nur die ernüchternde Bestätigung der Erkenntnis, dass Drehbuchautoren lieber bei ihrem Handwerk bleiben sollten. Doch Goyer plant schon weitere Comicverfilmungen. „Blade: Trinity“ ist dafür alles andere als ein guter Auftakt und nach richtig intoniertem Beginn ein dann doch durch Bank verkorkster, blasser Ausklang.

Ausgelutschte Vampiraction ohne Stil und Höhepunkte


Flemming Schock