13th Floor, The

USA, 100min
R:Josef Rusnak
D:Craig Bierko,
Armin Mueller-Stahl,
Gretchen Mol,
Vincent D'Onofrio
L:IMDb
„Hey .. was hast du mit der Welt gemacht ? - Abgeschaltet !”
Inhalt
In der Gegenwart vollbringt eine kleine Gruppe Computerwissenschaftler Unglaubliches. Unter der Leitung ihres Mentors, Dr. Hannon Fuller (Armin Müller-Stahl), gelingt es Douglas Hall (Craig Bierko) und seinem Freund Whitney (Vincent D'Onofrio), im Computer eine physikalisch komplett simulierte Welt enstehen zu lassen. Die in der Simulation lebenden Menschen sind nicht weniger real als ihre Schöpfer. Als Hannon Fuller ermordet wird, belasten alle Indizien seinen Schützling Hall als Mörder. Da dieser sich jedoch an nichts erinnern kann, reist er als Erster in die simulierte Parallelwelt, um Antworten erhalten. Zudem wird er kurioserweise mit Fullers Tochter Jane (Gretchen Mol) konftrontiert, oblgeich dieser keine Tochter hatte. Zusehends werden die Realitätsebenen für Hall weniger differenzierbar und bald scheint nicht mehr sicher, wer was simuliert und wer wen manipuliert.
Kurzkommentar
Zugegebenermaßen hat mich das Hollywood Debüt des sonst in Deutschland agierenden Regisseurs Josef Rusnak zu Beginn schwer beeindruckt. Bedrückende Atmosphäre, passender Inszenierungsstil und solide bis exzellente Schauspieler wissen neben der ausgeklügelten Story sehr zu fesseln. Wären da nicht die letzten 30 Minuten gewesen, die beinahe jeglichen guten Eindruck eines intelligenten Science-Fiction Krimis zunichte gemacht haben.
Kritik
Roland Emmerich ? ... brrr .. das kann ja kein intelligenter Krimi sein. Falsch gedacht - Josef Rusnak verleiht dem realitätserweiternden Science-Fiction Streifen "13th Floor" viel Tiefe und ihm gelingt es aufgrund stimmungsvoller Bilder, sehr gut agierender Schauspieler und einer ausgeklügelten Story das dreizehnte Stockwerk locker über das Mittelmaß des Erdgeschosses hinweg zu heben. Das sterile, kalt wirkende Gebäude des Software-Unternehmens ist mindestens so stimmig wie das farbarme, jungfräuliche Los Angeles der 30er Jahre - Atmosphäre pur. Interessant auch, daß sich der Zuschauer im Verlaufe des Films selbst erstmal in den verschieden Realitätsebenen zurecht finden muß und dabei mit immer neuen kleinen Details der sich entfaltenden Story um den Mord des gutmütigen Fuller konfrontiert sieht. Und eben dieser wird vom beeindruckend-geduldigen Armin Mueller-Stahl beinahe perfekt verkörpert - es baut sich beim Zuschauer ein wahres Mitleidsgefühl auf, wenn er sieht, daß Douglas Hall in ihm so etwas wie einen Vater hatte, der mit ihm alles teilte. Der Rest der Schauspielerriege, von Craig Bierko bis Gretchen Mol vermag zwar keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, liefert dennoch eine solide Leistung ab. Auch der sympathisch wirkende Detective macht seine Sache gut und sorgt immer wieder für story-vorantreibende Dialoge ...

Was "The 13th Floor" aber zu einem gesamt-überzeugenden Krimi fehlt, ist Konsequenz und Konstanz. Konsequenz, weil die Vielschichtigkeit der Realitätebenen nicht bis zum (bitteren ?) Ende gedacht wird und Konstanz, weil die Spannungs- und Handlungskurve zum Ende des Films gegen Null tendiert. Kommt zudem der Grundtenor in "13th Floor" zwar bekannt, aber dennoch fesselnd daher, so vermag der Film das Niveau nicht über die volle Distanz zu halten. Das ebenfalls "Matrix"-zugrundeliegende Konzept der Realität in der Realität ist zwar genial einfach, dennoch für einen durchweg exzellenten Krimi einfach nicht Stoff genug. Ebenso kann ich Flemmings Kritik an den teils haarsträubend albernen Technikdetails verstehen ("er hat sich in mich downgeloaded"). Und von der letzten halben Stunde bin ich vor allem deswegen maßlos enttäuscht, weil der intelligente Ansatz zu Beginn krampfhaft in ein Happy End gezwungen wird - zudem die klischeedurchtränkt dargestellte Zukunft in problemfreier Umgebung. Das alles sind zwar eher untergeordnete Details, die dem positiven Gesamtbild doch einen ordentlich Dämpfer verpassen.

Gerade diesem pessimistisch, aber dennoch glaubwürdigen Thriller hätte ein kritisch-provozierendes Ende äußerst gut zu Gesicht gestanden ... so bleibt nur die vertane Chance eines unbekannten Regisseurs.

Intelligenter Science-Fiction-Krimi - leider mit schwachem Ausgang


Thomas Schlömer