7 Zwerge - Männer allein im Wald

Deutschland, 95min
R:Sven Unterwaldt Jr.
B:Sven Unterwaldt Jr.
D:Otto Waalkes,
Christian Tramitz,
Cosma Shiva Hagen,
Helge Schneider,
Mirco Nontschew
L:IMDb
„Gibts jenseits der Brücke noch mehr von den Wesen, die keinen Zipfel haben? - Ja, die nennen sich Frauen.”
Inhalt
Sie sind die berühmteste Männerwohngemeinschaft der Welt: Brummboss - der väterliche Chef (Heinz Hoenig), Cooky - der mütterliche Kochzwerg (Markus Majowski), Tschakko - der praktische Kampfzwerg (Mirko Nontschew), der Gute-Laune- Zwerg Sunny (Ralf Schmitz) und dessen Bruder Cloudy - der Schlechte-Laune-Zwerg (Boris Aljinovic), Speedy - der Zwerg mit der längsten Leitung (Martin Schneider) und Bubi - der Zwerg, der im Wald aufwuchs und von der Welt nicht die geringste Ahnung hat (Otto Waalkes). Und wie könnte es anders sein: In direkter Nachbarschaft regiert eine böse Königin (Nina Hagen), die eine Tochter mit Namen Schneewittchen (Cosma Shiva Hagen) hat. Dass das Mädchen zu einer wahren Schönheit erblüht, kann auch das berühmte Spieglein an der Wand (Rüdiger Hoffmann) nicht übersehen. So kommt, was im Märchen kommen muss: Die Mutter-Tochter-Spannungen ändern nicht nur Schneewittchens Leben ganz entscheidend.
Kurzkommentar
Es fiele leicht, "7 Zwerge" eine erneute Bestätigung des katastrophalen, deutschen Mainstream-Kinos zu nennen, aber die äußerst harmlose Märchenparodie ist auch nicht schlechter als das, was in Form von "Traumschiff Surprise" derzeit immensen Erfolg hat und dort größtenteils toleriert wird. Dass Otto Waalkes seine beste Zeit lange hinter sich hat, dürfte zudem jedem potenziellen Besucher bewusst sein, also spreche bitte niemand von Enttäuschung.
Kritik
Wenn der künstlerische Zenit überschritten ist, möchte man das selbst am wenigsten einsehen, ob nun aus Sturheit, Nostalgie oder Verzweiflung. Otto Waalkes' Blütezeit liegt jedenfalls schon lange, lange zurück: ziemlich genau 20 Jahre. Sein erster Film zog 1985 allein in Westdeutschland 8,8 Mio. Menschen in die Kinos, absoluter Rekord und wohl auch von den 11 Mio. des "Schuh des Manitu" kaum zu toppen, rechnet man grobe 5-7 Mio. Besucher aus der DDR hinzu. Den zweiten Film, 1987, wollten dann "nur" noch über sechs Millionen Zuschauer sehen, den dritten ("Der Außerfriesische") knapp 3,5 und den "Liebesfilm" noch 2,8. Im Jahr 2000 folgte dann der "Katastrofenfilm", kräftig im Budget, aber mager im Einspielergebnis: knappe 1 Mio. Zuschauer schleppten sich noch in die Säle.

Trotz des steten Schwunds an Fans und Kinogängern sind das beeindruckende Zahlen, gilt doch eigentlich jeder deutsche Film mit einer siebenstelligen Besucherzahl als beachtlicher Erfolg. Anders dürfte es nicht zu erklären sein, dass Waalkes erneut horrende Summen für ein großspuriges Kinoprojekt auf die Beine stellen konnte (und - nach alter Tradition - gleich die entsprechende Produktionsfirma gründete: Zipfelmützen Film), auch wenn sein neuester Film nicht mehr allein um ihn strukturiert ist: von Christian Tramitz über Nina Hagen bis hin zu Atze Schröder und Hans-Werner Olm kommt ihm ein extrem Promi-lastiger Cast zu Hilfe, von zahlreichen Cameo-Auftritten weiterer deutscher Showbekanntheiten ganz zu schweigen.

Dass man angesichts diesem an Verzweiflung grenzenden Bombardement namhafter Gesichter schnell erkennt, dass hier mangelnde Fantasie mit großem Promi-Bonus überstrahlt werden soll, könnte man in guter, alter (speziell deutscher) Kritikertradition genüsslich zerreißen. Ja, auch "7 Zwerge" ist eine große, filmische Peinlichkeit, ein Armutszeugnis deutschen (Mainstream-) Kinos und der erneute Beweis, dass mit viel formalem Brimborium über minimalen Ideenreichtum hinweggetäuscht werden soll. Das aber sind ähnlich gelagerte US-amerikanische Filme, wie etwa die schlechteren von Mel Brooks oder die nicht minder inspirationslosen Parodien von Bully Herbig, auch. Und da lässt man gerne Gnade vor Recht walten.

So gesehen sind die "7 Zwerge" auch nicht peinlicher als das "Traumschiff Surprise" und trotz Herbigs erwiesener, handwerklicher Professionalität auch auf formaler Ebene nicht zwingend schlechter: mit großzügigen Sets und so manchem Griff zum Computer parodiert man nicht nur kitschige Märchenwelten, sondern den "Herrn der Ringe" gleich mit - obwohl das ja genaugenommen gar nicht so weit auseinander liegt. Die Mischung aus Softporno-Weichzeichner und rechnergestützten Matte-Kompositionen bekommt Regisseur Sven Unterwaldt jedenfalls ganz gut hin, auch wenn hier selbstredend kein Stück Eigenständigkeit zum Ausdruck kommt. Auch auf akustischer Ebene lässt man sich nicht lumpen und spendiert der Geschichte ein paar Gesangseinlagen sowie den obligatorischen, groß-orchestralen Score, natürlich immer mit schwer-ironischer Note und unter Hinzunahme übermäßig frequentierter, klassischer Stücke wie der "Halle des Bergkönigs" aus "Peer Gynt".

Was aber ist nun mit dem Witz? Der ist größtenteils abgestanden, aber wen das wundert, der wurde wohl unfreiwillig in den Kinosaal geschleppt. Zwischen alten Kaleschen, die Otto offenbar immer noch nicht sein lassen kann ("Wenn ich 'Los!' sage, darfst du dir was wünschen, und wenn ich 'Stop!' rufe, ist die Wunschzeit vorüber. Los, Stop, Schade.") und den wenigen, fantasievolleren Einfällen (Rüdiger Hoffmann als "Spieglein an der Wand"), ist das meiste schlichter Mittelmaß und vor allem deswegen kaum erheiternd, weil es entweder meilenweit vorauszusehen ist oder gnadenlos repetiert wird (die Zipfelmützen-Erektion).

Richtig Freude kommt während der doch recht langen 95min eigentlich nur auf, wenn die im Kino bislang rare Nina Hagen eine ihrer unglaublichen Gesichtsakrobatiken vollzieht oder der treudoofe, achte Zwerg um eine Aufnahme in die Zwergen-WG bettelt. Dass das alles so schrecklich harmlos ist, ist aber auch eine der Stärken des Films, der für kleinere Kinder immerhin recht unterhaltsam sein dürfte. Wenn man doch nur nicht solche Bauchschmerzen kriegen würde angesichts des vielen Geldes, das hier wieder mal für so wenig Substanz verpulvert wurde.

Solide Mainstream-Komödie mit zweifelhaften, deutschen Humortugenden


Thomas Schlömer