In this World

England, 89min
R:Michael Winterbottom
B:Tony Grisoni
D:Jamal Udin Torab,
Enayatullah
L:IMDb
„Der Tod lauert. Ein Versteck gibt es nirgends.”
Inhalt
Die beiden afghanischen Cousins Jamal und Enayatullah leben in der pakistanischen Stadt Peshawar nahe der afghanischen Grenze. Jamal, der jüngere der beiden, ist Waise und in dem Flüchtlingslager Shamshatoo untergebracht, tagsüber arbeitet er in einer Ziegelei. Enayatullah arbeitet auf dem Marktstand seiner Familie. Diese entscheidet, dass Enayatullah nach England gehen soll, um seiner Familie und ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. Jamal gelingt es, durch seine Überredungskünste und dank seiner englischen Sprachkenntnisse die Familie zu überzeugen, ihn gemeinsam mit Enayatullah gehen zu lassen. Die beiden gehören nun zu den rund eine Millionen Flüchtlingen pro Jahr, die ihr Leben in die Hände von Menschenschmugglern legen.
Kurzkommentar
Was Michal Winterbottom mit der Inszenierung seines halbdokumentarischen Dramas "In this World" auf sich genommen hat, verlangt höchsten Respekt: nur mit DV-Kamera und einer kleinen Crew begleitete er zwei afghanische Flüchtlinge auf ihrem Weg nach England. Diese hatten bis dato ihr Land noch nie verlassen und erleben die "Flucht" (die trotz allem von der Crew organisiert wurde - wenn auch unter Berücksichtigung realer Bedingungen) am eigenen Leib. Dass der Zuschauer da Anteil nimmt, ist kein Wunder, folgt Winterbottoms Kameramann Marcel Zyskind den Protagonisten doch auf Schritt und Tritt. Und so wirkt "In this World" besonders in den Szenen, in denen er sich von seinem groben Plotgerüst löst, die "Darsteller" (die keine solche waren) improvisieren und Winterbottom kurze Momentaufnahmen der Menschen eines Landes einstreut, am ehrlichsten und stärksten. Dennoch muss sich gefragt werden, was Winterbottom mit seiner Arbeit beabsichtigte: dem realen Jamal konnte er ebensowenig ein dauerhaftes Visum für England verschaffen wie seinem Onkel Enayatullah (was dazu führte, dass Jamal die Reise nach seiner erzwungenen Rückkehr nach Pakistan ohne Wissen der Filmemacher nochmals alleine antrat). So gelingt Winterbottom zwar ein lebensnahes Porträt zahlreicher Flüchtlinge dieser Welt und macht auf deren unfassbares "Abenteuer" aufmerksam, er reflektiert aber nicht über Ursachen und Lösungen dieser Problematik. Sein Film bleibt gänzlich unpolitisch, vermeidet den Diskurs. Für ihn zeugen die neuen Gesetze Englands zur bedingungslosen Abweisung ausländischer Flüchtlinge zwar von unfassbarer Unmenschlichkeit, aber Hintergründe und Positionen erörtert er nicht. "In this World" bleibt so zwar weiterhin ein wichtiger und teils berührender Film, die Menschen "wachzurütteln" vermag er allerdings nicht.
(Thomas Schlömer)