Sky Captain and the World of Tomorrow

USA, 107min
R:Kerry Conran
B:Kerry Conran
D:Jude Law,
Gwyneth Paltrow,
Angelina Jolie,
Giovanni Ribisi,
Michael Gambon
L:IMDb
„Try shaking it!”
Inhalt
Im Jahre 1930 kommt die New Yorker Reporterin Polly Perkins einem Komplott des verrückten Wissenschafters Dr. Totenkopf auf die Spur. Dieser entführt alle berühmten Forscher und Denker, damit sie für ihn eine Armee aus Flugmaschinen und Riesenrobotern entwickeln. Als seine Armee New York angreift, stellt sich ihr der tapfere Captain Joseph Sullivan alias Sky Captain mit seiner Flying Legion entgegen.
Kurzkommentar
Einer der gehyptesten Filme des Jahres entpuppt sich erwartungsgemäß als visuelle Bombe und ehrlich stupide Luftnummer - jedoch als eine, die Spaß macht. Und doch schafft es Kerry Conrans phantastisch-utopische Retro-Science-Fiction letztlich über eine einigermaßen aufregende, komplett digitale Stilübung nicht hinaus. Regiedebütant Conran verfasste auch das Drehbuch, kann dem Vorbild Spielberg aber nicht das Wasser reichen. „Sky Captain“ ist im Kern leer und unterkühlt. Als selbstironisch-trashige Abenteuerromanze in einem surrealen Crossover-Setting aus „Metropolis“, „Flash Gordon“ und „Indiana Jones“ hält der Streifen als eklektische Zitatmaschine dennoch gut bei der Stange.
Kritik
Gleichzeitig teuer zu sein und schrecklich billig auszusehen, mit dem Willen zum ironischen Retro-Trash überstilisiert zu sein und den aufregendsten Filmtitel des Jahres als Aufmerksamkeitsanker zu haben - die Zukunftsfiktion von "Sky Captain and the World of Tomorrow" ist in vielerlei Hinsicht total von Gestern. Oder auch jenseits davon, denn dass New York und die Welt der 1930er Jahre Ort und Zeit des Abenteuers sind, ist so unwirklich wie der komplett im Computer herangezüchtete Rest des Comicstrips auch. Das Klischee, vor allem das der Hollywood-Romantik der 1930er und 1940er Jahre mit all ihrem nostalgischem Kitsch, ist neben überdeutlichen "Indiana Jones"-Anleihen erklärter Motor des Streifens und selbstironisches, weichgezeichnetes Dauerzitat. Wohl hat die metallische Vision des Debüts von Regisseur Kerry Conran durch den faschistischen Mollton einer Maschinendystopie und die historisch verbürgte Entführung von Wissenschaftlern im zweiten Weltkrieg die wohl unverzichtbare Ahnung einer teutonisch-nazistischen Weltzerstörerphantasie. Wie die Nazis als genialische Standartbösewichter ist aber die gesamte Filmökonomie von "Sky Captain" ausgelutscht, recyclet, wiederbelebt - und bewusst unwirklich, bewusst digital, bewusst lächerlich.

Und trotzdem oder gerade deswegen ist "Sky Captain and the World of Tomorrow" genau das, was zu erwarten oder zu befürchten stand: ein lärmender, zugegeben recht sympathischer Knalleffekt, der dem großen, aber unerklärten Buhei im Vorfeld nicht gerecht wird. Die Pixelflut wird mal wieder weitgehend zur Hohlnummer, wenn auch zu einer, die weniger Kopfschmerz verursacht als Overkillstreifen vom Schlage eines „Van Helsing“. Am deutlichsten wird das dadurch, dass Conrans Spaßmaschine in etwa so viel Nachhaltigkeit hat wie ein achtlos weggeworfener Comic. Aber das gehört zum Programm. Nach dem abrupten, absehbaren Ende bleibt das Gefühl, zwar durch "alten Wein in neuen Schläuchen" ziemlich energiegeladen und surreal unterhalten worden zu sein. Bedarf nach mehr besteht allerdings nicht, weil sich Dialogwitz, Slapstick und komische B-Film-Allüren dann doch arg in Grenzen halten und die einkopierten Abziehcharaktere bald sättigen. Würde "Sky Captain" nicht durch seine stilistische Extravaganz jenseits üblicher Kategorien mit aller Gewalt auffallen wollen - was ihm ja auch gelingt -, hätte wenig für seine Entstehung gesprochen. Und so gelingt auch kein zweiter, fliegender "Indiana Jones" und die Etablierung eines neuen, alten Helden.

