Kops
(Kopps)

Dänemark / Schweden, 90min
R:Joes Fares
B:Josef Fares
D:Fares Fares,
Torkel Petersson,
Göran Ragnerstam,
Sissela Kyle
L:IMDb
„Ich tue nichts”
Inhalt
In der kleinen Stadt Högsboträsk hat die Polizei ein großes Problem: es gibt praktisch keine Kriminalität. Prompt will die Zentrale in Person der hübschen Jessica das beschauliche Revier schließen. Doch die vier Cops haben einen cleveren Plan. Plötzlich gibt es einen ersten Diebstahl im Tante-Emma-Laden zu beklagen. Hauswände werden besprüht. Die örtliche Würstchenbude geht in Flammen auf. Sogar eine Geiselnahme mischt die Kriminalstatistik gehörig auf.
Kurzkommentar
Dass Schweden entspannend sein kann, ist kein Geheimnis. Der gefeierte Jungregisseur Josef Fares legt mit der Ordnungshüter- und Provinzsatire „Kops“ eine extrem lockere Groteske hin. Sie besticht durch ihre witzige Grundidee und amüsiert durch leichten, teils gezwungenen Humor über weite Strecken, ist aber auch zu ziellos und unpointiert.
Kritik
Glaubt man der IKEA-Idylle, mangelt es der schwedischen Weite an drei wesentlichen Dingen: Menschen, Ereignisse und Verbrechen. Gerade der Blick des halb Außenstehenden kann dieses Klischee auf die Spitze treiben: Josef Fares, erst 26 Jahre alt, lebt in Schweden, wurde aber im Libanon geboren. Vor drei Jahren verarbeitete er den persönlichen Kulturclash in der Komödie „Jalla, Jalla!“, die ihm in seiner neuen Heimat zum Durchbruch verhalf. Ebenso nun „Kops“, die zweite kleine Erfolgssensation. Angesichts der Einwohnerzahl dürfte den Film ungefähr jeder siebte Schwede gesehen haben – und womöglich bald der Rest der Welt, denn die Erfolgsstory schwappte bis nach Hollywood. Dort plant man mit Adam Sandler in der Hauptrolle ein Remake des Films. Dass der bizarr-exotische Charme des Originals dabei auf der Strecke bleiben wird, steht fest.

Die Grundidee ist so simpel wie zündend, Fares setzt klar auf das komische Potential der Bilder: die Kamera sinkt auf ein beschaulich-ödes Kaff im schwedischen Nirgendwo – schon vor tausend Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt, seitdem keine besonderen Vorkommnisse. Diese zeitlose Dörflichkeit macht schnell verständlich, dass der wahre Feind der öffentlichen Ordnung noch immer die Langeweile ist. Einzige Objekte des Verdachts sind ein Mülleimer und ein einsam friedlicher Penner. Und unter der gediegenen Fassade lauert ganz sicher nicht das Böse. Die vier Polizisten sind hier alles gleichzeitig: schrullige Einsiedler und Dorfdeppen mit natürlich hohem Ausstellungswert. Deren Marotten und die unterschiedlichen Arrangements mit der Trostlosigkeit weidet Fares in der ersten Phase von „Kops“ recht gelungen aus – und karikiert dabei unerwartet „Matrix“, dessen Bullet-Time-Effekte selbst in die Phantasie des letzten schwedischen Provinzcops vorgedrungen sind.

Benny hat im Grunde nichts anderes zu tun als Zimtschnecken zu essen, sich von den Dorfältesten beim Pokern abziehen zu lassen und neue Rekorde beim abenteuerlichen Auftischen von Katzenfutter aufzustellen. Seine Hollywood-Phantasiewelt, in der er „Benny the Cop“ ist, geht aber samt ihrer Kraftausdrücke öfters mit ihm durch – soweit, dass sogarschwarz vermummte Superterroristen die örtliche Würstchenbude hochjagen. Das ist dann für einige Lacher gut, aber auch ziemlich klamaukartig. Ganz anders Jakob, der sich mit Blind-Dates aus der Einsamkeit zu flüchten versucht. Viel Profil gewinnen die scheelen Figuren aber ebenso wenig wie der Streifen einen einheitlichen Ton. „Kops“ ist extrem entspannt und will erst gar nicht durch eine große Handlungsführung oder Auslotung seiner Figuren auffallen. Mehr Dialogwitz hätte allerdings nicht geschadet. Technisch versprüht Fares´ Film durch leicht unbeholfene Kameraführung und unterbeleuchtete Bilder einen spröden Charme.

Dass die Polizeiwache wegen Unterbietung jeder kriminellen Statistik geschlossen werden soll, bringt den notwendigen Wendepunkt und birgt etliche Chancen. Die nutzt „Kops“ aber nur beim genötigten Würstchenklau und der Demolierung eines Mülleimers, woraufhin Benny, noch nichts ahnend, seiner Phantasie gemäß als Superbulle komplizierte Tatmuster strickt. Statt das Skurrile von Szenario und Einfall mit bescheidener Situationskomik auszureizen, setzt Fares auf eine holperige Liebesgeschichte zwischen Jakob und der blonden Schönheit aus der Stadt. Zudem trägt „Kops“ mit der inszenierten Geiselnahme gegen Ende doch zu lärmend auf und verliert sich zum Teil in Fäkalklamauk. Eine Klamotte mit Kultpotential ist der Streifen trotz seiner schrulligen Charaktere letztlich nicht. Fares lässt Pointen ungenutzt. Aber auch so ist „Kops“ so natürlich locker wie sonst kaum ein Film und wegen seiner exotischen Verschrobenheit unbedingt einen Blick wert.

Sympathisch schrullige Provinzfarce mit vergebenen Chancen


Flemming Schock