Butterfly Effect
(Butterfly Effect, The)

USA, 114min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Eric Bress, J. Mackye Gruber
B:Eric Bress, J. Mackye Gruber
D:Ashton Kutcher,
Amy Smart,
Melora Walters,
Elden Henson,
William Lee Scott
L:IMDb
„You can't change who people are without destroying who they were.”
Inhalt
Evan Treborn (Ashton Kutcher) hat jedes Zeitgefühl verloren. Schon in seiner Kindheit verschwanden entscheidende Momente seines Lebens im schwarzen Loch seiner Vergesslichkeit. Seine Jugend war bestimmt von mehreren schrecklichen Ereignissen, an die er sich nicht mehr erinnern kann. Nur geisterhafte Erinnerungsfetzen sind ihm geblieben – und gescheiterte Existenzen um ihn herum: seine einstigen Sandkastenfreunde Kayleigh (Amy Smart), Lenny (Elden Henson) und Tommy (William Lee Scott). Schon als Kind wurde Evan ständig von einem Psychologen behandelt, der ihn dazu anhielt, Tagebuch zu führen, um die Alltagsereignisse festzuhalten. Inzwischen studiert Evan, und als er in einem seiner alten Tagebücher blättert, kehrt er plötzlich auf unerklärliche Weise in die Vergangenheit zurück. Er begreift, dass die Notizbücher unter seinem Bett eine Art Zeitmaschine sind, mit der er in seine Vergangenheit reisen und sich seine Erinnerungen zurückholen kann. Doch durch die Auseinandersetzung mit den damaligen Vorfällen fühlt Evan sich nun für das Scheitern seiner Freunde verantwortlich. Das betrifft vor allem seine Jugendfreundin Kayleigh, die er auch als Erwachsener weiter liebt.
Kurzkommentar
Man könnte "The Butterfly Effect" allerlei vorwerfen, angefangen von der übertriebenen Brutalität bis hin zu den drastischen, dramaturgischen Einfällen. Man muss aber auch zugeben, dass er gesundes Entertainment ist, dazu noch nicht mal ganz dummes. Eric Bress und J. Mackye Gruber gelingen jedenfalls durchwegs interessante, manchmal sogar engagierte 120min Mystery-Thriller, die nicht in Erinnerung bleiben, aber doch deutlich über dem Durchschnitt liegen.
Kritik
Dass Subtilität nicht Trumpf ist in Eric Bress' und J. Mackye Grubers "The Butterfly Effect", davon zeugt bereits die erste typographische Einblendung des Films: etwas lieblos wird dem Zuschauer ein Brocken Chaos-Theorie hingeworfen, dessen Zusammenhang zwar offensichtlich ist, der aber nachträglich nur wie eine billige Visitenkarte wirkt. Schnell wird klar, dass es Bress und Gruber (die bereits mit "Final Destination 2" ihr Faible für "Twilight Zone", "Akte X" und Stephen King bewiesen haben) weniger um einen seriösen Thriller ging als um ein deftiges Stück Unterhaltung, die aber bitte möglichst fetzig und mit reichlich Witz. Demnach sind auch die größtenteils ernüchternden Kritiken aus den USA nicht ganz nachzuvollziehen, konnte doch wohl niemand von einem Ashton Kutcher-Streifen (er ist sogar ausführender Produzent) einen gänzlich ernst zunehmenden Thriller erwarten. Immerhin hat der Mann in "Ey Mann, wo is' mein Auto??" mitgespielt.

Das soll nun nicht bedeuten, dass "The Butterfly Effect" ein selbstironischer Streifen wäre, denn dazu will er zu sehr schocken, zu sehr faszinieren und zu sehr spannend unterhalten. Das gelingt ihm größtenteils, ganz egal wie absurd und holzhammerartig die Dramaturgie letzten Endes auch sein mag. Und das ist sie ganz schön, das beweisen nicht nur die übermäßige Brutalität, sondern auch diverse Plot-Elemente. So grenzen die Schicksale, die hier die einzelnen Figuren durchleiden, schon fast an eine Karikatur: Evan durchlebt die volle Palette von Elite-Student über Knast-Insasse bis zum Krüppel, Kayleigh vom Supermodel zur Drogenabhängigen, Lenny vom Bastelpsychopathen zum Vorzeigekumpel und Tommy vom Vollpsychopathen zum bibeltreuen Christen. Das ist objektiv betrachtet ziemlich peinlich, funktioniert aber prächtig, weil Bress und Gruber als ihr Publikum ganz klar die MTV-Generation ausgemacht haben und sich nicht schämen, das auch zuzugeben. Dementsprechend "stylish" ist "The Butterfly Effect" dann auch inszeniert, vor allem, wenn Evan seine "Zeitreisen" antritt und sich die Welt um ihn herum wegzusaugen scheint.

Umso interessanter, welche Vorstellungen und Botschaften dieser deutlich an ein junges Publikum ausgerichtete Thriller vermittelt: Pädophilie, extreme Gewalt gegenüber Tieren und "Freunden", dazu folgenschwerer Neid und grundlose Boshaftigkeit scheinen an der Tagesordnung dieser "normalen", amerikanischen Welt zu stehen; Kinderstreiche sind nicht irgendwelche Nichtigkeiten, sondern gleich solche, die im Tod einer jungen Mutter und derem Neugeborenen resultieren. Die Katharsis des Films bildet hingegen ein urmoralischer Aspekt: erst die Selbstaufopferung und das Zurückstellen der eigenen Wünsche löst den zentralen Konflikt, ein christlicher Gedanke, der durch den ursprünglich angedachten Namen der Hauptfigur (Chris Treborn: "Christ reborn") noch viel zentraler gewesen wäre. Dramaturgisch ist das natürlich relativ platt, aber man darf das ausbleibende Happy-End angesichts des Zielpublikums auch nicht unterschätzen.

Insgesamt kann man Plotlöcher, Stupiditäten und nicht immer gelungenes Schauspiel deshalb problemlos tolerieren und sich von "The Butterfly Effect" halbwegs engagiert unterhalten lassen. Wie schon die "Final Destination"-Serie ist er leicht augenzwinkerndes, gesund absurdes Entertainment, intellektuell immerhin ansatzweise interessant.

Popmoderner, fetziger Thriller, wenn auch reichlich absurd


Thomas Schlömer