Sixth Sense, The

USA, 107min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:M. Night Shyamalan
B:M. Night Shyamalan
D:Haley Joel Osment,
Bruce Willis,
Toni Collette,
Donnie Wahlberg
L:IMDb
„Ich sehe tote Menschen.”
Inhalt
Eines Tages bricht ein ehemaliger Patient in die Wohnung des Kinderpsychiaters Malcolm Crowe (Bruce Willis) ein, beschuldigt ihn völlig verstört, er hätte ihm nie geholfen, schiesst dann Crowe an und tötet sich selbst. Einige Monate später zehrt Crowe immer noch an seinem vermeintlichen Versagen, hat aber mittlerweile einen neuen "Fall": der kleine Cole Sear (Haley Joel Osment), der ihm ebenfalls einige Rätsel aufgibt. Er hat ein dunkles Geheimnis.
Kurzkommentar
Die Beigeisterung und Lobeshymnen, die "The 6th Sense" in den USA hervorgerufen hat, kann ich nicht nachvollziehen. Der Film ist solide, der junge Haley Joel Osment ein brillianter Schauspieler, und das Ende wirklich gut, vor allem aber mangelt es dem Film meiner Meinung nach an Aussage und Bedeutung.
Kritik
Ohne Haley Joel Osment wäre "The 6th Sense" nichts. Bruce Willis spielt zurückhaltend bis langweilig, was angesichts seiner gewünschten Abkehr von Action-Genre auch nicht verwundert, Willis versucht wohl, sich ins Charakterfach zu spielen. Aber der junge Osment, der die Rolle des geheimnisvollen Cole Sear spielt, ist einfach brilliant, und alle anderen verblassen ihm gegenüber. Bruce Willis hat den Jungen für den Oscar vorgeschlagen, und man kann nur sagen: Er hätte ihn wirklich verdient. Hut ab!
Ebenfalls bemerkenswert ist das Ende des Films, das den ganzen Film nochmal in den letzten 3 Minuten umkrempelt. Um die Spannung nicht zu nehmen sei nicht mehr gesagt, nur das es wirklich überraschend und innovativ ist.
Meiner Meinung nach hören hier die guten Eigenschaften auch schon wieder auf -erstaunlich, immerhin war der Film 6 Wochen lang auf Platz 1 der amerikanischen Charts; das hat zuvor noch kein Film geschafft. Auch die Kritiken überschlagen sich fast, besonders wird die überragende Atmosspähre gelobt. Meine Vermutung: Alle haben zuvor den wenig dezenten "Blair Witch Project" gesehen, und mussten im Nachhinein feststellen, dass man für schockierende Effekte weder Blut noch Schreie braucht. Zugegeben, der Film versteht es tatsächlich, eine düster-geheimnisvolle Atmosspähre aufzubauen, und das mehr mit Andeutungen als mit Direktheiten. Gerade dieser Schwebezustand, der den Zuschauer im Zweifel lässt, was er nun Glauben soll, und der feine Grusel, weil eben nicht hinter jeder Ecke ein Monster lauert, hat die an Subtilität kaum gewöhnten amerikanischen Zuschauer wahrscheinlich fasziniert.
Mir persönlich hat dieser leicht metaphysische Aspekt mit den lebenden Toten, die von dem Jungen einen letzten Dienst einfordern, nicht gefallen -ich kann nichts damit anfangen. Tatsächlich gibt es keinen Bezug zur Realität, was etwas im Kontrast zu dem Versuch des Films, ernsthaft und seriös zu wirken, steht. Um es einfach zu sagen: Ich weiss nicht, was ich mit dem Film anfangen soll. Er war nicht lustig, für einen richtigen Grusler nicht gruselig genug, und er hat auch keine Moral (im Sinne einer Aussage über die wirkliche Welt). Zumindest kann ich mit der möglichen Aussage "Es gibt lebende Tote" oder "Alle Vergehen zu Lebzeiten rächen sich nach dem Tod" wenig anfangen.

Was bleibt, ist ein erstaunlich feiner Gruselfilm mit einem brillianten Schauspieler. Wer auf die Bedeutung verzichten kann, dem sei dieser Film empfohlen, alle anderen sei der sehr ähnlich gelagerte "Stir of Echoes" mit Kevin Bacon empfohlen.

Überschätztes Mystik-spektakel mit brilliantem Jungdarsteller


Wolfgang Huang
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Während Wolfgang und Flemming den zähen Mittelteil des Überraschungserfolgs "The Sixth Sense" schon ausreichend kritisiert haben, möchte ich noch einmal das meiner Ansicht nach geniale Gesamtkonzept unterstreichen. Selten zuvor ist mir so ein ausgebufftes Spiel mit dem Zuschauer untergekommen, selten zuvor wurde zum Zuschauer so abrupt der Boden un...