Grasgeflüster
(Saving Grace)

GB 1998, 92min
R:Nigel Cole
B:Mark Crowdy
D:Brenda Blethyn,
Craig Ferguson,
Martin Clunes,
Tchéky Karyo
L:IMDb
„Ohhh, Grace hat da aber einen tollen Tee angepflanzt ... hihihihi.”
Inhalt
Grace Trevethan muß einen schweren Verlust verkraften. Ihr Ehemann John ist beim Fallschirmspringen umgekommen und hinterläßt der guten Grace zweierlei: eine Mätresse und einen riesigen Schuldenberg. Da sie keinen anderen Ausweg sieht, stimmt sie dem einfachen Gärtner Matthew (Craig Ferguson) zu, seinen heimlich angepflanzten Cannabis indica in ihrem großen Gewächshaus zu züchten, wahre Massen zu replizieren und dem drohenden Bankrott entgegenzuwirken. Daß solche kriminellen Taten nicht unentdeckt bleiben, dürfte eigentlich klar sein...
Kurzkommentar
"Lang lebe Ned Devine" trifft Cheech & Chong, so könnte man "Grasgeflüster" kurz zusammenfassen. Der Film lebt einerseits von der Darstellung der liebenswürdigen Dorfcharaktere, andererseits von der höchst bizarren Grundidee, die sehr erheiternd ausgeführt wurde. Die Hauptschwäche des Films ist das etwas behäbige Drehbuch, dafür entschädigt wird man durch einige richtig gute Gags.
Kritik
Kifferkomödien gibt es eher wenige. Seit in den späten Siebzigern Cheech Marin und Tommy Chong mit ihrem "Up in Smoke" und seinen Nachfolgern das Genre praktisch gegründet hatten, gab es nur sehr wenige Filme, die den Konsum von Cannabis erbarmungslos verherrlichten. Einer davon war "Half Baked", der bereits 1997 gedreht wurde, aber erst vor kurzem in Deutschland bekannter wurde. Ein Teil der Aufmerksamkeit rührte sicher von dem Bloodhound Gang Lied "Along Comes Mary" aus dem Soundtrack des Films, aber der große Erfolg und die weite Verbreitung sprechen wohl eher dafür, dass ein großes Interesse an diesem Genre besteht.

Kifferkomödien drehen sich im Prinzip immer um das Gleiche: Durch unglückliche und unfaire Umstände geraten die Protagonisten in Geldsorgen und versuchen sich dieser durch Marijuana-Verkauf zu entledigen. "Grasgeflüster" ist da keine Ausnahme. Die Inspirationsquellen der Drehbuchautoren sind allzu offensichtlich. So begegnen einem jede Menge altbekannte Szenen, die allerdings durch eine Komponente nicht altbacken sondern sehr frisch wirken. Die Charaktere sind weder Hippies noch verkorkste Jugendliche sondern die Bewohner eines kleinen Fischerdorfs in Cornwall. Die Figuren kommen einem aus "Lang Lebe Ned Devine" sehr bekannt vor. Auch das Thema des Films, der Zusammenhalt eines kleinen Dorfes in schwierigen Zeiten, ist das gleiche.

Die größtenteils älteren Darsteller spielen ihre Rollen sehr gut, am amüsantesten sind aber eindeutig zwei Nebenrollen. Der Artzt des Dorfes, gespielt von Martin Clunes, sorgt in jeder seiner Szenen für laute Lacher. Sein Konterfei blickt auch von der englischen Version des Kinoplakats auf den Betrachter nieder ("Grace's doctor is worried about the state of her joints..."). Sehr amüsant ist auch der kleine Drogendealer Vince, der vom britischen Stand-Up-Comedian Bill Bailey gespielt wird. Er hat eindeutig die besten Textstellen, einfach unglaublich, wenn er sich vom großen Drogendeal verabschieden will, weil er seine Tochter vom Flötenunterricht abholen muss.

Schade nur, dass man bei "Grasgeflüster" den Kitsch nicht ganz rausgelassen hat. Der Schwangerschafts-Handlungsstrang wirkt unpassend und viel zu schwermütig und ist, wie fast die komplette Handlung, viel zu leicht vorauszusehen. Das war aber auch alles, was mir persönlich negativ aufgefallen ist. Wer ein generelles Problem mit Cannabis-Konsum hat, braucht sich diesen Film sicher nicht anzuschauen. Auch Freunde des britischen Humors könnten ein wenig verstört sein. "Grasgeflüster" bringt zwar den wundervollen Charme des kleinen Fischerdorfs sehr schön auf die Leinwand und es gibt einige Andeutungen die nur England-Fans verstehen, aber zum Großteil ist der Humor eben Amerika entliehen.

Politisch nicht korrekte Kifferkomödie mit tollen Darstellern


David Hiltscher
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
"Grasgeflüster" ist eine über weite Strecken gelungene schwarze Komödie von der britischen Insel, kränkelt aber recht oft an stereotypischen Schenkelklopfermomenten und nicht wirklich konsequenter makaberer Ausarbeitung. Die charmanten und talentierten Darsteller retten den Film aber recht locker über das Mittelmaß....