Mindhunters

USA, 94min
R:Renny Harlin
B:Wayne Kramer
D:Jonny Lee Miller,
LL Cool J,
Patricia Velasquez,
Clifton Collins Jr.
L:IMDb
„Who´s the next motherfucker to go?”
Inhalt
Acht junge, ehrgeizige FBI-Agenten sollen zum Abschluss ihrer Ausbildung auf einem verlassenen Militärgelände simulierte Mordfälle aufklären - da ist harter Konkurrenzkampf vorprogrammiert. Dass aus dem Wettstreit um Erfolg und Ehre allerdings ein Wettlauf um das eigene Leben werden wird, ahnt keiner der jungen Profiler, als sie die einsame Insel betreten. Hochmotiviert verfolgen sie Spuren, untersuchen Indizien und tappen dabei in den ersten perfekt inszenierten Hinterhalt: Der ehrgeizigste unter ihnen wird das erste Opfer einer ausgeklügelten, abscheulichen Mordserie. Von nun an wird aus der Simulation bitterer Ernst. Ausgebildet, um Serien-Killer aufzuspüren, ermitteln die jungen Agenten im wahrsten Sinne des Wortes gegen die Uhr: Wen wird es als Nächsten treffen?
Kurzkommentar
Jahre nach seinem Sylvester Stallone-Debakel „Driven“ versucht der gestandene Actionregisseur Renny Harlin wieder eine Rückmeldung. Die Genrewahl ist nicht unbedingt glücklich. Statt dem Actionkino in entsprechendem Rahmen Impulse zu geben, versucht sich „Mindhunters“ als Psychohorror. Das Szenario ist halbwegs originell, der Rest vordergründige, pseudoclevere Klischeekonstruktion, die nie durch innere Spannung, sondern nur durch brutale Effekte lebt.
Kritik
1980 drehte Renny Harlin noch in Finnland seinen Debütfilm, bevor er sechs Jahre später mit dem vierten Teil des Horror-Schmus „Nightmare on Elmstreet“ sein US-Debüt gab. Anfang der 90er folgte dann wohl sein größter Erfolg, zumindest aus kommerzieller Hinsicht mit einer weiteren Fortsetzung, mit „Stirb Langsam 2“. Dann ging es im Grunde bergab, was zumindest im Hinblick auf Harlins versuchte Reanimierung des Piratengenres mit „Die Piratenbraut“ von 1996 schade war. So schlecht, wie der Actionstreifen an der Kasse abschnitt, war er nämlich nicht. Zugegeben, Harlin hat generell wenig zu erzählen und kokettiert sogar zuweilen auffällig mit B-Movie-Tendenzen („Deep Blue Sea“, 1999). Wenn sich Harlin aber seiner Vorliebe des Actiongenres annimmt, dann kracht es eigentlich immer recht solide.

Von daher konnte man sich errechnen, was dabei herauskommt, wenn sich der Finne des heiklen Serienmörder-Thriller-Schemas annimmt, was seit dem „Schweigen der Lämmer“ unheimlich subtil oder auch klischeehaft platt sein kann. „Mindhunters“ ist hier eindeutig letztes, schon der Titel spricht hier Bände. Die „Jäger“ verraten, wie Harlin im Grunde im falschen Sujet ist, weil er immer atemlos weiter und den coolen Effekt will statt auf ausgeklügelte Psychologie zu setzen. Dabei wäre mit Drehbuchautor Wayne Kramer, der kürzlich mit dem Independent-Erfolg „The Cooler“ auf sich aufmerksam machte, wesentlich mehr möglich gewesen. Doch „Mindhunters“ verspielt jedes ernsthaftes Interesse schon allein durch die schiere Masse der Hauptprotagonisten. Was mit dem halben Dutzend Profiler passiert, die es mit einem mal wieder sadistischen Killermastermind zu tun bekommen, ahnt man: rapide Dezimierung.

So gibt sich „Mindhunters“ nicht einmal den Schein einer Mühe, die Jäger und gleichzeitigen Opfer für den Zuschauer bedeutsam werden zu lassen. Sie sind bloß die sprichwörtlichen Puppen in einem brutal inszenierten Spiel, das meint, voll toller Metaphern zu sein. Denn die Simulation, jene geisterbahnhaftig verlassene Insel, auf die die jungen Wilden in ihrem letzten Test nach obligatorischem Vorgeplänkel schnell abgeladen werden, sei mit der Isolation der Psyche eines Serienmörders zu vergleichen. Das erklärt Val Kilmer in der verzichtbaren Rolle eines leicht perversen Oberausbilders. Nicht nur hier sorgt „Mindhunters“ für unfreiwillige Lacher. Dass der Regisseur eigentlich im falschen Film ist, zeigen hektische Schnittarbeit und billige Gitarrenmusik, die immer wieder jeden Anflug von Suspense niederknüppelt. Aus dem vermeintlich simulierten Katz-und-Maus-Spiel wird so nach nur zehn Filmminuten brutal (konstruierter) Ernst.

Auffällig hier: Es scheint, als wüsste Harlin, dass seine x-te Zehn-Kleine-Negerlein-Interpretation so motiviert ist wie ein nur um seiner selbst willen existierender Effekt, denn das eigentlich „Bemerkenswerte“ an „Mindhunters“ sind die gesteigert brutalen Hinrichtungsphantasien von Ableben zu Ableben. Die tun ihre penetrant kalkulierte wie schockartige Wirkung dann wenigstens recht gut. Und andererseits muss unterstrichen werden: Wer wenig erwartet und sich mit Fast-Food-Täterraten zufrieden gibt, wird letztlich auf akzeptablem Standard unterhalten, wenngleich so viel mehr möglich gewesen wäre: Das Setting ist klaustrophobisch und bedrohlich, wenn auch unausgenutzt, und die Besetzung überzeugend. Besonders Jonny Lee Miller ("Trainspotting", "Plunkett und MacLeane") weiß am Ende zu punkten. Wo psychologische Spannung keine Chance hat, wird mit billigen Taschenspieler- und Uhrentricks, sich ewig wiederholenden Mustern nachgeholfen.

Von intelligenten Dialogen ist „Mindhunters“ dabei weit entfernt und die vermeintlichen Fähigkeiten der Superermittlertruppe verkommen ebenso zur Lachnummer wie die zu entschlüsselnden Hinweise des „Puppenspielers“, die das Zuschnappen der nächsten tödlichen Falle verhindern können. Dass ganze Wände mit blutigen Ziffern beschmiert werden müssen, nur, damit die Superhirne darauf kommen, mal das Licht auszuknipsen, dürfte davon nur ein Beispiel sein. Für Klärung ist nie gesorgt, mitdenken und rätseln hilft also auch nicht, denn wie es der „gute“ Ton in neueren Thrillern will, könnte jeder der Mörder sein –programmatische Verwirrung mit der gewaltsam aufgesetzten Wendung bis zum Schluss. Konsistent ist das nicht. Einige adrenalintreibende Momente birgt dieses überkonstruierte Spielchen dann dennoch, aber Harlin sollte sich gut überlegen, ob er sich nicht lieber auf seine ureigenste Qualität besinnen will: schnittiges Actionkino.

Unnötig brutales Zehn-Kleine-Negerlein-Klischeekonstrukt


Flemming Schock