Grasgeflüster
(Saving Grace)

GB 1998, 92min
R:Nigel Cole
B:Mark Crowdy
D:Brenda Blethyn,
Craig Ferguson,
Martin Clunes,
Tchéky Karyo
L:IMDb
„Ohhh, Grace hat da aber einen tollen Tee angepflanzt ... hihihihi.”
Inhalt
Grace Trevethan muß einen schweren Verlust verkraften. Ihr Ehemann John ist beim Fallschirmspringen umgekommen und hinterläßt der guten Grace zweierlei: eine Mätresse und einen riesigen Schuldenberg. Da sie keinen anderen Ausweg sieht, stimmt sie dem einfachen Gärtner Matthew (Craig Ferguson) zu, seinen heimlich angepflanzten Cannabis indica in ihrem großen Gewächshaus zu züchten, wahre Massen zu replizieren und dem drohenden Bankrott entgegenzuwirken. Daß solche kriminellen Taten nicht unentdeckt bleiben, dürfte eigentlich klar sein...
Kurzkommentar
"Grasgeflüster" ist eine über weite Strecken gelungene schwarze Komödie von der britischen Insel, kränkelt aber recht oft an stereotypischen Schenkelklopfermomenten und nicht wirklich konsequenter makaberer Ausarbeitung. Die charmanten und talentierten Darsteller retten den Film aber recht locker über das Mittelmaß.
Kritik
Britische Komödien lassen sich fast immer in eine von zwei Richtungen einordnen: entweder sind sie schwarz-satirisch und meist gelungen ("Bube, Dame, König, GrAS", "You're Dead") oder geschmacklos und damit schnell grottenschlecht ("Kevin & Perry", "Mr. Bean"). Selten gibt es Ausreißer ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill"), die sich teils leicht ironisch nehmen und ihren britischen Humor nicht auf Teufel komm raus auftischen wollen.

"Grasgeflüster" ist nun eher der ersten Gattung zuzuordnen, wenn auch am Ende des Films ein unzufriedenes, mulmiges Gefühl zurückbleibt. Die Idee, eine liebliche, feine Dame zur kriminellen Marihuanazüchterin mutieren zu lassen, ist sicherlich hübsch schwarz und dürfte Freunden abgedrehter Drogentrips (um Einiges abgefahrener: "Being John Malkovich") Freude bereiten. Aber irgendwie schießt der Film etwas an seinem Ziel vorbei: da wäre zunächst einmal der uninteressante Beginn des Films. Eine vermeidlich wohlhabende, gutmütige Witwe erbt von ihrem verstorbenen Mann einen Riesenberg Schulden, das Haus wir langsam verpfändet, Aussichtslosigkeit macht sich breit. Schön und gut, aber dramatisch kommt das überhaupt nicht rüber. Ihr Schicksal erzeugt nur Gleichgültigkeit und kein Mitgefühl - eine bindene Einleitung vor der Beerdigung hätte nicht geschadet.

Dann die wenig ergiebige Kombination aus schwarzhumorigen und gewöhnlichen Komödienelementen: einerseits ist der Aufbau des mustergültigen Cannabis-Gewächshauses schön schräg und makaber, andererseits sind kichernde Großmütter Marke "Kaffeeklatsch", die den Anbau natürlich prompt für eine Teeneuentdeckung halten, nicht mehr als die üblichen zermürbenden Schenkelklopfer. Klar, amüsant ist das teilweise schon, genauso wie der leicht durchgeknallte Aliengläubige, der sein Raumschiff auf dem Hügel sieht. Auch Drogendealer Jacques und seine Handlanger sind durchaus liebenswert, mehr aber auch nicht. Zudem möchte der Film manchmal die Gratwanderung zwischen makaberer Darstellung und emotionaler Betroffenheit schaffen, was ihm aber oftmals nicht gelingt: der Heiratsantrag inkl. Schwangerschaftsbeichte wirkt aufgesetzt, die schönen Naturaufnahmen deplatziert und das sporadisch ernste Gesicht von Hauptprotagonistin Grace ebenso Fehl am Platze. Vollkommen unlogisch erscheint auch ihre Entscheidung, den mühsam herangezüchteten Reichtum mir nicht, dir nichts zu verbrennen als die Polizei naht - da hätte sich locker eine andere Lösung gefunden.

Trotzdem besitzt "Grasgeflüster" einen gewissen Charme, was vor allem an seinen motivierten und wirklich fähigen Darstellern liegt. Brenda Blethyn (zuletzt in "Little Voice") brilliert als gebrochene Witwe, Co-Drehbuchautor Craig Ferguson (in England bekannt aus "The Big Tease") fügt sich passend in die Rolle des leicht gewissenlosen Losers ein und auch Valerie Edmond als seine Freundin Nicky sowie Drogenboß Tchéky Karyo (gleiche Rolle in "Bad Boys") erfüllen ihre Anforderungen mühelos.

"Grasgeflüster" lief bereits am 24. Januar 2000 auf dem "Sundance Film Festival" in den USA, räumte dort immerhin den Publikumspreis ab und kam erst ab Mai nach England. Nach diversen anderen abgefahrenen Streifen (allen voran "Being John Malkovich") kann ich mich allerdings nicht dafür begeistern...

Großteils gelungene, aber doch genreunschlüssige britische Komödie


Thomas Schlömer