Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette
(Tais-toi!)

Frankreich / Italien, 87min
R:Francis Veber
B:Serge Frydman, Francis Veber
D:Gerard Depardieu,
Jean Reno,
Jean-Pierre Malo,
Richard Berry
L:IMDb
„Ich mag Pferde. Du hast Pferdeaugen. Wirklich!”
Inhalt
Es ist kein Zufall, dass der eiskalte Profigangster Ruby (Jean Reno) ausgerechnet die naive Plaudertasche Quentin (Gérard Depardieu) als Mitbewohner in seine Gefängniszelle bekommt. Gemeinsam mit dem Gefängnispsychologen (André Dussollier) hofft Kommissar Vernet (Richard Berry), dass Blödmann Quentin den Eisblock, der nur den Wunsch hat, den Mord an seiner Geliebten zu rächen, zum Ausflippen und damit zum Reden bringt. Denn Ruby hat noch ein dickes Ding gedreht und die Beute versteckt, bevor er geschnappt wurde. Vernet hofft, dass Ruby ihn auf die Spur des Paten Vogel (Jean-Pierre Malo) führt, der den Tod von Rubys Liebster (Leonor Varela) auf dem Gewissen hat und ebenfalls hinter Rubys Beute her ist. Doch dann brechen Ruby und Quentin aus – gemeinsam. Während Ruby den Mord an seiner Liebsten rächen will, träumt Quentin davon, mit Ruby ein Bistro zu eröffnen. Der Killer wird die Klette nicht mehr los.
Kurzkommentar
Mit "Ruby & Quentin" legt Regisseur Veber eine Variation seiner bereits bekannten Klamotten vor, die sich durch sehr landestypischen Slapstick-Humor, zwei französische Superstars und die Weigerung, sich Humordiktaten der Gegenwart anzupassen, auszeichnet. Dennoch nicht unbedingt jedermanns Geschmack.
Kritik
Besonderen Einfallsreichtum muss sich Francis Veber nicht vorwerfen lassen: Mit "Ruby & Quentin" holt er eine Klamotte aus seiner filmischen Vorratskiste, die ebenso hemmungslos unmodern wie einfallslos ist. Jede Pointe war bereits in Variation mehrfach zu sehen, und wenn nicht, so ist sie auf Meter im voraus zu erahnen.

Eine anhängliche Quasselstrippe, die einen eigentlich coolen Typen zur Verzweiflung treibt; zwei Männer in Frauenkleidern; ein treudoofer Blonder, aber bärenstark; der gefühllose Killer, der am Ende doch Herz zeigt; und so weiter, die Anleihen an (eigentlich längst veraltete) Comedy-Klischees nehmen und nehmen kein Ende. Gleichzeitig kein Zugeständnis an moderne Hollywood-Blödelfilme: Keine Drogen, kein Alkohol, keine Sexfantasien, kein Sex, keine Körperflüssigkeiten, keine Peinlichkeiten zwischen Mann und Frau, keine Partys, keine Pubertierenden, nichts.

Der Humorstil erscheint heutzutage eigenwillig: Eine Art Buddy-Slapstick, eine Mischung aus Dick, Doof, Buds Spencer und Terence Hill. Hier schlägt das spezifisch französische Element durch, denn diese durchschaubaren Schenkelklopfer haben dort Tradition - und werden bis heute produziert und akzeptiert.

Mitten drin in diesem eineinhalbstündigen Anachronismus: Die beiden größten Stars des französischen Kinos: Jean Reno, der sich neben seinen eher "harten" Rollen öfter in die französische Comedy verirrt, und Gerard Depardieu, um den es in letzter Zeit eher still war. Beide passen gut zusammen: Reno gibt die humorisierte Variante seines Killers aus "Leon" und vollzieht dabei einen ähnlichen Wandel wie zuletzt Robert DeNiro, während Depardieu locker aufspielt und dabei alle Hemmungen verliert - seinen liebenswert-dämlichen Charakter kauft man ihm sofort ab.

Trotz der Vorhersehbarkeit und den einfallslosen Rahmenbedingungen der Alibi-Story funktioniert "Ruby & Quentin" als Komödie mehr als passabel: Die Pointen sitzen, das Timing stimmt, die Darsteller tragen den Film. Wer also keine Vorbehalte gegenüber französischen Komödien hat, darf einen durchaus vergnüglichen Abend erwarten.

Altmodische, aber sympathische französische Slapstick-Komödie


Wolfgang Huang