An der Besetzung scheitert es dabei nicht. Jude Law, Gwyneth Paltrow und Giovanni Ribisi erfüllen die Anforderungen an die antiquierten Rollenschablonen mühelos. Dem unterforderten Law macht die Rolle des strahlenden Welten- und Frauenretters sichtlich Spaß, was "Sky Captain" einen tragfähigen, aber weder ein- noch mehrdimensionalen Titelhelden beschert. Paltrow macht sich als naives Blondinchen Polly ordentlich und die offensichtlich von "Indiana Jones" entliehenen Reibereien der beiden verhinderten Liebenden nerven zumindest nicht. Als obligatorischer Sidekick muss sich Ribisi dann kaum noch anstrengen und der armen Angelina Jolie bleibt einmal mehr nur eine lachhaft reduzierende Rolle. Aber durch innere Handlung, Logik und geschliffen-lakonische Einzeiler auf Comicniveau besticht "Sky Captain" ohnehin nicht. Krasser als je zuvor gilt: (In diesem Fall anachronistischer) Stil und Verpackung sind alles. "Sky Captain" ist in seinem retroutopischem Look hyperstilisiert und -ästhetisiert. Das ist seine kalkulierte Trumphkarte, aber auch sein Problem. Einerseits ist der Eyecandyeffekt wie erwartet enorm, aber nicht überwältigend.

Der Bildersturm - das ist das vielleicht innovative Moment im kruden Stilclash - stößt das bisherige Ziel exzessiven CGI-Einsatzes gegen den Kopf: Anders als die Computereffekte eines "Herrn der Ringe" will "Sky Captain" in einer Art Meta-Parodie der Filmgeschichte den digitalen Ursprung seiner Bilder in keiner Szene völlig verleugnen. Grund dafür ist kaum der Dilettantismus von Conran und seiner Computernerds oder, naheliegender, Budgetmangel, obgleich sich Conran durch seine Blue Screen-Technik enorm kostenintensive echte Kulissen und überhaupt reale Aufnahmen sparte. Wenn die vorwiegend blechernden Objekte und Vehikel also blass und digital, kurz: unglaubwürdig wirken, dann ist das vielmehr Absicht. "Sky Captain" will sich damit auf augenzwinkernde Weise ein Stück weit genauso trashig-unterhaltsam geben wie jene Krieg-der-Welten- und Untergangsstreifen der 1950er aus heutiger Perspektive wirken. Das funktioniert, ohne dass der Funken von der förmlich laufend explodierenden Leinwand jedoch wirklich überspringen würde. So funktioniert "Sky Captain" andererseits als selbstverliebte, befremdlich-lächerliche und übermanierierte Stilshow, die sich samt unterkühlter Konservenkulisse leicht fade herunterspult.

Widersprüchlich, elegant und überzuckert zugleich, wirkt auch die wiederum ironisch übetriebene Weichzeichnung der Bildkomposition: pseudoklassischer Schimmer ersetzt klare Bildkonturen. Bald reicht die ins Videospielartige kippende ästhetische Formspielerei Conrans jedoch nicht mehr, um die Aufmerksamkeit zu fesseln. Nicht vorhandene Logik und Plotdefizite macht der Streifen erneut durch den "Indiana Jones"-Mechanismus wett: Verwickele die Hauptprotagonisten am laufenden Band in ständig spektakulärere, scheinbar ausweglose Situationen und Situationskomik. Hier zitiert "Sky Captain" ziemlich unterhaltsam die "klassische" Abenteuerromanze. Am Ende ist "Sky Captain and the World of Tomorrow" trotz aller vorhandenen Bildmagie visuell ein Stück weniger berauschend als gedacht. Das Kino der Zukunft ist Conran nicht gelungen, dafür ist der kurzweile Streifen inhaltlich zu altbacken, zu ekklektisch. Aber die Riesenshow bringt Massenunterhaltung, damit ist das Ziel erreicht. Und beachtenswert bleibt vor allem eines: der rasante "Sky Captain" ist Conrans Debüt. Da bleibt zu hoffen.

Altbackene Abenteuerromanze in selbstverliebter Designverpackung


Flemming Schock