Mean Creek

USA, 89min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Jacob Aaron Estes
B:Jacob Aaron Estes
D:Rory Culkin,
Ryan Kelley,
Scott Mechlowicz,
Trevor Morgan,
Josh Peck
L:IMDb
„If you could snap your fingers right now and he would drop dead in his tracks, would you do it?”
Inhalt
Sam (Rory Culkin) ist nicht der einzige, der in der Schule von dem streitlustigen George (Josh Peck) schikaniert und verprügelt wird. Als er nach einem weiteren blauen Auge seinem großen Bruder Rocky (Trevor Morgan) davon berichtet, entwickelt der einen Plan. Bei einem Bootsausflug soll dem Schulschläger mit einem Streich endlich einmal heimgezahlt werden, was er sonst immer anderen antut. Auch Rockys Freunde Clyde (Ryan Kelley) und Marty (Scott Mechlowicz) sind begeistert von dem Racheplan, nur Sams Freundin Millie (Carly Schroeder) hat Skrupel. Unterwegs auf dem Fluss erweist sich George jedoch als eigentlich bemitleidenswerter Einzelgänger, und Sam will seine Freunde dazu bringen, das Vorhaben abzublasen. Doch Marty hat bereits zuviel Wut aufgestaut um sich zurückhalten zu lassen. Ein Streit zwischen ihm und dem vorlauten George endet mit tragischen Folgen, die das Leben der Jugendlichen für immer verändern wird.
Kurzkommentar
Die Schönheit der Natur und in ihr die Gewalt. Jacob Aaron Estes stülpt das Animalische des Menschen nach außen, seine Irrationalität, aber auch die Brutalität der Kindheit. Hackordnung und eine unüberbrückbare Gewalt-Hierarchie sind die dominierenden Faktoren in der Coming-of-Age Geschichte "Mean Creek", die vor allem deswegen so berührend und verstörend wirkt, weil sie so fest in der amerikanischen Wirklichkeit verankert scheint: White-Trash, permanenter Trash-Talk über Penisse und Schwuchteln, die Machtlosigkeit der in der Überzahl befindlichen Guten gegenüber dem Ältesten und Stärksten - und um das herum die endlose, rüde Landschaft Oregons. Kommunikation ist nur mit der unmittelbar höheren Instanz möglich: Millie, das einzige Mädchen, überzeugt Sam von der Unbarmherzigkeit ihres Vorhabens, Sam traut sich seinerseits nur, seinem größeren Bruder von der Sinneswandlung zu berichten, der muss es an Marty, den Anführer ihrer Gruppe, herantragen. Aber auch der ist nur Getriebener eines desillusionierten Amerikas voller egomanischer Eltern: sie sind entweder mit Schwulsein beschäftigt, müssen sich ihren Speck auf dem Heimgerät abtrainieren oder entziehen sich ihrer Verantwortung, indem sie sich den Kopf wegblasen. In dieser Radikalität ist „Mean Creek“ gleichauf mit Gus van Sants „Elephant“, wenn er auch nicht dessen handwerkliche Kongenialität aufweisen kann. Die stärkste Sequenz des Films ist die, in der sich der erschlagene Marty stumm von seinem ebenso nachlässigen Bruder verabschiedet und mit dessen Knarre eine neue Zukunft aufbauen möchte. Statt Kugeln, stösst er aber nur Tränen hervor und bringt damit die Zerrissenheit eines Landes auf den Punkt. Und immer wieder die Schönheit der Natur und in ihr die Gewalt. Bis das Messer die Schnecke aufspießt.
(Thomas Schlömer)