13. Krieger, Der
(13th Warrior, The)

USA, 102min
R:John McTiernan
D:Antonio Banderas,
Omar Sharif,
Vladimir Kulich,
Dennis Storhøi
L:IMDb
„Nur ein Arab reitet einen Hund.”
Inhalt
Der edle Ibn Fadlan wird aus seinem Heimatland im Orient als Botschafter zu den Barbaren geschickt. Durch Zufall wird er zum 13. Krieger einer Gruppe von Nordmännern gewählt, die zurück in ihre Heimat ziehen, um ein Dorf vor den bösen Wendols und dem Glühwurmdrachen zu beschützen. Und so verbringt Ibn Fadlan die nächsten Wochen in der rauhen Gesellschaft der Wikinger und im Kampf gegen die Dead-Eaters.
Kritik
"Der 13. Krieger" hätte ein guter Film werden können. Ist er aber nicht. Und das liegt an drei Dingen: Zum ersten daran, dass der Film den Vergleich mit "Braveheart" verliert, zum zweiten daran, dass viele Elemente des Films entweder nicht glaubwürdig sind oder nicht gut ausgeführt werden, und zum dritten an Antonio Banderas.

Während des ersten Drittels trägt Antonio Banderas, der von Aussehen und Ausstrahlung durchaus für die Rolle passen würde, ständig ein Kopftuch und ein goldenes Stirnband, das ihn wie ein türkisches Marktweib aussehen lässt, und während des restlichen Films lassen die kurzen Lockenhaare und der stete Feuchtigkeitsschimmer starke Erinnerungen an David Hasselhoff wach werden. Schlimmer aber ist, dass Banderas den edlen, gebildeten, gläubigen Ibn Fadlan so zurückhaltend spielt, dass er keine Chance hat, gegenüber den kräftig-derben Wikingern an Farbe zu gewinnen. Hier hätte mehr exotisches Temprament gutgetan. Zuweilen sieht man das aufblitzen, etwa als er sein Wikingerschwert gegen einen Krummsäbel tauscht, aber ansonsten ist die Fugur viel zu blass.

So richtig ärgerlich aber ist die Story, der man genau anmerkt, dass sie niemand Probe gelesen und korrigiert hat. Obwohl mit Michael Crichtons Buch "Eaters of the Dead" sicher eine stimmungsvolle, gut ausgearbeitete Vorlage vorhanden war, hat der Film hier enorme Lücken. So lernt der gute Ibn beispielsweise innerhalb weniger Stunden allein durch Zuhören die gesamte Wikingersprache, bei einem drohenden Angriff legen sich die Wikinger schlafen, und erst als sie einen harte Kampf hinter sich haben, kommen sie auf die Idee, ein paar Vorbereitungen zu treffen oder ein besonders schlauer Wikinger versteckt sich statt auf dem Aussichtsturm im nahegelegenen Baum, übersieht aber das allzu auffällige Verbindungsseil. Noch ärger wirds bei den Personen: Da taucht eine Erdfrau auf, die schon mehrere Jahrhunderte alt ist, mit dramatischen Szenen wird der fiese Sohn des Königs eingeführt, nur um später nie wieder aufzutauchen, oder man sieht die sich langsam entwickelnde Annäherung zwischen Ibn und einer Wikingerfrau, von der aber gegen Ende nichts zu sehen ist. Es gäbe noch viele Ungereimtheiten aufzuzählen, soviele, dass der Vorwurf, das seien nur Kleinigkeiten, nicht mehr gerechtfertigt werden kann. Hier scheint sich McTiernan nicht besonders viel Mühe bei der Umsetzung gegeben zu haben, angeblich kam es ja auch zum Eklat zwischen McTiernan und Crichton.

Fast zwangsläufig muss man bei dem Film an "Braveheart" denken: Rauhe Landschaft, rauhe Kerle, rauhe Kämpfe. Aber "Der 13. Krieger" verliert diesen Vergleich, denn während die Schotten für etwas kämpfen, nämlich für die Freiheit, kämpfen die Wikinger bloss gegen etwas, nämlich gegen recht unappetittliche Gegner. Auch hier wäre viel Potential gewesen: So müssen die 13 Krieger beispielsweise in die Höhle der Gegner eindringen und deren Götze töten. Der angedeutete matriarchalische Aspekt wird aber nicht weiter verfolgt, ein Hieb, und die Sache ist erledigt. Keine genaueren Informatioen über die Gegner, nichts über ihre Motivation, nichts über ihre Lebensweise, nein, ihre einzige Funktion ist es, zu schreien und zu sterben.
Was gibt es Gutes zu sagen? Nun, die Wikinger, wenn mal nicht gerade mit dem Abtrennen von Gliedmassen beschäftigt, sind allesamt sehr sympathisch und haben die Zuschauer sofort auf ihrer Seite. Auch die Landschaftsbilder sind gut gefilmt, besonders schön sind die Stellen, an denen sich der 'Glühwurmdrache' durch den Nebel windet, hier ist der Film richtig gespenstisch. Auch die Kämpfe sind kunstvoll choreographiert, mit Action hat John 'Stirb Langsam' McTiernan schliesslich Erfahrung. Allerdings, nur zur Warnung: Sie geraten ziemlich blutig, und auch die Verwüstungen, die die Dead-Eaters hinterlassen, sind wenig appetitlich.

Alles in Allem belibt eine etwas verquere Mischung aus "Braveheart" und "Das dreckige Dutzend", aus der viel mehr herauszuholen gewesen wäre, und das mit recht wenig Aufwand. Nicht richtig schlecht, aber dennoch ziemlich enttäuschend.

Verquere "Braveheart"-Kopie mit schwachem Banderas


Wolfgang Huang