Schnee, der auf Zedern fällt
(Snow falling on cedars)

127min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Scott Hicks
B:David Guterson, Ronald Bass
D:Ethan Hawke,
Youki Kudoh,
Reeve Carney,
Ann Suzuki
L:IMDb
„I´m so grateful for your gentle heart.”
Inhalt
Im Jahre 1954 wird der Fischer Kazuo Miyamoto (Rick Yune) vor Gericht gestellt. Er soll seinen Jugendfreund Carl Heine umgebracht haben. Ishmael Chambers (Ethan Hawke), Redakteur der einzigen Zeitung auf der Insel San Piedro, versucht den Fall aufzuklären. Da der vermeintliche Täter Amerikaner japanischer Abstammung ist und die schmerzhafte Erinnerung an Pearl Harbour noch lebendig ist, wird die Verhandlung von Ressentiments und Rachsucht begleitet. Hatsue Miyamoto (Youki Kudoh), jetzt die Frau Kazuos, war zudem Ishmaels frühere Liebe. Ishmael sieht sich mehr und mehr mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert.
Kurzkommentar
Leider schwankt "Schnee, der auf Zedern fällt" zwischen seinen langatmigen, oftmals bezugslosen Bildersequenzen und einer wenig spannenden, hervorsehbaren Story. Das der Film gut gemeint ist, kommt zwar rüber, doch die Botschaft mag nicht zu fesseln - zumal nicht so ganz zu erkennen ist, was denn nun die Botschaft ist.
Kritik
"Schnee, der auf Zedern fällt" hat drei Probleme, die alle ganz offensichtlich von seinem Ursprung als Roman herrühren:

Zum ersten ist der Film ungeheuer bilderreich, soll heissen, er setzt stärker als andere Filme auf die alleinige Kraft des Bildes; minutenlange wortlose Bildersequenzen sind keine Seltenheit. Es ist zwar schön, dass sich Scott Hicks bemüht hat, die poetischen Beschreibungen des Buches adäquat umzusetzen, aber leider wird dem Zuschauer der Sinn der Bilder nicht immer so ganz klar. Hinzu kommt, dass der Regisseur anscheinend die verschiedenen Zeitebenen des Buches nachzuahmen versucht: Das Ergebnis sind zwar schöne, aber leider oftmals bezugslose, verwirrende Bilderfolgen, die zudem noch aus verschiedenen Zeitebenen der Handlung stammen - das macht sie schwer zu ertragen. Schade auch, dass Hicks hin und wieder mechanisch in diesen Bildersturm verfällt: Kaum sagt jemand: "Ich war im Krieg", schon bekommen wir 3 Minuten Kriegsbilder serviert. Geht es um einen Handel, sehen wir lange Minuten zwei verhandelnde Menschen. Und sagt jemand "Erdbeerprinzessin", dürfen wir wieder ein paar Minuten lang Bilder von der Erdbeerernte und einem faschingsähnlichen Umzug bestaunen. All das mag Bezug zur Geschichte haben, aber eine gewisse Straffung zur Betonung der wichtigen Elemente wäre gut gewesen - denn einen hunderte von Seiten starken Roman vollständig in einen 2-Stunden-Film zu packen, das wird wohl nie gelingen.

Eine straff erzählte Geschichte ist sowieso nicht die Sache dieses Films: Ähnlich den Bildsequenzen ist auch die Handlung durch die vielen Zeitsprünge und das mangelnde Fortschreiten wirr und anstrengend. Viele Personen werden eingeführt, viele kleine Geschichten erzählt, viele Details geschildert, fast akribisch wird jede Kleinigkeit breit erläutert. Und auch hier gilt: In einem Buch ist die genaue Beschreibung wichtig, um Stimmung zu erzeugen und ein Gefühl für den Rahmen zu vermitteln. Doch im Film können viele der notwendigen Verbalisierungen durch ein Bild ersetzt werden - ein Bild kann, geschickt eingesetzt, viele langatmige Beschreibungen unnötig machen. Doch "Schnee, der auf Zedern fällt" tut genau das nicht. Vielmehr wird auch hier, nahe am Buch, jedes kleine Detail hingebungsvoll geschildert. Ärgerlicherweise ist das aber oftmals unnötig.

Diese Partikularisierung zeigt sich auch in der Geschichte, und in der Botschaft des Filmes. Da geht es um Vorurteile und um Rassismus, um die Menschlichkeit und den Anstand. Dann wieder um die Unschuld der Jugend und die Ungerechtigkeit der Welt. Dann auf einmal um die Liebe zwischen der Japanerin Hatsue und dem Amerikaner Ishmael. Dann um einen Generationenkonflikt beziehungsweise ein Identitätsproblem bezüglich Ishmael und seinem Vater. Dann wieder fallen schwere Worte zu Ehre, Pflicht und Schicksal. Ich glaube sofort, dass es schwierig ist, die Komplexität des Buches im Film auch nur annähernd umzusetzen. Wahrscheinlich ist es unmöglich. Aber daraus hätte Hicks den Schluss ziehen sollen, konsequenterweise einige Teile des Buches ganz wegzulassen, statt zu versuchen, alle anzureissen.

Eigentlich ist "Schnee, der auf Zedern fällt" ein schöner Film: Es ist ein poetisches Thema, mit stimmungsvollen Bildern umgesetzt, von zurückhaltenden, aber glaubwürdigen Schauspielern gut dargestellt, mit einer ansprechenden Botschaft. Doch was leider auch in Erinnerung bleibt, ist die kaum vorhandene Konsequenz, die wenig tragfähige Handlung, die verwirrende Bilderflut, der irriterende Mangel eines durchgängigen Themas. Auch wenn Hicks gerade das offensichtlich nicht wollte: Etwas mehr Straffung, Konzentration auf weniger, Betonung massgeblicher Elemente, mehr Handlung, weniger Stimmung, das hätte dem Film geholfen.

Allzu betuliche und zugleich wirre Leinwandadaption


Wolfgang Huang