13th Floor, The

USA, 100min
R:Josef Rusnak
D:Craig Bierko,
Armin Mueller-Stahl,
Gretchen Mol,
Vincent D'Onofrio
L:IMDb
„Hey .. was hast du mit der Welt gemacht ? - Abgeschaltet !”
Inhalt
In der Gegenwart vollbringt eine kleine Gruppe Computerwissenschaftler Unglaubliches. Unter der Leitung ihres Mentors, Dr. Hannon Fuller (Armin Müller-Stahl), gelingt es Douglas Hall (Craig Bierko) und seinem Freund Whitney (Vincent D'Onofrio), im Computer eine physikalisch komplett simulierte Welt enstehen zu lassen. Die in der Simulation lebenden Menschen sind nicht weniger real als ihre Schöpfer. Als Hannon Fuller ermordet wird, belasten alle Indizien seinen Schützling Hall als Mörder. Da dieser sich jedoch an nichts erinnern kann, reist er als Erster in die simulierte Parallelwelt, um Antworten erhalten. Zudem wird er kurioserweise mit Fullers Tochter Jane (Gretchen Mol) konftrontiert, oblgeich dieser keine Tochter hatte. Zusehends werden die Realitätsebenen für Hall weniger differenzierbar und bald scheint nicht mehr sicher, wer was simuliert und wer wen manipuliert.
Kurzkommentar
Die Parallelen zur 'Matrix' sind so gravierend, dass der Vorwurf einer dreisten Kopie naheliegt, aber nicht legitim ist. '13th Floor' ist eine Literaturadaption mit kreativem Storykontext, doch dramaturgisch schwacher Umsetzung.
Kritik
Die momentane Trendwelle aus den Staaten ist nichts aufs Horrorgenre im engeren Sinn beschränkt. Im Allgemeinen gesellen sich noch Elemente der Mystifizierung hinzu, doch oft bleibt die Titelwahl das einzig mystische. So ist es schleierhaft, wieso gerade in einem Science Fiction-Thriller, der ohnehin schon jegliche Realität aushebelt, noch die abergläubische Zahl 13 als Unheilsmetapher im Filmtitel gentutzt werden muss. Da bietet die 'Matrix' allein durch den Titel eine wesentlich bessere Allegorie. Auch in allen anderen Punkten muss sich der von Roland Emmerich ('Godzilla', 'Independence Day') produzierte Realitätsversuch dem direkten Vergleich mit der intelligenten 'Matrix' stellen - und unterliegt deutlich.
Was aber ist nach der 'Matrix', mit der die Wachowski-Brüder das gesamte Genre progressiv vorantrieben, überhaupt noch möglich? Es zeichnete sich wohl früh ab, dass Regisseur Josef Rusnak mit einem Imitationsversuch der Actiondramaturgie der 'Matrix' keine Chance haben würde und einen anderen, weniger bombastischen Ansatz wählen musste. Doch stellt man sich die 'Matrix' um ihre fulminanten Bilderstürme beraubt vor, schrumpft die Gesamtfaszination schon wesentlich. Das ist nun auch gleichsam das gravierenste Problem des '13th Floor'. Auf dem philosophisch ausgeklügelten Roman 'Simulacron 3' von Daniel Galouye basierend, hat die Plotenwicklung zähen Kaugummicharakter, der weder von Actionsequenzen, noch von nennenswerter Dramaturgie entkrampft wird.

Bedauernswert, denn die Ausgangsvoraussetzungen sind mit guten Schauspielern und einer fantasievollen Geschichte gar nicht mal schlecht, zumal das Genre rein quantitativ nicht überreizt ist. Mit dem Grundmotiv, dass sich die Realität bei näherer Betrachtung als relativ und als Computerkonstrukt erweist, könnte man von einer schamlosen Kopie der 'Matrix' sprechen, doch ist es wahrscheinlich, dass die Romanvorlage schon älteren Datums ist. Und äußerst interessant gestaltet sich der Beginn des Films dadurch, dass Armin Müller-Stahl (als einziger Deutscher, der sich als Schauspieler in Hollywood einigermaßen etablieren konnte, wohl auf Wunsch von Landsmann Emmerich ans Set geholt) durch seine Präsenz in verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen geschickt für Konfusion sorgt. Diese verankert sich nicht nur beim Identitätsopfer Douglas Hall, sondern auch beim Zuschauer. Leider wird nur insofern für Entschlüsselung der Verwirrung gesorgt, als klar ist, dass nach Annahme derjenigen in der 'Gegenwart' nur zwei Welten bestehen: ihre ursprüngliche Realität und die im Computer.

Doch sobald die Hauptdarsteller auf ihren Mind-Trip in Festplattengefilde vordringen, verliert die Handlung zusehends an Drive. Und auch wenn es bewußtes Ziel des Regisseurs ist, das Verständnis DER Realität zu verwischen und jede materiellen Wahrnehmung als potentielle Simulation durch Computertexturen zu verkaufen, geht jegliche Tiefendimension verloren. Schizophrenie, die hier eigentlich auf optimalen Nährboden treffen müsste, wird nur phasenweise und dann halbherzig eingebracht, ebensowenig Wahn und existentielle Angst vor der ganz großen Illusion. Eine Menge ethischer Fragen kommen auf, adäquate Antworten werden nicht geliefert. Vielmehr bewegt in dem ganzen Wirrwarr nur noch die Frage, wer denn endlich den Stecker zieht - und wo. Unvergleichlich albern ist das Up- und Downloaden verschiedener Bewußsteinszustände - das Hirn als simpler Speicherbaustein. Der Schauspielstab gibt indessen konsequent brauchbare Darbietungen und die letzten zehn Minuten sorgen sogar für dezente Spannung und elegante Zuspitzung - leider zu spät. Auch wenn die unplausible Aufklärung der ganzen Realitätsschieberei mehr Fragen als Antworten aufwirft (was treffenderweise dem letzten Dialog unfreiwillig implizit ist), ist das 13te Stockwerk für einhundert Minuten Aufenthalt noch zu gebrauchen.

Undramatische Realitätskonstruktion im Schatten der 'Matrix'


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Zugegebenermaßen hat mich das Hollywood Debüt des sonst in Deutschland agierenden Regisseurs Josef Rusnak zu Beginn schwer beeindruckt. Bedrückende Atmosphäre, passender Inszenierungsstil und solide bis exzellente Schauspieler wissen neben der ausgeklügelten Story sehr zu fesseln. Wären da nicht die letzten 30 Minuten gewesen, die beinahe jeglichen...