Appartement-Schreck, Der
(Duplex)

USA, 12min
R:Danny DeVito
B:Larry Doyle
D:Ben Stiller,
Drew Barrymore,
Eileen Essel
L:IMDb
„She´s a freak of nature”
Inhalt
Alex (Ben Stiller) und Nancy (Drew Barrymore) sind glücklich, wollen bald heiraten und haben endlich das ideale Zuhause gefunden. Es scheint zu perfekt, hat nur einen Haken: Dummerweise hat ihnen der Maker die Obermierterin (Eileen Essel) als ruhige, alte Dame verkauft. Als die beiden einziehen, beweist sich ganz schnell das Gegenteil.
Kurzkommentar
Noch in diesem Jahr wird Danny DeVito vor der Kamera in der Fortsetzung zu „Schnappt Shorty“ zu sehen sein. Ansonsten hat sich der sprichwörtlich kleinste Star rar gemacht, legt aber mit „Der Appartment-Schreck“ seine nun mehr sechse Regiearbeit vor. Die ist nicht mehr als eine formelhafte Slapstick-Klamotte, die alle Zutaten des Nachbarschaftsterrors in einem ehrlich minimalen Plot zitiert. Originelle Elemente gibt es keine. Bei der Besetzung ist immerhin nichts zu beanstanden und einige lustige, wenngleich sehr programmierte Momente sind auch dabei. Will Danny DeVito weiterhin Filme machen, muss allerdings mehr als ein derartig banaler Spaß das Ziel sein.
Kritik
In seiner über 30-jährigen Filmkarriere hat Danny DeVito ja selten den Versuch gemacht, dem nie bösartig verlachten Stereotyp des „kleinwüchsigen amerikanischen Italieners“ zu entkommen. Vielmehr schlug er besonders daraus, aus seiner geringen Körpergröße im Sinne schauspielerischer Körpersprache Profit. Folglich wird DeVito weniger wohl weniger wegen einzelner Filme als eben wegen dieses Bildes des kleinen, hektisch wirbelnden Zwerges in Erinnerungen bleiben. In diesem Jahr wird er sechzig, ist als Produzent etabliert und hat auch bereits fünf eigene Regiearbeiten vorgelegt, von denen allein der „Der Rosenkrieg“ von 1989 mit Michael Douglas ein größerer Erfolg wurde. „Naturgemäß“ fühl sich DeVito im Komödiensegment am besten aufgehoben. So hat auch „Der Appartment-Schreck“ - im Original weniger prägnant „Duplex“ (Doppelhaus) betitelt – als seine sechste Regiearbeit wenig Interesse an mehr als harmlosen Stoffen.

„Der Appartment-Schreck“, der deutsche Titel, ist da unmissverständlich Programm und hat den klaren Vorteil barocker Buchtitel aus dem 17. und 18. Jahrhundert: er bietet gleichzeitig die Inhaltsangabe. Wer also selbst Opfer oder Täter des gepflegten Nachbarschaftsterrors ist und Lust hat, diesen Psychoterror in karikierter Zuspitzung mal wieder auf der Leinwand zu erleben, weil Lachen ja heilen kann, dürfte mit Danny DeVitos neuestem Film recht gut bedient sein. Unzählige mehr oder weniger gute Klamotten haben dieses Thema in Variationen ausgequetscht und „Der Appartment-Schreck“ ist die x-te 08/15-Version, die einen durchweg harmlosen Spaß bietet, wenn das Kino sonst gerade keine Alternativen parat hat. Der Film ist trivial, aber in den Grenzen seines Musters hier und dort recht spaßig. DeVito macht aus dem übersimplen Zuschnitt seines Plots dann auch keinen Hehl und kommt, ohne dass die Figuren mit Hintergrund versehen würden, ohne Umschweife zum Kern.

Und so macht es auch den Eindruck, als ob Ben Stiller und Drew Barrymore für die Rollen der Terroropfer sich für „zwischendurch“ vertraglich verpflichtet hätten. Zudem produzieren sie den Streifen. „Der Appartment-Schreck“ ist über den Plot hinaus in jeder Hinsicht minimal im Aufwand und dürfte mit geringster Drehzeit im Kasten gewesen sein – spielt der gesamte Slapstick doch nur in wenigen Räumen. Wer eine Kinokarte für einen Film mit diesem Titel löst, sollte wissen, worauf er sich einlässt und ebenso klar, was zu erwarten ist. Deswegen muss das Strickmuster vom „Apparment-Schreck“, das sich in allen bekannten Klischees erschöpft, nicht unbedingt abträglich sein. Die Besetzung geht in Ordnung, selbst wenn deutlich ist, dass mögliche komödiantische Talente von Stiller und Barrymore so gut wie in keiner Szene gefordert werden. Die Terroroma von oben mit Eilen Essel zu besetzen, ist glücklich. Schön zeigt der Film hier, wie nervtötendes Drangsalieren weniger über offensichtliche „Senioren-Garstigkeit“ als über subtile Ausbeutung des sozialen Pflichtbewusstseins der älteren Generation zur Verzweifelung treibt.

So bittet die stets liebenswürdige Alte den jungen Schriftsteller erst um kleine Gefälligkeiten und natürlich bleibt es nicht dabei, dass dieser mit der Obermieterin trotz Zeitdruckes wegen eines fertigzustellenden Buches im Supermarkt die Weintrauben einzeln in die Plastiktüte zählen muss. Die knochige Beharrlichkeit des Großmütterchens ignoriert in einigen schwer amüsanten Momenten in immer zugespitzerer Form das Privatleben des neu eingezogenen Pärchens, das eigentlich die Traumwohnung gefunden zu haben meinte. Wie es so ist, verkehrt sich, sobald die weit dehnbaren Grenzen der Gutmütigkeit überschritten sind, alles in einen Alptraum, bis die unglaubliche Alte selbst einem Killer überantwortet werden soll. Das so Einiges dabei klamottenmäßig übersteigert und wiederhohlend daher kommt, gehört zum ideenlosen wie programmgemäßen Ablauf des Schlagabtausches. Immerhin ist der „Appartment-Schreck“ aber ehrlich anspruchslos und liefert auf klare Weise genau das, was von einem Streifen derartig hölzernen Zuschnitts erwarten ist. Nicht mehr, nicht weniger. Und von Danny DeVito ist auch in Zukunft sicher nichts anders zu erwarten.

Ordinäre Nachbarschaftsklamotte mit akzeptabler Besetzung


Flemming Schock