Hellboy

USA, 122min
R:Guillermo Del Toro
B:Mike Mignola, Guillermo del Toro, Peter Briggs
D:Ron Perlman,
John Hurt,
Selma Blair,
Rupert Evans,
Karel Roden
L:IMDb
„I´m fireproof”
Inhalt
Hellboy (Ron Perlman), ein von den Nazis erschaffener Dämon, wechselt die Seiten und wächst durch den guten Einfluss seines wohlmeinenden Ziehvaters Dr. Broom (John Hurt) zu einem Verteidiger gegen die Mächte des Bösen heran. Dabei muss er lernen, dass fantastische Kräfte sowohl ein Segen als auch ein Fluch sein können und ihn gleichsam von der Gesellschaft isolieren, die nur er beschützen kann.
Kurzkommentar
Mit „Hellboy“ konturiert „Blade 2“-Regisseur Guillermo Del Toro seine Genretugenden noch ein Stück deutlicher. Sicher ist der augenzwinkernde Spaß wegen des üblichen Comic-Plots und Nebenrollen, die nicht mehr als Dekor sind, kein Highlight. Auch kommt „Hellboy“ bei der Intensität der Action nicht schnell genug aus dem Quark. Aber mit Ron Perlman als „Hellboy“ schickt Del Toro einen der charismatischsten und coolsten Helden ins Rennen. Zusammen mit hohen Produktionswerten und viel Stil stößt „Hellboy“ ins vordere Feld der Comicadaptionen und macht Lust auf mehr.
Kritik
Gerade, als es so scheint, als bräche sich die Welle der endlos schwappenden Comicverfilmungen, kommt erst die richtig große. So schwingt sich „Spider-Man 2“ auf, selbst die Kassenrekorde seines Vorgängers komplett in den Schatten zu stellen. Allerdings markiert der Spinnenmann einen Sonderfall, ist er doch, wie die Kritik überwiegend meint, nicht nur der bisher beste Transfer eines Comichelden auf die Leinwand überhaupt, sondern – gerade für ein Sequel überraschend – auch gleich noch einer der besseren Filme des Jahres. Das macht ihn womöglich auch für ein älteres Publikumssegment interessant. „Hellboy“ erfüllt dieses Kriterium ganz sicher nicht. Titel und Name des Regisseurs sind unmissverständlich Programm: Es wird eingeheizt, der Plot ist allein der übliche Comic-Schmu. Und trotzdem hat „Hellboy“ Charakter, wird am Ende kein Opfer der Comicverwertungsmaschinerie.

Der Mexikaner Guillermo Del Toro zeigte schon vor zwei Jahren mit seiner Fortsetzung „Blade 2“ ein sicheres Händchen für ehrlich hirnlosen Comicspaß auf der Leinwand, weil er die Tugenden des Genres stilsicher durchdeklinierte. So hatte „Blade 2“ das Nötigste zum Antrieb - den unbestechlich coolen Helden und durchaus satte Action. Da störte weniger, dass die Fortsetzung eine Kopie der Tugenden des Originals ist. Denn das ist sie fast unvermeidlich. Das Plotproblem ist zudem ja eigentlich keines, denn wer ehrlich ist, darf keinen erwarten. Das zeigen die ursprünglichen Prämissen des Genres, eines, das in Bildern, in Bewegung, eben nicht textlich erzählt und dem Film damit auf etwas paradoxe Art nahe ist. Del Toro zeigt dann auch mit „Hellboy“, seinem achten Film, dass das psychedelisch wie kindisch Überdrehte im Film stilsicher, fast „natürlich“ wirken kann. Von „Blade 2“ übernimmt er vor allem eine Note, die ein richtiges Verständnis des Ganzen verrät: Ironie.

Nichts ist lächerlicher als Comichelden, die sich ernst nehmen. Del Toro nimmt seinen gesamten Film an nur wenigen Stelle für voll, und gerade das macht „Hellboy“ zu einem überwiegend spaßigen Unfug, aus dem man zwar mehr hätte machen können, doch eine Fortsetzung ist für 2006 schon in Planung. Das ist gut, denn Del Toro dürfte sich mehr und mehr zum Spezialisten des Faches ausbilden. Mit „Hellboy“ ist nicht nur der Del Toro auszeichnende Blick für extrem stylishes Produktionsdesign und exzellente Maske gegeben. Vielmehr liefert der Film einen überraschend charismatischen, einen menschlichen wie monströsen Helden, der höllisch locker wie infantil ist und schwer unterhält. Es ist die One-Man-Show von Ron Perlman, des buckligen Quasimodo aus „Der Name der Rose“, ein 54-jähriger Schauspieler, der immer merkwürdig abseits stand.

Seine physische Präsenz ist hier enorm, wozu auch die hervorragende Maske – eine gelungene Parodie auf sämtliche Teufelsklischees – ihren guten Teil beiträgt. Unter den üppigen Muskelpaketen ist Perlman zwar nur noch schwer zu erkennen, spielt sich aber dennoch hindurch: Erst Perlman macht mit offensichtlicher Lust an seiner Rolle aus dem „Hellboy“ einen überraschend differenzierten Charakter, der „höllisch“ menschlich ist. So zeigt sich Bizarres in der Liebe zum Detail. Denn natürlich bevorzugt der sympathische Orkusknabe scharfes Chili, zeigt ab und an jedoch auch seine milchgesichtige Seite, und stutzt sich, ganz eitel, vor dem Spiegel nicht mittels Elektrorasierer den Bart, sondern die Hörner mit dem Schleifgerät. Und selbst eine Ader für Romantik ist dem Freak eingeboren. Aber das ist für Del Toro richtigerweise nur Beigabe, im Mittelpunkt steht natürlich der ultimative Kampf Gut gegen Böse.

Und der ist durchweg vorzeigbar. Die durchaus witzige Pointe ist, dass man dem Feind am besten mit den eigenen Waffen schlägt. So kam „Hellboy“ aus irgendeinem Dimensionstor geplumpst, dass die Nazis im Angesicht der drohenden Weltkriegsniederlage durch einen Pakt mit dem russischen Zauberkasper Rasputin (der lebte tatsächlich, hatte enormen Einfluss auf den Zarenhof, starb allerdings schon 1916) geschlossen haben, um die Hölle als Geheimwaffe für den Endsieg auf den Plan zu rufen. Guillermo Del Toros Film setzt für seinen dünn-dämlichen Plot allerlei okkulten Unfug zusammen und bedient sich bei den Nazis als den gerade im Comicgenre ewig durchgenudelten Mode- und Paradebösewichtern. Das ist trashverdächtig wie amüsant. Das Problem ist eher, dass der gelungene „Hellboy“ keinen äquivalenten Gegenspieler hat, dass generell alle weiteren Figuren schematisch und verzichtbar bleiben.

Aber immerhin stylish sind sie. Innere Spannung kommt mit „Hellboy“ also sicher nicht auf, so gibt es immer wieder auch Längen bis zum nächsten Schlagabtausch. „Erzählend“ eine Comicverfilmung mit innersten Interesse für seine Figuren zu entwickeln, das ist sicher nicht Del Toros Stärke. Aber er hat andere, die genügen, um auch „Hellboy“ trotz einer peinlichen Logiklücke am Ende positiv vom Einerlei der restlichen Umsetzungen abzuheben: Neben der offensiven Selbstironie, dem durchweg schicken Produktionsdesign und den obligatorisch flotten Einzeilern geht es der Höllenbrut auch vom Gesichtspunkt der Effekte her solide an den Kragen. Schade nur, dass die Hölle hier nur einen Dämon ausspuckt; ein wenig mehr Abwechselung wäre gut gewesen. Dennoch: Wer gewillt ist, von einer Comicverfilmung auch nicht mehr als Comichandlung zu erwarten, dürfte mit dem extrem lockeren „Hellboy“ nicht enttäuscht werden. Der Streifen ist wohl kalkuliert, sicher innovationslos, aber detailverliebt im Design, stilsicher und ausreichend kurzweilig. Es gab bei weitem Schlechteres. So lässt „Hellboy 2“ hoffen.

Stilvoll-lockerer Comicspaß mit genretypischen Schwächen und markantem Helden


Flemming Schock